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Alle Meldungen - SZ.de · Aug 27, 2026

Machtkampf im Fußball: Uefa bereitet Strafanzeige gegen Fifa-Präsident Infantino vor

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Johannes Aumüller · Süddeutsche Zeitung

Europas Fußball-Union bereitet wegen der Vorgänge rund um den geplatzten Investorendeal des Fußball-Weltverbandes eine Strafanzeige gegen den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino vor. Das ist die Kernbotschaft eines 54-seitigen Antragsschreibens, das die Uefa am Mittwoch an ein Distriktgericht im US-Bundesstaat Florida geschickt hat und das am Rande der Champions-League-Auslosung in Monaco bekannt wurde.

Dabei soll sich das juristische Prozedere in zwei Schritten vollziehen. Zunächst soll der Antrag an das US-Gericht dazu führen, dass Beweismittel sichergestellt und die Fifa sowie andere Beteiligte zur Herausgabe von Dokumenten gezwungen werden. Danach soll es in der Schweiz zu einer Anzeige gegen Infantino wegen „krimineller Misswirtschaft“ nach Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuches kommen – „sowie weiterer oder alternativer Anklagepunkte“. In diesem Artikel geht es im Kern um den Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Zudem könnte sich das Verfahren gegebenenfalls gegen weitere Fifa-Verantwortliche richten. Vom Fußball-Weltverband gab es zunächst keine Stellungnahme zu diesem Vorgang.

Meinung Fifa

:Wer Infantino widerspricht, der fliegt

Hintergrund der juristischen Schritte sind die Ende Juli aufgeflogenen Investorenpläne, die von einem kleinen Kreis um Gianni Infantino über Monate vorbereitet worden waren. Diese sahen vor, die WM-Rechte in eine neue Tochtergesellschaft (FFE) auszulagern, an der externe Investoren Anteile erwerben können. An diesen Planungen waren neben Infantino auch die als Ankerinvestor vorgesehene Holding Thrive Eternal von Joshua Kushner, Bruder des Schwiegersohnes von Donald Trump, die Großbank JP Morgan sowie zwei Beratungsfirmen beteiligt.

Ein Aufschrei in der Fußballwelt, ein angekündigter WM-Boykott der Europäer sowie ein Zusammenschluss der Uefa mit den Kontinentalverbänden aus Asien (AFC) und Nord-/Mittelamerika (Concacaf) führten dazu, dass Infantino die Pläne abräumen musste und seine für März geplante Wiederwahl massiv gefährdet ist. Nach einem Brief des Fifa-Generalsekretärs Mattias Grafström, den sie als Zusicherung las, dass es nie mehr zu solchen Privatisierungsplänen kommen werde, hat die Uefa den WM-Boykott nun zwar wieder zurückgezogen. Aber unabhängig von allen sportpolitischen Debatten will sie jetzt auch juristisch nachlegen.

Ein zentraler Punkt ist dabei der Vorwurf, dass die Fifa die wertvollen WM-Rechte zu günstig hergegeben hätte. In den Vorbereitungen des Deals war deren Wert auf 20 Milliarden Dollar taxiert worden und sollten die Investoren in einem ersten Schritt Anteile im Wert von 4,2 Milliarden Dollar erhalten. Nun sollen die zu sichernden Unterlagen zeigen, ob diese 20 Milliarden Dollar „eine marktübliche Bewertung“ widerspiegelten oder „einen stark unterbewerteten Wert“ darstellten, der ohne unabhängige Bewertung, wettbewerbsorientiertes Verfahren oder einen Vergleich mit ähnlichen Unternehmen ermittelt wurde.

