Meine Durchbrüche kommen ganz plötzlich. Wirklich dann, wenn ich am wenigsten damit rechne. Also mit Durchbrüchen meine ich Lösungen, die wie eine neue Weisheit und Klarheit über mich einbrechen. Auf einmal kann ich während ich Wäsche zusammenlege genau benennen, was an der Situation störend war. Ich habe beim Klogang Ideen, wie ich leben will. Und, oh, ich beschließe beim Meditieren, ich selbst zu bleiben und mich von allem AUSSEN zu lösen. Eure Limitations sind nicht meine. Ich vertraue mir und je ruhiger ich werde, desto lauter höre ich meine innere Stimme.
Versagensangst ist dieses Außen. Diese Angst macht unbeweglich, nachdenklich. Wenn ich doch ein kleineres Leben lebe, als ursprünglich ersinnt, dann kann auch nix schiefgehen. Außer die innere Blüte, die verkümmert und verblüht und sich dann im Außen wieder zeigt, als spitzer, giftiger Dorn. Missgunst, Neid, Giftigkeit. So würde ich die durchschnittliche Wienerin um die 60 Jahre beschreiben, heruntergewaschene Jeans, eine speckige Steppjacke, Kettenraucherin, bissig. Im Blick liegt all das, was sie nicht bekommen, nicht erreicht hat. Ihre Bemerkungen sind zynisch, abfällig. Nichts kann sie mehr erheitern. Grau, eingefallen, verbittert, unausstehlich. Zum Glück hab ich mich von diesen Vampiren in meinem Leben losgesagt, losgeeist, ich hab doch so viel kindliche, verschmitzte, vergnügte Energie.
In meiner kindlichen Energie liegt auch manchmal ein Trotz. Das ist so roh, da liegt so viel Potenzial drin, kriege ich als Feedback auf meine neue Art zu schreiben. “JAAA, du sollst nur noch Künstlerin sein!!!” ruft die liebe Anna. Scheinbar tut es mir gut, mich so mitzuteilen und es will gar nicht aufhören. Sobald ein neuer Newsletter eingepflogen und abgeschickt ist, neigt sich der nächste dem Ende zu. Ich schreibe und schreibe und muss mich zurückhalten, euch nicht zu viel zu schnell zu schicken. So ein Newsletter will gepflegt werden und die 10 Jahre Marketing Erfahrung kriegst so schnell auch nicht aus mir raus. Ich brauche eine wachsende Leser*innenschaft, wenn ich den Verlagen meine Manuskripte schicke, sollte ich eine wachsende Reichweite mitbringen, sonst werd ich da eh nur belächelt.
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Manchmal denk ich ans Arbeiten und ich würde gern wieder volle Kanne arbeiten und arbeitsfähig sein. Die Realität, meine traurige, wachsame Realität zeigt mir aber, dass ich noch davon entfernt bin. Woran ich das merke? Well, an den Migräneattacken, an der Unfähigkeit, nach einem ‘Arbeitstag’ von meiner Couch aufzustehen. Arbeitstag bedeutet konkret 4-5 Stunden lang: schreiben, Emails beantworten, bürokratische Lustigkeiten. Ich würde so gern wieder nützlich mitmischen, meine Ideen einbringen und umsetzen, etwas weiterbringen. In jedem Dienstverhältnis hab ich die Meetings geliebt und protokolliert, aber jetzt ist das vorbei, sag ich euch. Jetzt wird erst Mal gelernt, wie man sich richtig abgrenzt von dera Oaweit, wie man NEIN sagt zu den Kollegis, die in mir die ultimative Therapeutin sehen. WIE MAN PAUSEN MACHT.
Fuck, ist das schwer. Weil die Pause solltest du ja machen, während du noch bei der Sache, konzentriert bist. Wenn du sie erst machst, wenn du schon ultra fertig bist, dann ist das schon viel zu, viiiiiel zu spät. Ich finds geil, wie man in den Reha-Kliniken voll die basic Überlebensstrategien lernt. Als ich sechs Wochen stationär war, ging es im Prinzip nur um Bewegung, gutes Essen und Schlaf. Das sind die Prios, dann kommt kreatives Ausleben oder puzzlen, um mit dem ganzen Therapie-Shit, der hochkommt, fertigzuwerden. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie wild alle abends gepuzzelt haben. Die Klimt und Frida Kahlos Puzzles waren die Beliebtesten.
