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Alle Meldungen - SZ.de · Aug 27, 2026

Aus der SZ für Kinder: Leben nach dem Feuer

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Anna Kammerer · Süddeutsche Zeitung

Frankreich, Spanien, Albanien, Kroatien – in vielen Ländern, in denen Familien in diesem Sommer Urlaub machen, brennt es gerade. Auch in Deutschland standen Wälder in Flammen. Wenn man danach auf die schwarzen, verkohlten Flächen schaut, kann man schon denken: Hier wächst bestimmt nie wieder etwas. Aber das stimmt nicht. Die Natur kann nämlich viel aushalten. Der Wald und seine Bewohner brauchen dafür vor allem zwei Dinge: viel Zeit und Ruhe.

Wie lange es genau dauert, bis sich ein Wald wieder erholt hat, ist schwer zu sagen. Es kommt auch darauf an, wo es gebrannt hat und wie stark. In manchen Regionen Australiens sind Waldbrände viel häufiger als hier in Deutschland. Deswegen gibt es dort auch besonders viele Lebewesen, die mit Bränden ganz gut zurechtkommen. Manche Pflanzen brauchen Feuer sogar, um sich fortzupflanzen. Das ist auch bei einigen Kiefern so: Die Zapfen, in denen sich die Samen befinden, sind sehr dick und fest. Sie öffnen sich erst bei starker Hitze. Dann können die Samen auf den Waldboden fallen und dort zu neuen Bäumen heranwachsen.

In Deutschland sieht das alles ein wenig anders aus. Hier gibt es viele Wälder, die nicht natürlich entstanden sind. Die Menschen haben sehr viele Nadelbäume gepflanzt, weil sie so schnell wachsen und man mit dem Holz zum Beispiel gut Möbel oder Papier machen kann. „Wälder aus Nadelbäumen wie Kiefern oder Fichten haben aber den Nachteil, dass sie besonders gut brennen“, sagt Pierre Ibisch. Er ist Wissenschaftler an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE) und forscht seit vielen Jahren in Wäldern.

Oft bleibt nach einem Feuer nichts übrig außer den abgestorbenen und verkohlten Überresten der Bäume. Doch auch wenn zunächst kein einziges grünes Blatt zu erkennen ist, können wieder neue Bäume entstehen. Denn manche Samen werden aus anderen Wäldern vom Wind ganz weit durch die Luft getragen. So ein Flugkünstler ist zum Beispiel die Zitterpappel. „Die Samen der Pappeln sind sehr wollig und behaart“, erklärt Ibisch. Dadurch können sie besonders weit durch die Luft fliegen.

Mit der Rückkehr der ersten Pflanzen beginnt ein neuer Kreislauf

Fällt ein Pappelsamen auf den Boden, bildet sich bald ein Keimling, also eine ganz kleine Pflanze. Dabei bekommt er Hilfe von Pilzen, die unter der Erde leben. Besonders an manchen Pappelarten ist, dass aus ihren Wurzeln direkt neue Triebe wachsen können. So kann sie sich ziemlich schnell ausbreiten. Und das alles schafft die Pappel auch in einem verkohlten Waldboden. Ibisch bezeichnet die Pappel deswegen auch als „Wunderbaum“.

Die ersten Pflanzen geben das Startsignal für viele andere Lebewesen. Zuerst kommen Insekten, die sich von den Pflanzen ernähren. Danach gesellen sich jene Insekten hinzu, die Jagd auf die Pflanzenfresser machen. Und schließlich kehren auch die Vögel zurück, auf deren Speiseplan die kleinen krabbelnden oder fliegenden Lebewesen stehen.

Es gibt sogar Käferarten, die sich über die abgestorbenen Bäume freuen. Denn für sie sind die verkohlten Stämme ein neues Zuhause. Kilometerweit können sie die Wärme von Bränden aufspüren und machen sich dann auf den Weg. Dann beginnen sie, „von innen und außen die verkohlten Bäume zu zerlegen“, sagt Wald-Experte Ibisch. Das heruntergefallene Holzmehl und die zersetzten Baumstämme helfen dabei, dass neue Nährstoffe in den Boden gelangen. Auch andere Lebewesen wie Spechte oder Pilze tragen dazu bei, dass die alten Bäume weiter zerfallen.

Wenn man dem Wald also Zeit gibt und der Natur vertraut, kann er sich von selbst wieder aufpäppeln. Das Schöne daran ist: Langfristig kann dadurch auch wieder eine größere Vielfalt entstehen. Wälder mit vielen Baumarten wie Pappeln, Buchen oder Eichen können Brände viel besser aushalten. Außerdem leben dort viel mehr unterschiedliche Tiere.

In manchen Fällen erholt sich ein Wald auch nach einigen Jahren nicht von selbst. Dann kann der Mensch nachhelfen. Darum kümmern sich unter anderem Förster und Försterinnen. In Zukunft könnten Wälder sogar noch häufiger Unterstützung brauchen, sagt Ibisch. Denn die Erwärmung des Planeten führe nicht nur zu mehr Bränden, sondern mache es dem Wald durch die zunehmende Trockenheit auch schwerer, sich zu regenerieren.

Gerade deshalb sind natürlich gewachsene und vielfältige Wälder besonders wichtig. Sie sorgen für kühlere Temperaturen und speichern Wasser im Boden. Gegen den Klimawandel, sagt Ibisch, sei „der Wald unser Verbündeter“.

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