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Starnberg - SZ.de · Aug 24, 2026

Open-Air-Festivals: Kostbares Kulturgut

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Antonia Bredendiek · Süddeutsche Zeitung

Kleine regionale und kostenlose Festivals sind oft der Ort, an dem musikalische Karrieren beginnen. Abseits der großen Bühnen von Rock am Ring, Southside oder Hurricane bieten sie Nachwuchsbands die Möglichkeit, vor Publikum zu spielen, Erfahrungen zu sammeln und ihre Musik bekannt zu machen. Für viele kleinere Bands sind diese Auftritte ein wichtiger Schritt in die Öffentlichkeit.

Auch für die Münchner Band Fruchtiger Beigeschmack waren solche Bühnen der Beginn ihres musikalischen Werdegangs. Was mit Auftritten auf kleineren Festivals im Münchner Umland begann, hat die drei Musikerinnen und Musiker inzwischen über die Grenzen Bayerns hinausgeführt.

Fruchtiger Beigeschmack gibt es seit 2024. Bereits zwei Monate nach der Gründung veröffentlichte die Band ihre erste EP „Skript I. des nichts“, seitdem folgten weitere Veröffentlichungen wie die Single „Ich hör mich nicht“ im Jahr 2026. Sängerin Milena, Sänger und Gitarrist Levi und Felix an Klavier und Schlagzeug spielen regelmäßig auf Festivals, in Jugendzentren und bei Band-Abenden. Besonders im Sommer stehen sie häufig auf der Bühne, etwa einmal pro Woche. Dabei sind es nach wie vor kleine, regionale und häufig kostenlose Festivals, die ihnen Auftrittsmöglichkeiten bieten.

Festivals wie zum Beispiel das Kulturspektakel Gauting. Seit mehr als 40 Jahren wird das „Kult“, wie das Open-Air-Festival auf dem Schulcampus auch genannt wird, ehrenamtlich organisiert und bietet Besucherinnen und Besuchern kostenlosen Eintritt. Vom 24. bis 26. Juli dieses Jahres standen auf drei Bühnen mehr als 50 lokale Bands auf dem Programm. Daneben gehören Workshops, Sportturniere und ein Kinderprogramm zum festen Bestandteil des Festivals.

Die Band „Fruchtiger Beigeschmack“ bei einem Auftritt im Münchner Feierwerk im Frühjahr 2026.

Die Band „Fruchtiger Beigeschmack“ bei einem Auftritt im Münchner Feierwerk im Frühjahr 2026.

Johannes Simon

Für das Programm und das Booking der Bands ist Daniel Büchele verantwortlich. Er erklärt, dass die Veranstalterinnen und Veranstalter des Kult besonderen Wert darauf legen, das Festival möglichst niedrigschwellig zu halten. „Was wir versuchen mit einem komplett kostenlosen Festival ist, dass sich die Leute nicht entscheiden müssen, ob sie nur auf ein Festival gehen können, sondern sich für mehrere entscheiden“, sagt Büchele.

Neben dem niederschwelligen Zugang für Besucherinnen und Besucher steht das Kulturspektakel Gauting auch für die Förderung lokaler Nachwuchskünstlerinnen und -künstler. Das Festival bietet sowohl Bands, die erstmals auf einer Bühne stehen, als auch bereits bekannteren regionalen Gruppen eine Plattform. Ziel sei es, die gesamte Bandbreite abzudecken, erklärt Büchele.

Kostenloses Open-Air-Erlebnis seit 40 Jahren: Beim Kulturspektakel Gauting, hier ein Bild vom Publikum vor der großen Bühne 2019, wird ausgelassen gefeiert. 

Kostenloses Open-Air-Erlebnis seit 40 Jahren: Beim Kulturspektakel Gauting, hier ein Bild vom Publikum vor der großen Bühne 2019, wird ausgelassen gefeiert. 

Georgine Treybal

Für die Mitglieder von Fruchtiger Beigeschmack haben kleine lokale Festivals einen besonderen Reiz. „Man hat das Gefühl, es ist mit mehr Aufwand gemacht, auch wenn es am Ende wahrscheinlich gar nicht so ist“, sagt Sängerin Milena. Das Publikum sei häufig gezielter ausgewählt und die Atmosphäre familiärer als bei „ultra-kapitalistischen Mega-Festivals“. Für die Band bedeuten solche Veranstaltungen vor allem Sichtbarkeit. „Manchmal sieht man auf solchen Festivals eine Band, die man vorher nicht kannte, die aber echt cool ist. Genau dafür braucht es solche Bühnen und Möglichkeiten, sonst sieht man die ja gar nicht“, sagt Schlagzeuger Felix.