Die Männer strahlen mich an, begrüßen mich überaus freundlich. Ich hab meine Sportleggings an, das war’s auch schon. Das mach ich eigentlich nie. Weil big Boobies plus „an Oasch“ haben, well. Ich weiß, dass sie mich anschauen, weil ich in ihren Augen fickbar bin. Jetzt wollen sie mir unbedingt signalisieren, dass es ihnen auf- und gefällt. Dann gleitet ihr Blick süffisant an mir runter, und wieder rauf. Ich hab sogar einen gesehen, der sich die Lippen geleckt hat, das ist an Ekelhaftigkeit fast nicht zu übertreffen.
Labrinth ist als Musiker der neuen Staffel Euphoria abgesprungen, aber seine Tracks released er trotzdem, einer davon geht: „I‘m a prostitute, fingers on the coochie“. So fühl ich mich auch, mit meinem Cameltoe, das ich heute ausnahmsweise auf einen Ausflug mitnehme. Manche Menschen auf diesem Planeten führen ihre Labubus aus, die liebe Simay hingegen, die führt ihre Labien aus. Belustigt gehe ich durch den 16., an alten Amcas mit ihren Plastiksackerln vorbei und denk mir: „Ich bin echt alles andere als haram.“ Nicht, dass das jemals eine Rolle gespielt hat, ich bin ja nicht in diesem Kulturkreis aufgewachsen. I can proudly state that I‘m a slutty biotch und das ist als Reclaiming zu verstehen, nicht als Abwertung. Außerdem hat das nichts mit meinem Sexleben zu tun. Slut ist ein way of life.
Wenn alle Stricke reißen, starte ich mit Only Fans, na toll, das ist eigentlich nicht die Message, die von Euphoria Staffel 3 hängen bleiben sollte. Finger on my cooch 🤫 Nein, ich hab’s! Schaut, die Durchbrüche kommen bei mir irgendwann, so wie jetzt in der 2er Bim, während ich hastig in mein Smartphone tippe: Ich könnte kinky, sensual, queerfeminist Erotica schreiben. Shades of Grey aber mit einem Shitload an Consent, so wie bei Heated Rivalry. So viel Queerness, dass euch die Ohren schlackern! Ein pansexual They/Them-Heaven, wo die Genitalien scheißegal sind. Es geht um Oberarme und Oberlippenflaum und sabber unisex Boxer Briefs, weiche Knie, Gay Panic Galore. Stay tuned Leute, ich glaub ich könnte uns alle horny af machen. Ja, nur noch Künstlerin sollst du sein, ihre Panties befeuchten und ihre Ständer wie in der Baumschule züchten. Hallo Mama an dieser Stelle, hiii!
Lang halt ich’s eh nicht mehr auf den Dating Apps aus, aber mein bestes Date bisher hatte ich mit einer Akrobatin mit langen, braunen Haaren. Sie war so lustig und wollte über die Apps probieren, aus ihrer Bubble rauszukommen. Innerhalb der ersten 5 Minuten haben wir die Personen eruiert, mit denen wir beide schon zusammengearbeitet haben. Grad, dass ich ihr nicht angeboten hab, ihre Förderanträge zu schreiben. Ich war nicht nervös, zum Glück. Sie hatte tolle Finger, die sie bis in die Spitzen wunderschön bewegt hat, Akrobatin halt, ne? Ich hab überhaupt keine Ahnung, wie ich bei FLINTA* Personen ankomme. Wir haben uns drei Mal umarmt, DREI MAL! Ich hab mich getraut, nach ihrer Nummer zu fragen. Sie hat mir schon geschrieben. Aber ob das jetzt flirty oder kollegial ist, keiiine Ahnung! Es war so eine schöne Experience, wir haben beide Vorschläge für dieses Date/Treffen eingebracht. Sollte ja eigentlich bare fucking minimum sein, nicht wahr? Ab jetzt werd ich alle Matches auflösen, wo so ein schlappschwanziges “Du kannst gern entscheiden” daherkommt. Y’all don’t deserve me, really.
