Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Merz: Entwurf für EU-Finanzrahmen „schlicht unbezahlbar“
Grüne zu Kabinettsklausur: Fast schon Arbeitsverweigerung
Neue Umfrage: AfD baut in Sachsen-Anhalt Vorsprung aus – 42 Prozent
Merz beharrt auf Abschaffung der „Rente mit 63“
Merz sieht wirtschaftliche Erholung in Deutschland
"Geliefert und nicht gelabert": TV-Duell der Spitzenkandidaten von Sachsen-Anhalt
Das TV-Duell in der MDR-Wahlarena zwischen Sachsen-Anhalts Ministerpräsident, Sven Schulze (CDU), und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund läuft. Es geht hoch her, immer wieder fallen sich die beiden Männer ins Wort. Siegmund sah angesichts der neuen Umfragewerte die AfD „auf dem richtigen Weg“, seine Partei werde „Geschichte schreiben“.
Zum Einstieg kritisierte Schulze das Frauenbild der AfD. Frauen sollten nach den Wünschen der Partei einzig viele Kinder bekommen und diese dann auch nicht zur Schule bringen, weil die AfD die Schulpflicht abschaffen wolle. Siegmund konterte, die CDU habe jahrelang verpasst, eine Politik zu machen, damit die Menschen wieder Kinder bekommen würden.
Ministerpräsident Schulze warf Siegmund außerdem vor, kein Konzept für die Zukunft des Landes zu haben. „Immer dann, wenn es um Inhalte geht, wie Sie wirtschaftlich unser Land voranbringen wollen, haben Sie keine Antworten“, so der CDU-Politiker. "Ich hab geliefert und nicht gelabert."
Später am Abend kamen bei der Sendung auch die Spitzenkandidaten von Linken, SPD, Grünen, FDP und BSW zu Wort.
Merz: Entwurf für EU-Finanzrahmen „schlicht unbezahlbar“
Bundeskanzler Friedrich Merz hat gemeinsam mit anderen großen Nettozahlern drastische Kürzungen beim künftigen EU-Finanzrahmen gefordert. Die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission für eine Aufstockung von bis zu 60 Prozent seien in Zeiten der Haushaltskonsolidierung „schlicht unbezahlbar“, sagte der Kanzler nach einem Treffen mit mehreren europäischen Regierungschefs in Berlin. Die vorgeschlagene Summe müsse um mehrere hundert Milliarden Euro gekürzt werden. Diese Einschnitte müssten alle Bereiche betreffen.
An dem vertraulichen Treffen in Berlin nahmen die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, der finnische Ministerpräsident Petteri Orpo und der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker teil. Die Ministerpräsidenten der Niederlande und Schwedens waren per Videokonferenz zugeschaltet. Zusammen finanzieren diese sechs Staaten nach den Worten des Kanzlers etwa 40 Prozent des europäischen Haushalts. Merz betonte, dass diese Länder zudem 70 Prozent der bilateralen Hilfen von EU-Staaten für die Ukraine aufbringen. „Wir sind nicht geizig, aber solche Zuschreibungen, wie von der Kommission vorgeschlagen, passen einfach nicht in unsere Zeit.“
Die Gruppe fordert „Realismus und Reformen“ für den mehrjährigen Finanzrahmen, der am 1. Januar 2028 in Kraft tritt. Im Zentrum des Budgets müsse die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union und ihrer Industrie stehen. „Mit einem Haushalt des 20. Jahrhunderts werden wir den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht begegnen können“, sagte Merz. Ziel sei es, die Verhandlungen nach Möglichkeit bis Ende dieses Jahres abzuschließen. Die Gruppe wolle bei den im Oktober beginnenden EU-Beratungen mit einer gemeinsamen Position auftreten.
