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Erding - SZ.de · Aug 20, 2026

Öffentliche Trauerfeier mit Freibier: Ein Abschied ganz auf Erdinger Art

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Regina Bluhme · Süddeutsche Zeitung

Touristen, die am Mittwochnachmittag in die Erdinger Altstadt kamen, bot sich bei der öffentlichen Trauerfeier für den verstorbenen Brauereibesitzer Werner Brombach ein Bayern wie aus dem Bilderbuch. Menschen, viele davon in Tracht, sitzen und stehen am Schrannenplatz zusammen, ratschen, trinken Bier, während ein festlich geschmücktes Pferdegespann mit sechs Kaltblütern im Schatten wartet.

Drei Stunden Zugfahrt hatte Günther Zink hinter sich. Der 75-Jährige ist extra von Sonthofen nach Erding auf den Schrannenplatz gekommen. Vom Freibierausschank bei der Trauerfeier für Werner Brombach hatte er gehört, zunächst hielt er die Nachricht für einen Aprilscherz, erzählt er lachend. Drei Tage habe er recherchiert, ob das denn stimmen könne. Die Stimmung hier sei wunderbar, darin ist er sich mit der Erdingerin Silvia Irl einig. Beiden schmeckt das ausgeschenkte Bier. Günther Zink hat im Übrigen sein erstes Erdinger Weißbier im Urlaub getrunken – in Mombasa in Kenia.

Josef Dengl fotografiert das Pferdegespann der Brauerei. Er stammt aus dem Landkreis Erding, sei aber eher per Zufall beim Freibierausschank gelandet, wie er erzählt. Er trinke gerne mal ein Erdinger Weißbier, „das kennt man ja auf der ganzen Welt“. Der verstorbene Werner Brombach sei ein großer Förderer des Sports gewesen, gerade auch die Erdinger Vereine hätten davon profitiert.

„Werner Brombach gehört zu Erding“, da sind sich die beiden Erdingerinnen Sonja Foltin und Anita Markart einig. „Wir sind mit Werner Brombach aufgewachsen.“ Erding und Erdinger Weißbräu gehörten zusammen. Sonja Foltin zum Beispiel nimmt mit der Familie immer wieder mal an Führungen durch die Brauerei teil. Sein plötzlicher Tod habe sie getroffen, sagen die beiden Frauen. Selbstverständlich hätten sie an den Trauerfeierlichkeiten teilgenommen, „das gehört sich doch“.

Günther Zink und Silvia Irl beim Freibierausschank am Erdinger Schrannenplatz anlässlich der Beerdigung von Erdinger Weißbräu-Chef Werner Brombach.

Günther Zink und Silvia Irl beim Freibierausschank am Erdinger Schrannenplatz anlässlich der Beerdigung von Erdinger Weißbräu-Chef Werner Brombach.

Regina Bluhme
Anita Markart (links) und Sonja Foltin zollten dem „Erdinger Bräu“ bei der Trauerfeier die letzte Ehre. „Das gehört sich doch“, sind sich die Erdingerinnen einig.

Anita Markart (links) und Sonja Foltin zollten dem „Erdinger Bräu“ bei der Trauerfeier die letzte Ehre. „Das gehört sich doch“, sind sich die Erdingerinnen einig.

Regina Bluhme

Viele Erdinger und Erdingerinnen nahmen in diesen Tagen von Werner Brombach Abschied. Die öffentliche Trauerfeier am Vormittag fand auf dem Gelände der Privatbrauerei statt. Als der Sarg zum Abschluss zum Bestattungswagen getragen wurde, erklang mit Israel Kamakawiwoʻoles „Over the Rainbow“ ein Verweis an Brombachs tiefe Verbundenheit mit Hawaii.  Anschließend wurde der „Bräu von Erding“ noch einmal durch seine Brauerei gefahren – „ein letzter, persönlicher Weg durch den Ort seines Lebenswerks“, schreibt die Brauerei.

Nach der öffentlichen Trauerfeier setzt sich am frühen Nachmittag ein langer Trauerzug durch Erding in Bewegung.  Vom Kleinen Platz führt der Weg zunächst in die Lange Zeile zum Stammsitz der Brauerei, zugleich Werner Brombachs Elternhaus. Von dort geht es weiter zum Friedhof Sankt Paul, wo der Brauereichef im Familiengrab beigesetzt wurde.

Josef Dengl aus dem Landkreis Erding beim Freibierausschank am Erdinger Schrannenplatz.

Josef Dengl aus dem Landkreis Erding beim Freibierausschank am Erdinger Schrannenplatz.

Regina Bluhme
Adrian Beauchamp mit Hund Timmy vor dem Gastgarten des Wirtshauses zum Erdinger Weißbräu.

Adrian Beauchamp mit Hund Timmy vor dem Gastgarten des Wirtshauses zum Erdinger Weißbräu.

Regina Bluhme

Für die eingeladenen Gäste schließt sich ein Trauermahl im Gasthaus Zum Erdinger Weißbräu an. Dort sucht am Mittwochnachmittag Adrian Beauchamp nach einem Fotomotiv. Er hätte gerne Blumenschmuck oder Kränze fotografiert. Leider Fehlanzeige, wie er feststellt. Beauchamp stammt aus Neuseeland, lebt seit 20 Jahren in Erding und möchte Fotos für die Verwandtschaft in Neuseeland schicken: „Freibier so wie hier, das kennen wir ja nicht“, sagt er und lacht. Den Namen Erdinger Weißbier aber, den kenne man in Neuseeland sehr wohl.

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