In der Tat fällt auf, dass allein die jüngste WM in Nordamerika einen zweistelligen Milliarden-Gewinn erbracht hat, und die vier Jahre zuvor in Katar immerhin rund sechs Milliarden Dollar. 20 Milliarden Dollar entsprechen demnach also nur etwas mehr als zwei Weltmeisterschaften. Die Rechte wären aber für immer weg gewesen – und es ist davon auszugehen, dass sie künftig noch mehr wert gewesen wären. Der FFE-Plan sei „ein Instrument für Infantino und diesen kleinen Kreis, um eine dauerhafte Beteiligung an den wertvollsten Vermögenswerten der Fifa zu erwerben und anderweitig davon zu profitieren – zum Nachteil der Fifa, ihrer Mitglieder und anderer Akteure innerhalb der Fußballfamilie“, heißt es in dem Schreiben der Uefa an die US-Justiz.

Zugleich geht es um diverse weitere Vorwürfe und Themen. Diese reichen von dem Punkt, dass Gianni Infantino die zuständigen Fifa-Strukturen hintergangen habe, als er mit einigen wenigen ausgewählten Partnern dieses Projekt vorantrieb, bis zu der Frage, welche Fifa-Funktionäre wann über die Pläne Bescheid wussten.

Die Anti-Infantino-Allianz verfügt über 136 von 211 Stimmen

Die Uefa argumentiert, dass die Schweiz der richtige Ort für eine Anzeige sei, weil die Fifa dort ihren Sitz habe und weil der Vorschlag vom Züricher Hauptquartier des Weltverbandes aus entwickelt worden sei. Der Weg über Florida erklärt sich damit, dass dort die Rechtsabteilung der Fifa sitzt und in den USA die Kommunikation über den Deal lief, die man so sicherstellen möchte. Ein ähnliches Schreiben ging an ein Gericht in New York wegen der dort ansässigen Kushner-Holding, ein weiteres an ein Gericht in Colorado, wo ein federführender FFE-Berater gemeldet ist.

Durch dieses juristische Vorgehen gerät Infantino in seinem Kampf um die Zukunft an der Fifa-Spitze weiter unter Druck. Einen Gegenkandidaten gibt es zwar noch nicht. Die Uefa bekräftigte aber am Donnerstag, dass es in jedem Fall einen Herausforderer nominieren wird, falls Infantino im März antritt. Die drei Kontinentalverbände Uefa, AFC und Concacaf repräsentieren in Summe 136 der 211 Fifa-Mitglieder. Dazu haben auch verschiedene Verbände aus Afrika und Ozeanien signalisiert, gegen Infantino stimmen zu wollen.

Zugleich versucht der amtierende Fifa-Präsident, vor allem asiatische Länder aus dieser Allianz zu lösen. Dabei sprach sich am Mittwoch auch Saudi-Arabien für ihn aus. In einem Statement des saudischen Verbandes hieß es, dass er „zu diesem Zeitpunkt“ Infantino unterstütze, womit sich der Gastgeber der WM 2034 eine Hintertür offenlässt.

Allerdings ist die Frage, wie relevant diese sportpolitischen Rechenspiele überhaupt relevant sind, falls es wirklich zu einem Strafverfahren gegen Gianni Infantino kommt. Über die Eröffnung eines Verfahrens müsste die Schweizer Justiz entscheiden, in jedem Fall würde bis dahin noch einige Zeit vergehen. Seit dem Beginn seiner affärenreichen Amtszeit im Februar 2016 war Infantino schon mehrfach Mittelpunkt von Ermittlungen.

So beschäftigten sich zwei Sonderstaatsanwälte intensiv mit seinen Geheimtreffen mit dem früheren Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber. Am Ende rügte das Duo diese Zusammenkünfte zwar massiv, wurden die Ermittlungen aber trotzdem eingestellt. In Fribourg wiederum läuft noch ein Verfahren gegen Infantino sowie weitere hochrangige Fifa-Mitarbeiter wegen des Vorwurfes, in einem gerichtlichen Verfahren bewusst falsche Anschuldigungen gemacht zu haben (was alle zurückweisen). Nun könnte also bald ein weiteres Verfahren hinzukommen.

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