RSS Amplifier

Sport - SZ.de · Aug 26, 2026

FC Bayern: Max Eberl ist ein Sportvorstand im Lasso

0
Sign in to vote or save

Philipp Schneider · Süddeutsche Zeitung

Jener Satz, der die Aufsichtsratssitzung des FC Bayern vom Dienstagabend schon vorab jeglicher Spannung beraubte, enthielt einen noch viel zu wenig gewürdigten Einschub. „Wir haben eine perfekte Transferperiode gemacht – wie auch schon letztes Jahr – mit zwei Spielern, die wir gut gebrauchen können.“

Seit der Aufsichtsrat Uli Hoeneß vor ein paar Wochen mit diesem Lob an die Öffentlichkeit gegangen war, stand fest, dass die Bayern am 25. August nicht nur den Vertrag ihres Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen verlängern würden – sondern auch jenen des Sportvorstands Max Eberl. Das Lob war ein klassischer Spoiler. Welcher Aufsichtsrat kann es sich erlauben, den Vertrag eines Kaderverantwortlichen auslaufen zu lassen, der auf zwei perfekte Transferperioden nacheinander blickt?

Der Einschub „wie auch schon letztes Jahr“ verriet das Geheimnis, wie sich Hoeneß und Eberls eigentlicher Chefkritiker, der Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge, auf eine Fortsetzung des Zusammenwirkens mit dem Sportvorstand einigen konnten. Der Transfersommer 2025 war bekanntlich der erste, in dem Eberl von den Aufsichtsräten an die Hand genommen wurde. Man darf sogar sagen: im Lasso eingefangen wurde.

Im Vorjahr wollte Eberl den Leipziger Xavi Simons kaufen, die Aufsichtsräte verordneten einen Kaufstopp, empfahlen stattdessen eine Leihe – und Hoeneß sagte dem Trainer Vincent Kompany auf seiner Terrasse am Tegernsee, er könne anstelle von Xavi ein Stück Apfelkuchen haben.

Exklusiv FC Bayern

:Nur noch leihen, nicht mehr kaufen

„Ich würde sehr dafür plädieren, den Kader mit einem Leihspieler aufzufüllen“: Uli Hoeneß erklärt, warum Max Eberl in dieser Transferperiode keinen Spieler mehr fest verpflichten sollte – der Umbruch ist für den kommenden Sommer geplant.

In diesem Jahr? Wollte Eberl für eine Kiste Dublonen Newcastles Linksaußen Anthony Gordon erwerben. Auch dieses Geschäft wurde gestoppt. Weil sich jedoch Ende Januar beim Gastspiel der Münchner in Eindhoven der Marokkaner Ismael Saibari in das Herz von Bayern-Trainer Vincent Kompany gekickt hatte, fiel nach einer Schalte zwischen Tegernsee und Harlaching die Entscheidung: Wir brauchen kein Back-up für Luis Díaz. Wir brauchen eine Option auf der Zehner-Position! Wer weiß schon, ob und wann Jamal Musiala wieder so spielen kann wie der alte Musiala. Und wenn Saibari kommt, dann können auf dem linken Flügel er und auch Serge Gnabry aushelfen. Wie war der Wortlaut am Tegernsee? Wir haben eine perfekte Transferperiode gemacht. Nicht er.

Max Eberl hat sich seit dem Sommer 2025 auf eine Arbeitsteilung eingelassen, in der er zwar als Sportvorstand nicht alle Träume verwirklichen kann. Aber weil er seither seine Arbeit engmaschig kontrollieren lässt, ist ihm nun vertraglich zugesichert worden, diese bis 2029 fortführen zu dürfen. Positiv ausgedrückt ließe sich sagen: Der FC Bayern im Jahr 2026 ist eine Kommune, in der die Zimmertüren ausgehängt wurden, damit es keine heimlichen Absprachen mehr gibt und alle Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Dazu passt, dass der Vorstandsvorsitzende Dreesen mit am Tisch sitzen soll und auch sitzt, sobald es in den Verhandlungen mit den Spielern um konkrete Zahlen geht. Zuvor war Eberl – vor allem bei den Vertragsverlängerungen mit Musiala und Alphonso Davies – vorgeworfen worden, er lasse sich von der Gegenseite finanziell in Richtung Stratosphäre treiben.

Wie Eberl den FC Bayern nach außen vertritt, kommt intern gut an

Die Bayern haben – auch mangels alternativer Kandidaten – mit einem Sportvorstand verlängert, dessen Macht sie Stück für Stück beschnitten haben. Das gilt auch für Eberls Einfluss am Nachwuchs-Campus, den Sportdirektor Christoph Freund und Jochen Sauer als Direktor Nachwuchsentwicklung übernommen haben. Eberls Vertrauter Markus Weinzierl musste seinen Posten als Campus-Häuptling räumen. Bald werden sich die Bayern auch von Chefscout Nils Schmadtke trennen, mit dem Eberl schon in Mönchengladbach zusammengearbeitet hat.

Was intern hingegen gut ankommt: wie Eberl den FC Bayern nach außen vertritt. Auf der Bühne kommt er immer besser in Schwung. Wenn er auf die Pressekonferenzen geht, um der Öffentlichkeit die neuesten Erwerbungen auf dem Transfermarkt zu präsentieren, dann ist das wie mit der Arbeitsteilung in Russland, als die Zeit der Zaren dämmerte. Zar Nikolaus II. reiste mit Feldbluse und Reiterhose an die Front, um zu repräsentieren. Die Entscheidungen in der Machtzentrale in Petrograd traf Zarin Alexandra, die unter dem Einfluss des legendären Wanderpredigers Grigori Rasputin stand.

Wenngleich Kompanys Einfluss auf Hoeneß, und da hinkt der Vergleich, bis zum Höhepunkt der Kaufempfehlung Ismael Saibaris zwar stetig gewachsen ist. Als Fußballfachmann ist er allerdings zu erfolgreich, und er hält sich auch zu lang im Amt, um als Wandertrainer bezeichnet zu werden.

Read the original on sueddeutsche.de

Comments

Nothing yet. Say the first thing.

    Sign in to join the conversation.