Grüne zu Kabinettsklausur: Fast schon Arbeitsverweigerung
Die Kabinettsklausur der Bundesregierung war aus Sicht der Grünen wirkungslose Symbolpolitik. Die Klausurtagung in Neuhardenberg habe nichts gebracht außer guter Laune, sagte Parteichefin Franziska Brantner. „Keinen einzigen Beschluss, nichts entschieden, nichts wirklich vorangebracht.“ Das Treffen sei „eigentlich ein wahnsinnig öffentlichkeitswirksamer Betriebsausflug“ gewesen. Es sei „fast eigentlich Arbeitsverweigerung, was wir gesehen haben in den letzten Tagen“.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) warf sie vor, am Wochenende bei einem Besuch in einem Waldbrandgebiet zwar noch die verheerenden Folgen des Klimawandels benannt zu haben, dann aber keine Konsequenzen zu ziehen. „Wenn er wirklich etwas tun wollte gegen die Klimakrise, dann wäre die klare Ansage: Reiche stoppen. Reiches Gesetze jetzt im Bundestag stoppen“, sagte Brantner über Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Diese wolle die erneuerbaren Energien kaputt machen. „Das ist absoluter Wahnsinn in diesen Zeiten. Das ist Gift für unsere Unabhängigkeit, das ist Gift für unsere Wirtschaft, für unsere Zukunftstechnologien, das ist Gift für die Klimakrise.“ Bei neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz müssten Deutschland und Europa unabhängiger werden, verlangte Brantner.
Neue Umfrage: AfD baut in Sachsen-Anhalt Vorsprung aus – 42 Prozent
Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD laut einer Umfrage ihren Vorsprung auf die CDU ausgebaut. In der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD kommt die im Land als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei auf 42 Prozent – das ist ein Prozentpunkt mehr als im Juli. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze liegt bei 22 Prozent, sie verliert im Vergleich zur letzten Befragung Ende Juli 2 Prozentpunkte.
Es folgen die Linke mit 11 Prozent (minus 2), die SPD mit 8 Prozent (plus 1) und die Grünen mit 6 Prozent (plus 1). Das BSW würde mit 4 Prozent ebenso wie die FDP mit 3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent.
Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD ihr Ziel einer Alleinregierung nicht erreichen. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen wäre gegebenenfalls auf Unterstützung der Linken angewiesen. Laut der Umfrage sind die Anhänger der Union geteilter Meinung (jeweils 47 Prozent), ob eine CDU-geführte Landesregierung von der Linken unterstützt werden sollte.
In Sachsen-Anhalt regiert die CDU derzeit mit SPD und FDP, die Landtagswahl findet am 6. September statt. Infratest dimap befragte 1511 Wahlberechtigte am 24. und 25. August telefonisch und online. Etwa jeder zehnte Wahlberechtigte (11 Prozent) gibt an, dass sich seine Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte.
Könnte man den Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt direkt wählen, würden sich 41 Prozent für Schulze und 39 Prozent für AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund entscheiden. 20 Prozent antworteten mit „weiß nicht“ oder machten keine Angabe.
Lilly Zerbst
Bundesregierung will neue Linie für Handelspolitik gegenüber China festlegen
Die Bundesregierung wird im Oktober eine Entscheidung treffen, wie sie sich in der EU-Debatte über neue Sanktionen gegen China aufstellen will. "Ich habe das Bundeskabinett gebeten, jetzt kurzfristig alle Vorschläge einmal konzentriert zu sammeln und aufzuschreiben, die wir erwägen könnten im Hinblick auf entsprechende Reaktionen", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz nach Abschluss der Klausurtagung des Kabinetts in Neuhardenberg. Dabei ging es um die Forderung nach neuen EU-Importzöllen auf chinesische Hybrid-Autos.
"Wir nehmen zur Kenntnis, dass auch die deutsche Industrie offensichtlich ihre Meinung geändert hat im Hinblick auf diese globalen Ungleichgewichte", so Merz. Zuletzt hatte es auch aus der Automobilindustrie Rufe nach neuen EU-Importzöllen gegeben. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) betonte, dass man freien Handel wolle, aber nicht naiv sein dürfe, wenn andere sich nicht an die Regeln hielten. Hintergrund sind Vorwürfe, dass China subventionierte Überkapazitäten auf den Weltmarkt und vor allem nach Europa drücke.
