Tennis boomt wieder in Deutschland. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) meldete kürzlich „36 493 zusätzliche Mitglieder binnen eines Jahres“. Der Zuwachs sei so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. Ein Trend, den auch die Sportvereine in Dießen und Schondorf spüren. Allerdings gibt es zunehmend Probleme, freie Plätze in den umliegenden Tennishallen im Winterhalbjahr für das Training zu buchen. In Stegen, Herrsching und Weilheim seien die Hallenkapazitäten begrenzt, sagt Christian Engert, Spartenleiter Tennis vom MTV Diessen. Und diese verringerten sich auch noch in der nächsten Wintersaison. Geplant ist deshalb eine eigene Traglufthalle für die kalte Jahreszeit.
Konkurrenz macht dem Tennis die neue Trendsportart Padel, eine Mischung aus Tennis und Squash. In der Halle in Herrsching werden deshalb zwei von vier Tennisplätzen wegfallen. In Landsberg wird sogar eine ganze Tennishalle künftig nur noch für Padel genutzt, weshalb dort gerade die Handwerker zugange sind. Gekauft wurde diese Sportstätte im Frühjahr von der Maral GmbH. Dahinter steht ein in der Region wohnender Prominenter: Adnan Maral, Schauspieler („Türkisch für Anfänger“), Filmproduzent und Unternehmer. Er verkündet auf seinem Instagram-Profil seinen knapp 15 000 Followern: „Die Gerüchte stimmen! Ich baue eine Padelhalle in Landsberg am Lech trotz Werkzeugverbot.“ Acht Courts sind geplant, die im neuen Familienunternehmen „Pääädel GmbH“ betrieben werden sollen.
Tennis spielen in Dießen derzeit 258 Mitglieder in 20 Mannschaften, wie Spartenleiter Engert mitteilt. Auf etwa 120 bis 140 Platzstunden pro Woche schätzt der Verein seinen Trainingsbedarf im Winter. Deshalb möchte der MTV über den Winter eine Traglufthalle auf zwei bestehenden Tennisplätzen aufstellen. Engert zufolge würde ein Unternehmen die Traglufthalle für die Monate Oktober bis März errichten und dem Sportverein dann die Plätze zu marktüblichen Preisen vermieten. In der Feriensitzung des Marktgemeinderates wurde eine dafür nötige Änderung des Bebauungsplanes aus dem Jahr 1974 einstimmig befürwortet.
Die geplante Traglufthalle hat eine Höhe von elf Metern sowie eine Breite und Länge von je 36 Metern. Sie soll über die Tennisplätze 3 und 4 aufgestellt und nur den Winter über betrieben werden. Ende Juli habe bereits ein Treffen mit den beteiligten Behörden im Landratsamt Landsberg stattgefunden, berichtete Bürgermeisterin Sandra Perzul (Dießener Bürger). Nötig sei ein neues Schallgutachten im Zusammenhang mit der Soccerbox. Außerdem soll die optische Wirkung der Traglufthalle auf das Landschaftsbild geprüft werden.
Bürgermeisterin Sandra Perzul pocht darauf, dass der MTV Diessen die Kosten für das Verfahren der geplanten Traglufthalle übernimmt.
Arlet UlfersWichtig war Perzul, dass sämtliche Kosten für das Verfahren vom Sportverein zu tragen sind. Vor dem förmlichen Änderungsbeschluss sei aber noch eine Abstimmung mit den Fachbehörden erforderlich. In der Sitzung wurde auch die Variante einer Traglufthalle als „fliegender Bau“ angesprochen. Wie Bauamtsleiterin Johanna Schäffert erläuterte, sei dies jedoch nur für maximal drei Monate möglich und mit Auflagen verbunden. Als Beispiel nannte sie das Aufstellen großer Festzelte. „Eine Verlängerung ist aber nicht möglich“, sagte sie.
Der TSV 1920 Schondorf möchte zwei eigene Tennishallen an der Uttinger Straße bauen
Auf den Neubau einer Tennishalle setzt dagegen der TSV 1920 Schondorf. Für das Vorhaben hatte es bereits 2014 einen Vorstoß gegeben, der damals mehrheitlich abgelehnt wurde. Im November 2025 befürwortete der Gemeinderat dann grundsätzlich die Planung von zwei Hallen, die mit einem Sanitär-Zwischengebäude verbunden sind. Sie sollen auf dem Bolzplatz parallel zur Uttinger Straße gebaut werden. In Schondorf zählt die Tennisabteilung 330 Mitglieder, die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Vor einer Baugenehmigung musste wie in Dießen erst der entsprechende Bebauungsplan geändert werden, was in einer Gemeinderatssitzung Ende Juli mehrheitlich auf den Weg gebracht wurde.
Schondorfs neuer Bürgermeister Gunther Hofmann (CSU) beurteilt das Projekt am Telefon „als ganz am Anfang“ stehend. Der Bebauungsplan „Sportgebiet Bergstraße“ liege im Außenbereich, der für Hofmann eigentlich „sakrosankt“ sei. In diesem Fall sei es aber keine landwirtschaftliche Fläche mehr und werde schon genutzt. Auch für den Bürgermeister ist es wichtig, dass für die Allgemeinheit keine Kosten entstehen. Offen seien aber auch noch die wirtschaftliche Seite und das Betreibermodell.

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