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Ebersberg - SZ.de · Aug 17, 2026

Volksfest Ebersberg: Wenn Catcher das Bierzelt erobern

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Emely Greiner · Süddeutsche Zeitung

Lange, weiße Schnürstiefel reichen Josef Feyrer bis knapp unter die Knie, darüber leuchten grüne Knieschoner. Dazu trägt er eine knappe, ebenfalls knallgrüne Hose und ein blau kariertes Hemd. Er steigt in den Ring, zieht sein Hemd sofort aus, knallt es auf den Boden und trampelt provokativ darauf herum. Aus dem Publikum schallt ein „Traditionsschwein!“. Die Zuschauer buhen. Josef Feyrer ist Wrestler. Und auf dem Ebersberger Volksfest hat er sich mit seinem Auftritt gerade das Publikum zum Feind gemacht. In diesem Kampf spielt er die Rolle des Bösen.

Dabei erinnert die Kulisse auf dem Ebersberger Volksfest zunächst wenig an Wrestling. Draußen scheint die Sonne auf den Festplatz. Die Fahrgeschäfte drehen ihre Runden, aus dem Biergarten klingt Blasmusik. Wer den Eingang in die Festhalle nimmt, dem bietet sich ein überraschendes Bild. Vier Pfosten ragen in die Höhe, dazwischen spannen sich Seile. An den Ecken stecken schwarze Polster: ein Wrestling-Ring. Rundherum sitzen die Zuschauer dicht an dicht auf den Bierbänken.

Im Ring wartet bereits Josefs Gegner. Lederhose, rot kariertes Hemd und Filzhut. Georg Gwärch, „Schorschi“ ist das genaue Gegenbild zu dem Mann, dessen Hemd gerade auf dem Boden liegt. Das Publikum liebt ihn. Die Zuschauer klatschen, Kinder drängen sich an den Ring. „Das Bierzelt ist seine Heimat“, ruft Manuel Thiele, Veranstalter des Events, ins Mikrofon.

Als  Josef Feyrer Georg Gwärch ihn in den Schwitzkasten nimmt, schallt es im Takt durch das Zelt: „Schorschi! Schorschi! Schorschi!“ Selbst die Kinder in der ersten Reihe brüllen mit.

Als  Josef Feyrer Georg Gwärch ihn in den Schwitzkasten nimmt, schallt es im Takt durch das Zelt: „Schorschi! Schorschi! Schorschi!“ Selbst die Kinder in der ersten Reihe brüllen mit.

Renate Schmidt

Kaum geht Josef auf Schorschi los, hat das Publikum seinen Favoriten gewählt. Jeder Griff des Gegners wird mit Buhrufen quittiert, jeder Griff von Schorschi mit Jubel. Als dieser hart auf den Boden kracht, geht ein erschrockenes Raunen durch die Reihen. „Steh auf, Schorschi!“, ruft jemand. Fäuste trommeln auf die Holztische.

Dabei läuft das Volksfest einfach weiter. Zwischen den Zurufen schlängeln sich Bedienungen mit Bier und Schweinebraten durch die Reihen. Jemand ruft nach einer neuen Maß, während im Ring weitergekämpft wird. „Schorschi, du bist aus Bayern, zeig's ihm wie's geht!“, ruft ein Junge. Kurz darauf gewinnt Georg Gwärch. Schweißüberströmt läuft er durch die Tischreihen, Pfeifen und Applaus begleiten ihn.

Für viele aus dem Publikum in der Festhalle ist dieser Nachmittag eine Premiere. Eberscatch, eine Wrestling-Veranstaltung mit internationalen Stars, ist zum ersten Mal Teil des Programms beim Ebersberger Volksfest. „Wir haben keine Ahnung gehabt, wer kommt, und jetzt ist es hier randvoll“, sagt Manuel Thiele und blickt über die dicht besetzten Reihen. Auf die Frage, wer das erste Mal einen Wrestling-Kampf live erlebt, schießen zahlreiche Hände hoch. „Schön, dass ihr diesem wundervollen Sport eine Chance gebt“, sagt Thiele.

Im „ultimativen Kampf zwischen Gut und Böse“ - wie Thiele den Sport bezeichnet - tritt Team Turbulence in roten Hosen gegen Kevin Kaiden (vorne) und Chris Titan (hinten) an. Unter dem Grölen des Publikums holen sich Kaiden und Titan den Sieg.