Lilly Zerbst
Merz beharrt auf Abschaffung der „Rente mit 63“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Forderungen auch aus seiner Partei zurückgewiesen, an der „Rente mit 63“ festzuhalten. Die Abschaffung dieser Option sei „ein Kernstück“ der geplanten Rentenreform, sagte Merz zum Abschluss der Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg. „Alle Anreize zur Frühverrentung“ müssten beendet werden.
Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission hatte Ende Juni vorgeschlagen, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. Sie sprach sich zugleich für Übergangsfristen und Spezialregelungen für Härtefälle aus. Danach stellten unter anderem die CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer aus Sachsen und Mario Voigt aus Thüringen die geplante Abschaffung des vorgezogenen Renteneintritts infrage. Die Einwände seien „nicht mit ausreichenden Sachargumenten“ unterlegt, sagte Merz. Er sei sicher, die Ministerpräsidenten noch überzeugen zu können.
Lilly Zerbst
Merz: Mangelt nicht an Programmen und Geld für Hitzeschutz
Die Bundesregierung stellt kein zusätzliches Geld für den Hitzeschutz in Aussicht. „Es mangelt uns nicht an Programmen und es mangelt nicht an Geld“, betonte Kanzler Friedrich Merz (CDU) zum Abschluss der Kabinettsklausur im brandenburgischen Neuhardenberg. Die Länder, die hauptsächlich mit dem Hitzeschutz betraut seien, hätten aus dem Sondervermögen 100 Milliarden Euro erhalten, die sie nach eigenem Ermessen investieren könnten, betonte Merz. Auf Bundesebene seien zuletzt 300 Maßnahmen zum Klimaschutz beschlossen worden.
„Es geht uns um Klimaschutz, um die Erhaltung und Einhaltung der Klimaziele, aber auch um Klimaanpassung, weil wir wissen, dass Hitzesommer in Zukunft häufiger vorkommen werden“, sagte Merz. „Wir müssen uns darauf einstellen, denn wir allein in Deutschland können den Klimawandel auf der Welt nicht zurückdrängen.“ Bestehende Programme zum Klimaschutz sollten geprüft und besser verzahnt werden, Hürden für Anträge und Befristungen abgebaut und alles transparenter gestaltet werden, sagte Merz.
„Wir werden außerdem aus dem Hitzesommer 2026 Lehren ziehen und konkrete Hilfen prüfen müssen. Das betrifft vor allem die Vorsorge für Waldbrände, die Ausstattung der Feuerwehren und der weiteren Hilfsorganisationen, die bemerkenswerte Arbeit geleistet haben in diesem Sommer“, sagte Merz. Es gehe auch um Gesundheitsprävention, die Folgen für den Verkehr sowie Land- und Forstwirtschaft. Der Koalitionspartner SPD, allen voran Bundesumweltminister Carsten Schneider, macht sich für eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes am Hitzeschutz stark.
Dobrindt rechnet mit weiteren hybriden Angriffen
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt rechnet mit verstärkten hybriden Angriffen auf Deutschland und will daher noch in diesem Jahr neue Sicherheitsgesetze auf den Weg bringen. Das sei auch Thema auf der Kabinettsklausur gewesen, sagte Dobrindt im brandenburgischen Neuhardenberg. "Wir wollen diese Sicherheitsgesetze, die wir für notwendig achten, auch zügig in diesem Jahr umsetzen." Über diese Gesetze sei jahrzehntelang politisch gestritten worden.
Die Einigkeit in der Koalition unterstreiche deren Handlungsfähigkeit angesichts der neuen Bedrohungslagen. Dazu gehöre unter anderem eine Stärkung der Nachrichtendienste, die in echte Geheimdienste umgeformt werden sollen. Für Aufsehen sorgte zuletzt der Fund einer Drohne und Sprengstoffs auf dem Flughafen Leipzig in der Nähe von ukrainischen Frachtmaschinen. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurden inzwischen Teile einer weiteren Drohne und erneut Sprengstoff gefunden.
