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Wolfratshausen - SZ.de · Aug 20, 2026

Freizeit im Oberland: Bergwandern trotz Gluthitze

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Jasmin Engel · Süddeutsche Zeitung

Die Hitze hat im August tagelang auf das Oberland südlich von München gedrückt, auch an sonnigen Hängen in den Bergen stiegen die Temperaturen extrem an. Das stellte Wanderer vor Herausforderungen, manche von ihnen bekamen gesundheitliche Probleme. Das sei öfter vorgekommen, sagt Horst Stahl, der Bereitschaftsleiter der Tölzer Bergwacht: „Erst letzte Woche hatten wir drei Einsätze am Blomberg, die etwas mit Erschöpfung zu tun hatten.“

Wer in der Hitze in den Bergen unterwegs ist, braucht eine kluge Routenwahl mit vielen schattigen Passagen, vielleicht auch Bademöglichkeiten. Wer dagegen mittags oder am frühen Nachmittag wandert, kann schnell körperliche Beschwerden bekommen. Als Beispiel führt Stahl einen mehr als 60 Jahre alten Mann an, der mit einer Gruppe unterwegs gewesen sei. Auf dem Rückweg vom Blomberghaus nahe Bad Tölz habe er es am kurzen Steilstück vor der Bergstation des Sessellifts nicht mehr vor noch zurück geschafft. Weil der Mann an Diabetes leidet, sei sein Organismus bei Hitze besonders stark belastet gewesen, so Stahl. Nach kurzer Behandlung sei es dem 60-Jährigen aber wieder gut gegangen. In solchen Fällen mache sich oft die Gruppendynamik fatal bemerkbar, weil niemand eine Tour abbrechen wolle.

Hitzschlag oder Dehydrierung erfasst die Bergwacht bei ihren Einsätzen zwar nicht gesondert. Stahl hat aber schon den Eindruck, dass solche Notfälle wegen der Hitze verstärkt vorkamen. Selbst gute Sportler könnten bei den hohen Temperaturen leichter verunglücken, sagt er. Denn die Aufmerksamkeit im schwierigen Gelände sei unter solchen Wetterbedingungen schnell eingeschränkt.

Die Mittwochsgruppe der Alpenvereinssektion Tölz war in diesem Sommer am Rossstein unterwegs.

Die Mittwochsgruppe der Alpenvereinssektion Tölz war in diesem Sommer am Rossstein unterwegs.

Alpenverein Tölz

In den Bergen sind zwar von Juli bis Mitte August weniger Menschen beim Wandern oder Mountainbiken. Gleichwohl sind immer noch viele dort selbst bei hohen Temperaturen unterwegs. Für die sogenannte Mittwochsgruppe mit geführten Touren hat etwa die Tölzer Alpenvereinssektion rund 50 Plätze frei. Die seien auch aktuell fast alle belegt, sagt Sektionssprecher Jürgen von Wahnem. „Es finden sich immer genügend, die unbedingt mitgehen wollen.“ In der Gruppe gebe es „genügend Ehrgeizige“, vor allem die Jüngeren wollten oft durchziehen, was geplant sei.

Die Tourenleiter planen Abkühlungsmöglichkeiten mit ein. Hier eine Gumpe beim Zunterkopf.

Die Tourenleiter planen Abkühlungsmöglichkeiten mit ein. Hier eine Gumpe beim Zunterkopf.

Alpenverein Tölz

Allerdings passten die Wanderleiter die Touren abhängig von der Temperatur schon einmal kurzfristig etwas an und planten etwa zusätzliche Bademöglichkeiten ein, sagt von Wahnem. Und wer wandere, sollte auch immer viel zu trinken mitnehmen.

Mehr Wanderer kommen jetzt frühmorgens auf die Lenggrieser Hütte

Auf der Lenggrieser Hütte am Seekarkreuz ist Florian Durach seit zehn Jahren Hüttenwirt. Am Anfang der Sommerferien sei eher Badezeit, sagt er. Da kämen weniger Gäste. Allerdings seien es heuer trotz der Hitze nicht weniger als sonst um diese Jahreszeit. Viele seien bei den hohen Temperaturen schon früh am Vormittag da, vereinzelt sogar um 7 Uhr zu Kaffee und Kuchen. Von Lenggries aus ist die auf 1338 Metern gelegene Hütte in zwei Stunden zu erreichen. Zu essen seien eher leichtere Gerichte wie Suppen, Würstl, Kuchen oder Kaiserschmarrn gefragt, so Durach.

Die Tölzer Hütte am Schafreuter musste wegen Wasserknappheit einen Tag schließen

Auf der um die 500 Meter höher gelegenen Tölzer Hütte am Schafreuter im Vorkarwendel bemerkt Benno Schödel weniger Tagesgäste. „Das macht sich aber nicht krass bemerkbar, die Leute kommen minimal weniger“, sagt der Hüttenwirt, der das Haus mit seiner Partnerin Andrea Held in der vierten Saison führt. Wer eine Übernachtung gebucht habe, komme auf jeden Fall, sagt er. Egal, wie heiß es sei.

Dafür macht dem Pächterpaar die Wasserknappheit auf der Hütte zu schaffen, die auf einem Sattel an der Südwestflanke des Schafreuter liegt. Erst kürzlich mussten sie für einen Tag allen Übernachtungsgästen absagen, weil die Quelle zu wenig Wasser führte. „Dafür gab es wenig Verständnis“, sagt Schödel. 14 Reservierungen, von einer Einzelperson bis zu Gruppen mit neun Personen, hätten sie für diesen Tag gehabt. Vielleicht drei, vier Gäste hätten ihnen Glück gewünscht. Die anderen hätten die Absage gar nicht nachvollziehen können.

Inzwischen geht es zwar wieder mit dem Wasser, doch das Pächterpaar behält die Situation im Blick. „In der Zukunft wird es sicher nicht besser“, sagt Schödel. Es gebe Überlegungen, einen zusätzlichen Speicher zu installieren, um Trockenperioden zu überbrücken. Auch das Wasser der Dachfläche an einem Nebengebäude solle in der Zisterne aufgefangen werden. „Das ist schon eine Belastung“, sagt Schödel. Allerdings: Wenn es regne, füllten sich die Speicher auch schnell wieder auf.

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