Weil Festivals wie das Kult vollkommen auf den Eintritt verzichten, stellt sich die Frage, wie sich das Ganze denn eigentlich finanziert. Laut Büchele hat das Gautinger Kulturspektakel eine Lösung dafür gefunden: Hier werden Essen und Getränke selbst verkauft, anstatt externe Verkäuferinnen und Verkäufer auf dem Gelände Stände aufstellen zu lassen. Das andere Standbein seien öffentliche Fördermittel. Die gibt es in Deutschland auf vielen Ebenen. Beispielsweise durch kommunale oder Bundeszuschüsse. Diese sind laut Büchele „super hilfreich“, jedoch gebe es jedes Jahr ein bedeutendes Problem bei der Beantragung. Die ist nämlich meist erst im selben Jahr des Festivals möglich, das Booking der Bands beginnt aber oftmals schon im Vorjahr. Und jedes Jahr sei es ungewiss, ob man die Zuschüsse überhaupt bekomme, sagt Büchele. Ein Risiko, das die Veranstalterinnen und Veranstalter am Ende vor eine wichtige Entscheidung stelle: „Kann man die Bands schon buchen oder geht man auf Nummer sicher und verzichtet auf bestimmte Bands, weil die Fördergelder noch nicht da sind?“

Beim Kulturspektakel arbeiten die Menschen nicht nur ehrenamtlich, hier das Grillteam 2013, der Erlös des Essenverkaufs bleibt auch bei den Veranstaltern.

Beim Kulturspektakel arbeiten die Menschen nicht nur ehrenamtlich, hier das Grillteam 2013, der Erlös des Essenverkaufs bleibt auch bei den Veranstaltern.

Georgine Treybal

Doch nicht nur Fördermittel sind ein Problem, mit dem kleine lokale Festivals zu kämpfen haben. Gerade kleinere Veranstaltungen haben es in der Festival-Szene zunehmend schwerer. In diversen Medienberichten der letzten Jahre ist daher immer wieder vom „Festival-Sterben“ die Rede. Ticketpreise steigen deutlich an, die Menschen haben oftmals nur noch die Wahl, auf ein Festival im Jahr zu gehen. Da entscheiden sie sich dann laut Büchele für die großen, bekannten. Das ZDF nennt in einem Beitrag den Ukraine-Krieg und die Inflation als Gründe für die Finanzierungsengpässe der Festivals. Der Markt um die Besucherinnen und Besucher sei immer stärker umkämpft. Die Konsequenz: fehlende Bühnen für junge Nachwuchskünstler. Das Geld reiche nicht aus, um die Festivallandschaft nachhaltig zu stärken.

Für das Kult sind die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter essenziell. Sie übernehmen zum Beispiel die Bewerbung der Veranstaltung und den Getränke- und Essensverkauf. „Aber es ist trotzdem nicht der Idealfall, dass Kultur nur durch unbezahlte Arbeit erlebbar gemacht werden kann“, sagt Büchele. Unter den Einsparungen sollen laut Büchele die lokalen Bands allerdings nicht leiden. Zwar seien die Fixkosten in den vergangenen Jahren extrem angestiegen, jedoch werde an den Gagen für die Bands als letztes gespart.

700 bis 800 Euro Gage müssen sich die Musiker teilen, mal zu dritt, mal zu acht

Für lokale Künstlerinnen und Künstler sei die Situation dennoch schwierig. Auch die Musiker von Fruchtiger Beigeschmack kennen das Problem geringer Gagen. Gerade in den Anfängen der Band, bei ihren ersten Auftritten, seien die Gagen so niedrig gewesen, dass nicht einmal die Aufwandskosten abgedeckt waren, berichten sie. Auch heute werden sie von Auftritten nicht reich. Die durchschnittlichen Gagen lägen mittlerweile zwischen 700 und 800 Euro, und das auch nur, da die Band mittlerweile bekannter sei. Fruchtiger Beigeschmack besteht aber nicht nur aus den drei Hauptmitgliedern, sondern engagiert für die musikalische Begleitung teilweise bis zu acht weitere Musikerinnen und Musiker. „Wenn man mal darüber nachdenkt, ist das ein ziemlich bescheuerter Stundenlohn für acht Menschen und für das, was es ist“, sagt Milena.

Trotz der finanziellen Herausforderungen sehen die Mitglieder der Münchner Band die Verantwortung nicht nur bei den Veranstaltenden. Ihnen sei sehr bewusst, wie schwer es kleine, regionale Festivals haben, betonen sie. Die strukturellen Bedingungen für Kultur müssten sich verändern. „Staatlich muss mehr Geld in Förderung von Kultur fließen, eine blühende Kultur hilft auch dem Staat“, sagt Sängerin Milena.

Veranstaltungsübersicht für September 2026

:Kultur und Events im Landkreis Starnberg

Kultur rund um den See: In Starnberg bringt das Fünf Seen Filmfestival besonderes Kino und Filmgespräche in die Region, in Gilching bringt Sebastian Reich & Amanda beste Unterhaltung auf Moni's Brettlbühne, und in Weßling wird das „Badewiesen Festival“ zur Open-Air-Bühne am Wasser.

Dass regionale Festivals trotz der Schwierigkeiten weiterhin eine wichtige Rolle spielen, daran zweifeln weder Büchele noch die Band Fruchtiger Beigeschmack. Für den Gautinger Festival-Organisator ist klar: „Musik und Kultur findet immer einen Weg, egal, wie widrig die Bedingungen sind.“ Gerade in schwierigen Zeiten müsse Kultur weiterhin zugänglich bleiben. Die Herausforderung bestehe darin, Veranstaltungen für Menschen erlebbar zu machen, ohne dass sie durch hohe Ticketpreise ausgeschlossen oder kulturelle Angebote so klein würden, dass sie kaum noch sichtbar seien. Auch für die Nachwuchsbands bleibe deshalb die Existenz kleiner Festivals entscheidend. Denn dort entstehen die ersten Kontakte, die ersten Bühnenerfahrungen und oft auch die ersten Schritte in eine größere musikalische Zukunft.

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