Die hybride Bedrohungslage mit Sabotage, Spionage und verdeckten Aktionen fremder Mächte sei damit jedoch nicht erledigt. "Die beschäftigen mich fast täglich oder täglich und unsere Koalition mit Sicherheit jede Woche", sagte Dobrindt. Man gehe davon aus, die notwendigen Entscheidungen treffen zu können, "um auch deutlich zu machen, dass wir ein wehrhafter Staat sind". Man könne nicht alles verhindern, sich aber einer Vielzahl der Bedrohungen erwehren. Die entsprechenden Entscheidungen sollten im Herbst abgeschlossen werden.
Lorenz Zeck
Merz sieht wirtschaftliche Erholung in Deutschland
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht eine wirtschaftliche Erholung in Deutschland. „Wir haben drei Jahre der Rezession hinter uns und nun wachsen wir wieder“, sagte der CDU-Vorsitzende nach der zweitägigen Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg. „Volle Konzentration auf Wachstum“, sagte Merz.
„Wir gehen mit Tatkraft, aber auch mit großer Zuversicht in die verbleibenden Monate des Jahres 2026“, sagte der Kanzler. „Wir sind sicher, dass wir auf diesem Weg auch weitere Fortschritte machen und dass wir auch zum Jahresende eine Bilanz ziehen können, die sich sehen lassen kann: raus aus der Rezession, raus aus der Schwäche unserer Wirtschaft, raus aus diesem Missmut und diesem Misstrauen und hinein in eine neue Zuversicht.“
Merz forderte ein positiveres Herangehen an die Zukunftsaufgaben. „Wir müssen raus aus diesem Klima der Verdrießlichkeit und des Verdrusses. Wir müssen gemeinsam diesen weit verbreiteten Missmut abschütteln, der unser Land seit langer Zeit lähmt“, verlangte der Kanzler.
Die deutsche Wirtschaft steckt in einer langen Schwächephase. Infolge des Iran-Kriegs und Preissprüngen bei Öl und Gas wird auch in diesem Jahr nur mit einem Mini-Wachstum gerechnet. Zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass die wirtschaftliche Lage besser wird – auf die nun auch Merz hinwies.
Verdacht der Urkundenfälschung: Vorwürfe gegen Linken-Abgeordneten Ferat Koçak
Gegen den Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak wird wegen des Anfangsverdachts der Urkundenfälschung ermittelt. Die Bild berichtet, Koçak habe einen angeblich gefälschten Ausweis für den Bundestag einem Dritten überlassen, dies sei Teil eines „Social-Media-Projekts“ gewesen. Der Zutritt sei verwehrt worden, nachdem die Fälschung aufgefallen sei.
Das stimmt so offenbar nicht. Das „Social-Media-Projekt“, um das es sich nach SZ-Informationen handelt, kann man sich auf Youtube anschauen. Koçaks Team hat es vor vier Monaten hochgeladen. „Ferat Tausch“ nennen sie das Format, Koçak tauscht für einen Tag seinen Job als Bundestagsabgeordneter mit dem eines Späti-Besitzers aus Neukölln. Auf dem Berliner Herrmannplatz übergibt Koçak dem Späti-Besitzer einen angeblichen Bundestagsausweis. Im Video ist er deutlich zu sehen.
„Das war eine Requisite aus Bastelmaterial“, sagte Koçak der SZ. Tatsächlich sieht das auf dem Video so aus. Zudem ist der angebliche Ausweis grün. Bundestagsausweise für Abgeordnete aber sind grau, aus Plastik und kleiner. Koçak sagt, der Späti-Besitzer sei regulär an der Pforte angemeldet gewesen und mit seinem Personalausweis in den Bundestag gekommen. „Es war nicht geplant, dass er mit einer Requisite in den Bundestag kommt“.