Mich erheitern DJ Namen so sehr, mehr als erlaubt ist! Ohne deren DJ Künste jemals gehört zu haben, finde ich DJ Kündigung sehr gut, und ich hätte auch gleich ein paar Vorschläge, wie findet ihr DJ Wurzelbehandlung? Könnte auf internationalen Bühnen etwas sperrig werden, aber für den deutschsprachigen Underground reichts. DJ Durchfall ist vermutlich Streitsache, mich persönlich holt Fäkalhumor immer noch ab, aber ich verstehe, wenn das nicht allseits auf Zustimmung stößt. DJ Ausfüllhilfe hätte ich noch, international könnte man an DJ Windbreaker denken. Wie findet ihr DJ Lendenwirbel? Also ihr seht, es ist ein Thema, mit dem ich mich stundenlang beschäftigen kann, ich bitte ausdrücklich um kreative Einsendungen!
Mich betrüben die Oberflächlichkeiten dieser Welt, die große Unlust, sich selbst ganz genau anschauen zu wollen. Wovor versteckt ihr euch? Wollt ihr euch erst um 4:00 in der Früh auf der Clubtoilette öffnen? Ewww. Dabei wisst ihr doch, dass die Shituationship vorbei ist. Euch steht die Angst ins Gesicht geschrieben, aber keine Sorge, Menschen wie euch spüre ich auf und schieße euch den Deepness-Pfeil direkt ins Herz. Volltreffer. Ich leg euch mit Worten lahm, die ihr selber nicht finden könnt, ich reiß eure Markisen runter, während ihr noch „Ähm ja die Beziehung mit meiner Mutter…“ stammelt. Vor mir braucht ihr euch nicht zu verstecken, ich sehe euch eh. Vor allem die Depressiven seh ich. Das verraten die Augen.
Mit meiner Therapeutin arbeite ich seit geraumer Zeit daran, auf die Frage „Wie gehts dir“ nicht mehr mit einem quasi Tagebucheintrag zu antworten. Ab jetzt gibt’s nur noch Kategorien wie: Es ist dicht/ Es läuft. Wenn ihr mich persönlich trefft, dann werd ich euch ins Gesicht grinsen und eine der beiden Kategorien anwenden, aber in mir drinnen plätschert ein Bach und will alles alles preisgeben, weil ich geb so gern viel her (uh oh) und dann find ich das Ende nicht und das Gegenüber ist ganz ergriffen, aber weiß auch nicht ganz, wie tun. Also in diesem Sinne: Ja, es läuft. Nein, es ist dicht. Und an der Art, wie du „Gut“ aussprichst, kann ich eh schon längst raushören, was bei dir wirklich abgeht.
Als Kind durfte ich mich künstlerisch frei ausleben, über meinem Schreibtisch hängen Bilder von mir, wo ich im Gesicht angemalt bin und strahleee. Das beste Kinderfoto überhaupt ist, als die Karo und ich im Badezimmer stehen, auf den Stockerln. Wir blicken beide genüsslich in den kleinen Spiegel überm Waschbecken, das GANZE Gesicht voll mit Lippenstift. Viele verschiedene Rottöne und, ach, einen blauen Lippenstift hatte meine Mama auch. Die mitunter teuren Lippenstifte haben wir in mehreren Schichten aufgelegt, auch unsere Hände sind voll eingeschmiert. Wie cool von meiner Mom eigentlich, erst mal in aller Ruhe den Fotoapparat holen und diese spezielle Begebenheit zu fotografieren. Dunkel meine ich mich zu erinnern, dass das Abschminken eeecht lang gedauert hat.
