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Wolfratshausen - SZ.de · Aug 18, 2026

Overtourism: Die Wut am Walchensee wächst

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Stephanie Schwaderer · Süddeutsche Zeitung

In den vorerst letzten Hitzetagen dieses Sommers sind am Walchensee nicht nur die Motoren der Erholungssuchenden heiß gelaufen. Naturschutzwächter und Forstmitarbeiter sahen sich offener Wut und Aggressionen von Gästen ausgesetzt, die keinen Parkplatz fanden. Ein 64-jähriger Ranger wurde von einer Gautingerin angefahren. Mehrfach musste die Polizei ausrücken. „Der Druck wird immer stärker“, sagt Robert Krebs, Leiter des Forstbetriebs Bad Tölz. „Das ist beunruhigend.“

Wegen Überfüllung wurde die Mautstraße am Südufer am Samstag erneut für den Verkehr gesperrt – zum vierten Mal in diesem Jahr. Bereits gegen elf  Uhr waren nach Auskunft der Polizei die Parkplätze am Nordufer vollständig belegt. Kurz vor 12 Uhr befanden sich 1100 Fahrzeuge auf der rund neun Kilometer langen Strecke zwischen Niedernach und Einsiedl – für Krebs und seine Mitarbeiter das Signal, die Schranken zu schließen.  Auch auf den Auffangparkplätzen fand sich bald keine Lücke mehr. Vor den Schranken kam es zu langen Staus. „Hunderte Fahrzeuge“, sagt Krebs. Erst um 17 Uhr wurde die Straße wieder freigegeben.

„Sehr unangenehme Situationen“: Robert Krebs ist Forstbetriebsleiter in Bad Tölz.

„Sehr unangenehme Situationen“: Robert Krebs ist Forstbetriebsleiter in Bad Tölz.

privat

Er verstehe, dass Ausflügler enttäuscht seien, wenn sie sich in Innsbruck oder München auf den Weg machten und dann vor verschlossenen Schranken stünden. „Aber wenn in der Stadt ein Parkhaus voll ist, dann ist es eben voll.“ Dass die Leute am Walchensee die Ordnungskräfte angingen, sei inakzeptabel. „Die müssen sich Dinge anhören, die will man nicht aussprechen.“ Am Wochenende habe es wieder „sehr unangenehme Situationen“ gegeben. Ein Mann etwa habe die Fassung verloren – „und konnte sie erst wiederfinden, nachdem die Polizei sich intensiv um ihn gekümmert hat“.

Hinweistafeln bleiben wirkungslos

Versuche, Ausflügler mit elektronischen Hinweistafeln schon auf den Zufahrtsstrecken auf die Sperrung aufmerksam zu machen und entsprechend umzuleiten, hätten keine Wirkung gezeigt, sagt Krebs. Gleiches gelte für Radiodurchsagen. „Die Leute setzen sich ins Auto und fahren los.“ Allein im Bereich Einsiedl ahndete die Polizei am Samstag rund 100 Parkverstöße. Rund um den See wurden Rettungswege und Bushaltestellen zugeparkt. Es gab 70 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Bayerische Naturschutzgesetz.

Sorgen macht sich Krebs nicht nur um den Natur- und Landschaftsschutz, sondern vor allem auch um seine Mitarbeiter. An normalen Tagen pflegten sie die Wege und kassierten im Schichtdienst die Maut, sagt er. „Mittlerweile rücken an heißen Wochenenden Kollegen aus der Freischicht an und unterstützen die Diensthabenden, weil das allein nicht mehr zu bewerkstelligen ist.“

Auf der Zufahrt zur Mautstation Niedernach stauen sich die Fahrzeuge.

Auf der Zufahrt zur Mautstation Niedernach stauen sich die Fahrzeuge.

Philip Müller/oh

Auch die Naturschutzranger, die im Auftrag des Landratsamts rund um den Walchensee im Einsatz sind, werden immer häufiger zum Opfer von Beleidigungen und Aggressionen. Aufsehen erregte vor wenigen Tagen ein Vorfall, bei dem ein 64-Jähriger verletzt wurde. Nach Auskunft der Polizei widersetzten sich eine 41-jährige Gautingerin und ihre 66-jährige Mutter den Anweisungen, ihr Auto außerhalb des Landschaftsschutzgebiets bei Sachenbach zu parken. Noch bevor die Polizei eintraf, um die Personalien aufzunehmen, sei die Tochter „unvermittelt“ losgefahren und habe mit ihrem Familienbus den Fuß des Rangers überrollt. „Obwohl dieser aufschrie, setzten die Frauen ihre Fahrt fort“, so die Polizei. In Urfeld konnten sie gestoppt werden. Der Ranger erlitt mittelschwere Verletzungen und wurde ins Unfallklinikum Murnau gebracht. Gegen die Frau wurde Strafanzeige gestellt.

Landrat Ludwig Schmid (Freie Wähler) zeigt sich alarmiert und ruft zu mehr Rücksicht auf. Er könne nachvollziehen, dass man sich über eine Straßensperrung ärgere, teilt er in einer Pressemeldung mit. „Aber bei aller Liebe: Aggressives Verhalten gegenüber den Naturschutzrangern oder sonstigen Ordnungskräften ist absolut inakzeptabel.“ Bereits vor zwei Monaten habe er sich mit „Vorschlägen für mehr Sicherheit insbesondere der Naturschutzranger an das Umwelt- sowie das Innenministerium gewandt“. Nun werde er die Ministerien erinnern, dass „dringend Maßnahmen ergriffen werden müssen“. Auf Nachfrage erklärt die Behörde, es gehe „um geeignete Maßnahmen zur besseren Dokumentation von Vorfällen“.

Auch Forstbetriebsleiter Krebs sagt: „Wir müssen besser werden.“ Über den Winter habe man Zeit, sich gemeinsam Gedanken zu machen. „Natürlich sollen sich die Menschen weiterhin am Walchensee erholen dürfen.“ Er setze auf Aufklärung und Sensibilisierung. Einen Tipp hat er schon jetzt: „Nicht am Wochenende kommen, wenn alle da sind. Dann kann man hier wunderbar entspannen. Und einen Parkplatz findet man auch.“

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