Auch für diese Aussage gibt es Hinweise im Video. Der Kioskbesitzer läuft mit Jacke durch die Bundestagsgebäude, daran angeheftet ist ein Gast-Ausweis des Bundestags, der echt aussieht. Der Zutritt zu den Liegenschaften wurde in diesem Fall also offenbar nicht verweigert. Koçak sagt, an der Pforte sei der angebliche Ausweis aufgefallen, daraufhin sei die Bundestagspolizei informiert worden, die die Ermittlungen aufgenommen habe. „Das ist ja in Ordnung, das muss alles rechtens sein“, sagt er. Seine Immunität sei nicht aufgehoben worden.
Klingbeil: Keine Zuckersteuer auf Zero-Getränke
Finanzminister Lars Klingbeil will keine Extrasteuer auf zuckerfreie Getränke erheben. „Das mache ich nicht. Das wird nicht kommen“, erklärte der SPD-Chef auf Instagram. Eine „Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke“ ergebe keinen Sinn. Am Dienstag war ein Papier aus Klingbeils Ministerium öffentlich geworden, in dem vorgeschlagen wurde, neben Limonaden unter anderem auch Zero- und Light-Getränke, Biermischgetränke, Haferdrinks und Fertigkaffees der Zuckersteuer zu unterwerfen. Die Rede ist von Getränken „mit Zucker und/oder Süßungsmitteln“ sowie „Zucker-/süßungsmittelhaltigen Granulaten“. Nicht betroffen wären hundertprozentige Fruchtsäfte und reine Milch.
Klingbeil erklärte, vor politischen Entscheidungen diskutierten Fachleute der beteiligten Ministerien auch kontrovers unterschiedliche Ideen. „Nun ist ein solcher Arbeitsstand in den Medien aufgetaucht. Er ist weder politisch geeint noch in der Koalition beschlossen.“
Unterdessen hat Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sich gegen die Einführung der geplanten Zuckersteuer ausgesprochen. „In einer Zeit, in der viele Menschen mit hohen Preisen zu kämpfen haben, darf der Staat Lebensmittel und Getränke nicht noch teurer machen“, sagte Rhein der Deutschen Presse-Agentur. Die Politik müsse die aktuelle Preiskrise abfedern und dürfe sie nicht weiter verschärfen.
Die schwarz-rote Bundesregierung plant in Zusammenhang mit dem Sparpaket für stabile Krankenkassenbeiträge die Einführung einer Steuer auf gezuckerte Getränke. Die konkrete Ausgestaltung ist aber noch strittig. Zuletzt wurde bekannt, dass die geplante Abgabe mehr Produkte betreffen könnte als ursprünglich angenommen. So geht aus einem Papier des Bundesfinanzministeriums von Ressortchef Lars Klingbeil (SPD) hervor, dass neben Limonaden auch Säfte, Milchgetränke, Eistees, Biermischgetränke, Haferdrinks und Fertigkaffees der Zuckersteuer unterworfen werden könnten.
Bundesregierung berät am zweiten Tag der Kabinettsklausur über Folgen der Hitzewelle
Mit Beratungen über die Hitzewelle und Dürre dieses Sommers wird die Bundesregierung ihre Klausurtagung auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg abschließen. Beschlüsse sollen aber erst in späteren Kabinettssitzungen folgen. Zudem wird die Regierung mit Start-up-Unternehmern und Handwerkspräsident Jörg Dittrich über die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft diskutieren.
Mittags werden dann Bundeskanzler Friedrich Merz, Finanzminister Lars Klingbeil und Innenminister Alexander Dobrindt über die Ergebnisse der Klausur informieren. Am ersten Tag des Treffens hatte Merz auch den jüngsten Vorfall mit einer Sprengstoffdrohne auf dem Leipziger Flughafen angesprochen. In Kürze würden neue Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden zu dem „Angriff“ bekanntgegeben, kündigte er an.