Im „ultimativen Kampf zwischen Gut und Böse“ - wie Thiele den Sport bezeichnet - tritt Team Turbulence in roten Hosen gegen Kevin Kaiden (vorne) und Chris Titan (hinten) an. Unter dem Grölen des Publikums holen sich Kaiden und Titan den Sieg.

Renate Schmidt

Auch die Festwirte sehen, dass die Kombination Wrestling und Volksfest aufgeht. „Das ist wirklich eine schöne Show“, finden Florian und Michael Ebenkofler. Sie wollen jedes Jahr etwas Neues auf das Fest bringen. Ein Blick über die eng gefüllten Reihen gibt ihnen offenbar Recht: „Wir haben hier Jung bis Alt dabei und alle haben Spaß“. Ein Volksfest sei schließlich „nicht nur Schausteller und Bier“, betonen die Brüder.

Auch beim Kampf der Frauen mischt sich die Show mit der Volksfestkulisse. „Posh Princess Kiara“ aus England läuft in die Halle und setzt einem Mädchen in Dirndl eine glitzernde Krone auf. Doch die Freude ihrer Fans währt nicht lange: Ihre Gegnerin Lexa Valo aus Finnland gewinnt den Kampf und verteidigt damit ihren Women's Eberscup-Titel. Das Mädchen mit der Krone verfolgt den Sieg skeptisch und zeigt Lexa den Daumen nach unten.

Lexa Valo bringt Posh Princess Kiara im Ring zu Boden. Die Titelverteidigerin entscheidet den Kampf für sich.

Lexa Valo bringt Posh Princess Kiara im Ring zu Boden. Die Titelverteidigerin entscheidet den Kampf für sich.

Renate Schmidt

„Jetzt kommen die zwei Besten“, ruft ein Mann im Publikum. Ein anderer findet: „Es wird von Kampf zu Kampf besser.“ Im letzten Match geht es um den Eberscup der Männer. Titelverteidiger Tim Stübing aus Hannover läuft ein, klatscht mit seinen Fans ab und hält stolz den Eberscup in die Luft. Dazu dröhnt „Here I am, rock you like a hurricane“ aus den Lautsprechern.

Sein Gegner Hektor Invictus aus Nürnberg folgt. Dann erklingt der Gong. Für einen kurzen Moment herrscht Stille im Festzelt. Die beiden Männer gehen aufeinander los – und die Menge wird wieder laut. „Let's go, Hektor!“, ruft eine Männergruppe. Als Hektor Tim in den Schwitzkasten nimmt, kommentiert eine Frau: „Wird das mal was? Hört mal auf zu kuscheln.“

Knall auf Knall landen die beiden auf der Matte. „Ah!“ und „Oha!“ raunt es durch die Reihen. Als Hektor einen Zuschauer beleidigt, hält die Menge kurz ein. Sofort folgen laute Reaktionen: „Hau ihn zamm!“, oder „Geh nach Nürnberg zurück!“

Volle 90 Minuten fiebert das Publikum gebannt mit und verfolgt jeden Griff im Ring.

Volle 90 Minuten fiebert das Publikum gebannt mit und verfolgt jeden Griff im Ring.

Renate Schmidt

Aneinander gedrängt sitzen die Zuschauer auf den Bierbänken und starren Richtung Ring. Trotz der drückenden Hitze fiebern alle mit. „Komm schon, Tim.“ Dieser trommelt sich auf die Brust, stößt einen Kampfschrei aus – und gewinnt.

Hektor liegt außerhalb des Rings schwer atmend auf dem Boden, während Tim seinen Pokal in die Höhe hält. „Ebersberg, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie unfassbar stolz ich bin“, ruft er. Zu seinem Siegessong lässt sich Tim ordentlich feiern. „Mit eurer Hilfe kann ich jeden Gegner besiegen“, schreit er der Menge zu.

Das Publikum liebt ihn: Tim Stübing feiert seinen Sieg mit den Fans.

Das Publikum liebt ihn: Tim Stübing feiert seinen Sieg mit den Fans.

Renate Schmidt

Am 24. Oktober kehrt der Eberscup zurück in den Alten Speicher. Auch Tim Stübing wird wieder dabei sein. „Ebersberg, wir sehen uns“, ruft er dem Publikum zum Abschied zu.

Wenig später verstummt die Musik. Die Bierbänke leeren sich. Wo eben noch Fangebrüll durch die Festhalle drang, stehen nur noch vereinzelt Besucher an den Tischen. Dafür füllt sich der Ring  – aber anders. Kinder klettern über die Seile, laufen über die Matte und schauen sich den Platz an, an dem kurz zuvor noch die Profis gekämpft haben.

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