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Landkreis München - SZ.de · Aug 21, 2026

Pflege: Neuanfang im Kirchheimer Seniorenheim

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Irmengard Gnau · Süddeutsche Zeitung

Auf der schwarzen Tafel im Eingangsbereich stehen die aktuellen Angebote des Kirchheimer Seniorenheims Collegium 2000. Diese Woche geht es um Sturzprophylaxe. Im Essbereich im zweiten Stock unterhalten sich drei Bewohnerinnen bei Kaffee und Kuchen. Pflegedienstleiterin Ilinka Lozancic grüßt in die Runde und erntet freundliches Kopfnicken. Eine Frau fährt mit ihrem Rollstuhl zu ihrem Zimmer, vorbei an bunten Papageien und anderen Tiermotiven, die die Wände oberhalb des hölzernen Handlaufs zieren. Die Stimmung im Seniorenheim wirkt entspannt. Nach den Turbulenzen im vergangenen Jahr ist mit der neuen Führungsspitze wieder Ruhe eingekehrt. Der Neustart scheint zu gelingen.

Freilich, die Hitze macht einigen Bewohnerinnen und Bewohnern zu schaffen.  Doch in den hellen Gängen mit dem frisch renovierten Holzparkett versucht man, die Temperaturen so angenehm wie möglich zu halten.

Das Seniorenheim der Gemeinde Kirchheim östlich von München war im vergangenen Jahr wegen roter Zahlen und heftiger interner Querelen in die Schlagzeilen geraten. Die Heimaufsichtsbehörde im Landratsamt München verhängte damals sogar einen Belegungsstopp für das Haus.

Inzwischen hat die Gemeinde reagiert. Seit April hat die Beratungsfirma Schwan und Partner aus Oberhaching die Geschäftsführung des Hauses übernommen; sie ist spezialisiert auf soziale Einrichtungen, leitet unter anderem erfolgreich die kommunalen Seniorenheime in Haar und Gräfelfing. Ziel ist es, wieder Ruhe in den Betrieb zu bringen, gute Pflege sicherzustellen und schließlich das Haus wieder zu einer ausgeglichenen Bilanz zu führen. „Der Fokus liegt aber ganz klar auf guter Pflege, auch vonseiten der Gemeinde“, sagt Julian Braun, Geschäftsführer von Schwan und Partner.

Seit Braun mit seiner Kollegin die Geschäftsführung des Collegium 2000 übernommen hat, hat sich einiges im Haus verändert, sowohl äußerlich als auch betriebsintern. Die wohl wichtigste Neuerung für Bewohner und Angehörige ist jedoch die neue Führungsspitze, die seit einigen Wochen ihre Arbeit aufgenommen hat und das Haus langfristig begleiten soll. Ilinka Lozancic leitet seit Anfang Mai den Pflegedienst; seit Juni steht zudem Christoph Senezuk dem Haus als Einrichtungsleiter vor.

Einrichtungsleiter Christoph Senezuk (von links), Geschäftsführer Julian Braun von Schwan und Partner und Pflegedienstleiterin Ilinka Lozancic sitzen in einem der frisch renovierten Wohnzimmer.

Einrichtungsleiter Christoph Senezuk (von links), Geschäftsführer Julian Braun von Schwan und Partner und Pflegedienstleiterin Ilinka Lozancic sitzen in einem der frisch renovierten Wohnzimmer.

Renate Schmidt

Nach den Turbulenzen der vergangenen Monate sei beim Personal durchaus eine gewisse Unsicherheit spürbar gewesen, berichten Lozancic und Senecuk. Doch es sei gelungen, die Mitarbeiter zu überzeugen, beim neuen Kurs mitzuziehen. „Wir haben viel geredet und viel Präsenz gezeigt“, sagt Senezuk. „Es ist wichtig, mit gutem Vorbild voranzugehen“, ergänzt Pflegedienstleiterin Lozancic, „von Anfang an selbst mit anzupacken.“ Dieses Rezept scheint aufzugehen. Nach Angaben von Braun gehen zahlreiche Bewerbungen ein, sowohl für offene Jobs als auch für freie Bewohnerplätze.

Aktuell ist das Haus mit 33 Vollzeitkräften in der Pflege sowie fünf Betreuungsassistenzen, die für das Sozialprogramm zuständig sind, voll besetzt. Auf Aushilfen aus Zeitarbeit müsse man seit Juni gar nicht mehr zurückgreifen, sagt Braun nicht ohne Stolz. Von Mitarbeitern, mit denen es tiefergehende Konflikte gegeben habe, habe man sich zwar getrennt, doch größtenteils außergerichtlich geeinigt. Einen Betriebsrat soll es weiterhin geben. Dieser muss aber neu gewählt werden, da mehrere Gremiumsmitglieder das Haus – freiwillig oder nach Kündigung – verlassen haben. „Ich stehe positiv zu einem Betriebsrat. Ich bin ja froh, wenn sich die Mitarbeiter einbringen“, sagt Braun.

Nach einer Begehung Mitte Juli hat die Heimaufsicht auch den Belegungsstopp für das Haus aufgehoben. Damit darf das Collegium 2000 wieder bis zu 64 Bewohner in der allgemeinen Pflege aufnehmen; 43 sind es aktuell. „Wir wollen die freien Plätze natürlich wieder auffüllen, aber sinnvoll und nichts überstürzen“, sagt Einrichtungsleiter Senezuk. Der erste neue Bewohner ist Anfang August eingezogen. Weitere sollen nun peu à peu folgen.

Eine Tafel  im Eingangsbereich weist auf das Angebot der Sturzprophylaxe hin

Eine Tafel  im Eingangsbereich weist auf das Angebot der Sturzprophylaxe hin

Renate Schmidt

Auch das Haus selbst vermittelt einen Neuanfang. Die Wände in den Zimmern des Wohnbereichs im Erdgeschoss sind frisch gestrichen, die Küche wurde renoviert. Im Herbst soll der Garten neu gestaltet werden. Um das Haus dauerhaft auf eine solide Basis zu stellen, plant die Leitung eine darüber hinaus eine neue Abteilung: Im Erdgeschoss soll künftig ein offener gerontopsychiatrischer Bereich entstehen, in dem 19 Menschen mit Demenz oder altersbedingten psychischen Erkrankungen wohnen können.

„Die Nachfrage nach solchen gerontopsychiatrischen Plätzen ist groß“, sagt Pflegedienstleiterin Lozancic. Auch wirtschaftlich gedacht soll die Umwandlung dem Haus helfen, denn für diese Form der Betreuung liegt der Personalschlüssel höher als in der allgemeinen Pflege.

Es gehe gut voran mit dem Collegium 2000, bilanziert Geschäftsführer Braun, auch wenn noch nicht alles perfekt sei. Im nächsten Schritt soll die Tagespflege wieder ausgebaut werden und dann bis zu 23 Plätze für kurzfristige Betreuung in Kirchheim anbieten.

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