Als Drag Artist (Simay Balls) hielten sich meine Schminkkünste in Grenzen. Ich glaub, um Schminke voll zu fühlen, brauch ich eben diese Freiheit von früher. Völlig versunken in den Akt, die schmierigen Farben im Gesicht zu verteilen. Ohne Ziel, nicht diese blöden Eyeliner-Wings perfektionieren zu wollen oder irgendwas zu contouren. Ich will öfter meinen Lidschatten-Moustache rocken, der ist sensationell! Das ist der Full Circle Moment mit Drag und Clownerie und was es für mich ermöglicht hat. So wie ich mich kenne, mach ich in diesen Kunstformen eh mein eigenes Ding, solang ich mir die Freiheit gebe. Und oh Bitch, was ich mir seitm good old Burnout alles für Freiheiten gebe, sheesh!
Wie immer lass ich meine Finger über die Tastatur tänzeln, so geht das dahin. Wir werden alle sehen, was da noch rauskommt und jaaaa, ich höre euch, ihr wollt ein ganzes Buch von mir lesen. Nur darf ich mich eben nicht überfordern, weil das Risiko von einer zweiten Burnout-Runde ist schon wahnsinnig hoch. Das würd ich gern vermeiden. Also derweil plänkelt es dahin, ihr unterstützt mich bitte, zu wachsen. Ich melde mich parallel auch zu Lesebühnen an, BUCKLE UP, poetry Slam Szene, hier kommt Plattwalze Simay und erzählt euch mal was von Poesie! Diese Newsletter-Ausgabe ist so spaßig zu verfassen, ich freu mich auch schon auf mein Insta-Comeback. Na, mal schauen, ob ich wirklich dem Poetry Slam huldigen werde, aber auf Bühnen lesen ist wichtig, um das alles zu verstehen und laut zu hören, was da aus meiner Feder fließt.
ICH SCHREI-BE, so frohlockt es mir. Ich bin so klein und der Baum vor meinem Fenster ist so groß. Das Grün ist so grün, jeden Frühling nehm ich intensiver wahr, als den im Vorjahr. Die Jahreszeiten sind so eindringlich, ich gehöre zu den wenig Auserwählten, die selbst mit dem Winter was anfangen können. Da ist es so schön eisig und die Sicht so klar. Nur der immer heißer werdende Sommer macht mir zu schaffen, da hab ich meine Mami, die Landschaftsarchitektin, im Ohr: “Die alten Menschen tun mir leid, die Hitze in der Stadt bekommt ihnen nicht gut. Sie haben zu wenig Kühloasen im (halb-)öffentlichen Stadtraum”. Halböffentlich ist zum Beispiel der Innenhof im Gemeindebau, den sie liebevoll und mit stolzgeschwellter Brust mitgestalten darf (hofdame.at). Klimabäume ist immer wieder Thema, es wird heißer und die Bäume, die wir kennen und lieben, werden verdursten, sodass die Klimabäume überleben werden, die die Hitze besser aushalten. Der Sommer, die Betonwüsten werden unerträglicher, meine Laune leidet darunter, meine Energie sowieso.
Deswegen zieht es mich in die Berge, an die Seen, ins dunkle Naturschauspiel, wo es nachts noch angenehm zum Schlafen ist. Wenn die Fledermäuse kommen und der Dachs vorbeigrunzt, die Gelsen mit unterschiedlichen Hilfsmittel “bekämpft” werden, obwohl sie ihren Weg zum saftigen Blut eh finden. Das Fenistil liegt griffbereit und dann kommt der Herbst und mit ihm das goldene Sonnenlicht, das die Gelsenstiche nochmal betont. Die Golden Girls im goldenen, gleißenden Licht, das ist doch eine ideale Roman-Szenerie. Im Winter, wenn die Schultern hochgezogen sind und die Arbeitstüchtigkeit im Stirnfalten-Areal eingeschrieben steht, beeilen wir uns, die Kälte schnell hinter uns zu lassen. Dabei tut sie so gut, die Kälte, denn dann ist das Warme viel wärmender. Und wir sind so privilegiert, uns in warmen Räumen aufzuhalten, nur fällt uns das gar nicht mehr auf.
Im Sommer und im Winter und immerzu werd ich schreiben, werd ich existieren und euch mitnehmen zu den hintersten Stübchen meiner Fantasie, die mich auszeichnet und mir Flügel aus meinem Schlamassel schenkt.
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