Luzia Geier

Unionsfraktionschef Frei: Rückzug nie ein Thema für Merz
Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach Darstellung von Unionsfraktionschef Thorsten Frei trotz aller Kritik noch nie über einen Rückzug nachgedacht. „Nein“, sagte der CDU-Politiker auf eine entsprechende Frage in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. Ein solcher Schritt sei nie ein Thema gewesen, so Frei, der als Kanzleramtschef bis zum Juli die rechte Hand des Kanzlers war. Er wies darauf hin, dass die innen- und außenpolitischen Herausforderungen enorm groß seien. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn ein anderer vor diesen Aufgaben stehe. Frei räumte ein, dass die Umfragewerte „schrecklich“ seien. Trotzdem sei die CDU nach wie vor die erfolgreichste christdemokratische Partei Europas. Aber die Rahmenbedingungen seien denkbar schwierig.
Die zentrale Frage ist aus Sicht von Frei, ob die schwarz-rote Koalition die Kraft hat, im Herbst die geplanten Reformen auf den Weg zu bringen. Die Vorschläge der von der Regierung eingesetzten Rentenkommission bezeichnete er als bahnbrechend, die geplante Reform als ein Jahrhundertprojekt. Es handle sich um einen Kompromiss – nicht nur zwischen politischen Parteien, sondern auch zwischen den Generationen. „Das ist jetzt eben kein Menü, das vor uns liegt, wo man den einen Punkt rausgreift und den anderen liegen lässt“, betonte Frei. Nötig sei jetzt die politische Kraft, auch die unangenehmen Entscheidungen mitzutragen.
Mehr zur Lanz-Sendung lesen Sie hier:
Lorenz Zeck
Merz kündigt Konsequenzen aus Hitzewelle an
Bei den Themen Trockenheit, Hitze, Waldbrände und Ernteausfällen sieht Kanzler Friedrich Merz konkreten Handlungsbedarf und kündigt Konsequenzen an. „Für die Bundesregierung ist deshalb klar: Wir müssen den Klimawandel weiter eindämmen und zugleich unser Land besser an die Folgen des Klimawandels anpassen“, so Merz. Das Kabinett werde sich in seiner Sitzung am Mittwoch mit dem Thema beschäftigen. Die von der SPD geforderte Aufnahme von Hitzemaßnahmen in das Grundgesetz erwähnte Merz nicht.
Beim Thema Wirtschaft sieht Merz Chancen, die Wachstumsschwäche in Deutschland zu überwinden. „Unser Land hat große Potenziale und es gibt überhaupt keinen Grund, uns kleinzumachen“, sagte er.
Lilly Zerbst
Merz zu Drohnenvorfall in Leipzig: „Sie werden dafür bezahlen“
Wer ihrer Meinung nach hinter dem versuchten Drohnenanschlag vom 4. August am Leipziger Flughafen steckt, dazu will die Bundesregierung nach Angaben von Kanzler Friedrich Merz „in Kürze“ eine Aussage treffen. „Sie werden dafür bezahlen“, sagte Merz am Dienstag vor Beginn der Kabinettsklausur im brandenburgischen Neuhardenberg. Dort sei aber nicht der Ort, dies aufzuklären.
Der Leipziger Anschlagsversuch am 4. August zeige, dass Deutschland „stärker ins Fadenkreuz hybrider Angreifer“ rücke. „Angreifer nehmen zunehmend skrupellos auch schwere Sachschäden, sogar Verletzte und Tote in Kauf“, sagte Merz. Die Bundesregierung wappne sich dagegen, erstens etwa mit der Einrichtung des Drohnenzentrums in Magdeburg. „Zweitens, Deutschland schreckt ab: Die Bundesregierung erlegt Urhebern hybrider Angriffe einen Preis auf.“
In Leipzig war offenbar gezielt eine Drohne mit Sprengstoff gegen ein ukrainisches Frachtflugzeug eingesetzt worden. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR gehen die Sicherheitsbehörden mittlerweile von drei eingesetzten Drohnen der Angreifer aus. Wegen der deutschen Hilfe für die Ukraine war auch Russland hinter dem Angriff vermutet worden.

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