Die Sport-Vereinigung Elversberg mag bereit sein für die Fußball-Bundesliga – aber ist die Bundesliga auch bereit für die SV Elversberg? In der 64. Saison der deutschen Eliteklasse stellt sich der saarländische Aufsteiger als 59. Verein vor. Spiesen-Elversberg ist mit etwa 13 000 Bewohnern die kleinste Gemeinde, in der jemals Bundesliga-Fußball gespielt wurde. Wer hier als Auswärtiger ohne Auto anreist, muss mit der Bahn in die Nachbargemeinden Neunkirchen oder St. Ingbert fahren und dann ein Stadion-Shuttle nehmen. 33 Jahre nach dem Abstieg des 1. FC Saarbrücken – 1993 unter Trainer Peter Neururer – kehrt damit auch das Saarland in die Bundesliga zurück. An diesem Samstag (15.30 Uhr) kommt zum Liga-Auftakt Bayer Leverkusen nach Elversberg, zwei Wochen später wartet dann bereits das Heimspiel gegen Bayern München.
Wer sein Ziel in Elversberg erreicht, findet ein Paradies für Fußball-Traditionalisten vor. In der „Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde“ gibt es derzeit einen Stehplatzanteil von zwei Dritteln. Aktuell bietet das längerfristig im Umbau befindliche Stadion lediglich 10 000 Plätze, nur 3410 davon sind als Sitzplätze ausgewiesen. Der Verein hat 7400 Dauerkarten verkauft, für Gästefans bleibt ein Kontingent von knapp 1500. Bis 2027 soll der Stadionumbau fertig sein, mit einer Kapazität von dann 15 500 Plätzen. Momentan ziehen sich die Spieler in Containern um.
SV Elversberg
:Der Ort ohne Bahnhof spielt jetzt wirklich BundesligaDie SV Elversberg wird in der kommenden Saison der 59. Klub in der Geschichte der Fußball-Bundesliga – und ihr bisher kleinster Standort. Dabei hatten vor der Saison nicht wenige mit dem Abstieg gerechnet.
Dass die SV Elversberg überregional kaum bekannt ist, ist wenig verwunderlich. Ihr schneller Aufstieg der vergangenen Jahre hätte im alpinistischen Bereich Sauerstoffmangel ausgelöst. 2022 gelang der Sprung in die dritte Liga, 2023 ging es in die zweite Liga, im vergangenen Mai dann in die erste. Wichtigster Antreiber dieser Erfolgsgeschichte ist der in Saarbrücken ansässige Pharmakonzern Ursapharm mit der Besitzerfamilie Holzer. Vater Frank ist Aufsichtsratsvorsitzender der SVE, sein Sohn Dominik der Präsident. Das am meisten beworbene Produkt des Unternehmens sind die Augentropfen Hylo.
Ihren langjährigen Aufschwung schaffte die SV Elversberg unter dem Sportchef Ole Book (inzwischen Borussia Dortmund) und dem Trainer Horst Steffen (zwischenzeitlich Werder Bremen). Doch der Aufstieg in die Bundesliga gelang erst, als die beiden den Verein bereits verlassen hatten. Der umjubelte Aufstiegstrainer heißt Vincent Wagner. Der 40 Jahre alte Gymnasiallehrer für Sport und Geschichte kam im Sommer 2025 zum Klub, zuvor war er drei Jahre lang Trainer der TSG Hoffenheim II in der vierten Liga gewesen. Sportchef ist mittlerweile Christian Weber. Der 42-Jährige war bis Ende 2025 bei Fortuna Düsseldorf, wurde bei einer Neuausrichtung dort aber durch Sven Mislintat ersetzt. Mislintat stieg mit Düsseldorf in die dritte Liga ab. Weber mit Elversberg in die erste auf.
Die wichtigsten Zugänge für Aufstiegstrainer Vincent Wagner sind Leihgaben von Ligakonkurrenten
Elversberg geht als Underdog in die Saison, als Chihuahua, um genau zu sein. Der Saisonetat soll bei der Erstliga-Premiere eine gerade mal zweistellige Millionensumme betragen. Laut der Referenz-Internetseite transfermarkt.de hat die SVE einen Kadermarktwert von knapp 60 Millionen Euro. Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund kommen auf jeweils gut 500 Millionen, der FC Bayern auf mehr als eine Milliarde Euro. Der Trainer Wagner sagt: „In der Bundesliga gibt es Spieler, die so viel verdienen wie unsere ganze Mannschaft zusammen.“
Umso spannender wird es, wie sich der nur um ein paar Spieler ergänzte Elversberger Kader ganz oben schlagen wird. Im Zentrum der Neuverpflichtungen stehen drei junge Leihspieler. Aus Leverkusen ausgeliehen ist der zentrale offensive Mittelfeldspieler Francis Onyeka, 19 – er schoss in der vergangenen Saison acht Tore für den Zweitligisten Bochum. Von Eintracht Frankfurt geliehen ist der Mittelstürmer Noel Futkeu, 23 – er erzielte in der vergangenen Saison 19 Tore für den Zweitligisten Greuther Fürth. Und als Leihgabe vom VfB Stuttgart kam der offensive Mittelfeldspieler Noah Darvich, 19 – ihm gelangen in der vergangenen Saison zehn Tore für den Drittligisten VfB II. Weitere relevante neue Spieler sind der Innenverteidiger Luca Sirch, 27 (vom 1. FC Kaiserslautern), der Flügelstürmer Cole Campbell, 20 (von Borussia Dortmund, zuletzt an Hoffenheim verliehen) – und der Flügelstürmer Maurice Krattenmacher, 21 (vom FC Bayern). Er hatte in der Vorsaison 22 Zweitligaeinsätze für Hertha BSC.
Am vergangenen Samstag haben die Elversberger ihr erstes Pflichtspiel als Bundesligist im DFB-Pokal beim Drittliga-Topteam MSV Duisburg recht mühsam mit 3:1 gewonnen. Luca Schnellbacher, 32, seit sechs Jahren im Klub, sowie per Doppelpack der spät eingewechselte Onyeka (88. und 90+1.) erzielten die Tore. Mit den offensiven Mittelfeldmännern Campbell und Darvich standen bloß zwei Neue in der Startelf. „Für Elversberger Verhältnisse können wir stolz sein, dass wir so eine Mannschaft haben mit so tollen Talenten“, sagte zuletzt der Trainer Wagner und ergänzte: „Die brauchen wir aber auch, wenn wir nur den Hauch einer Chance haben wollen, in der Bundesliga zu bestehen.“

Comments
Nothing yet. Say the first thing.
Sign in to join the conversation.