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Sport - SZ.de · Aug 21, 2026

Reit-WM: Springreiter gewinnen erstes Gold seit 16 Jahren

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Süddeutsche Zeitung · Süddeutsche Zeitung

Das Aachener Publikum hielt nervös den Atem an, als Daniel Deußer und sein Otello auf das letzte Hindernis zudonnerten. Doch an einem denkwürdigen Abend erwies sich auch für den dritten deutschen Teamreiter keine Hürde als zu hoch. Erstmals seit 16 Jahren krönte sich die deutsche Equipe wieder zum Weltmeister, und zwar lange bevor Schlussreiter Richard Vogel und sein United Touch überhaupt einen Huf in das große Hauptstadion gesetzt hatten.

Die lange Zeit des Wartens hat ihr Happy End gefunden. Mit überragenden 3,48 Minuspunkten war die deutsche Equipe beim großen Teamfinale in der Soers unter Flutlicht bereits lange vor dem Ende des Wettkampfs nicht mehr vom ersten Rang zu verdrängen. 40 000 Menschen im größten Reitsport-Stadion der Welt erhoben sich aus ihren Sitzen und feierten die Sieger mit tosendem Applaus.

Gold bei der Reit-WM

:Wenn das Pferd jedes Wort versteht

Die Goldmedaille für das deutsche Dressur-Team bei der Reit-WM ist die zehnte für Isabell Werth. Die Hauptrolle gehört aber Katharina Hemmer auf Denoix. Die Bundestrainerin schlägt vor: Man sollte sie „Hammer“ nennen.

Einen WM-Titel hatte es zuletzt bei den Weltreiterspielen 2010 im US-amerikanischen Lexington zu bejubeln gegeben. Am Ende der Gold-Flaute herrschte diesmal früh kein Zweifel. Denn während die Konkurrenz reihenweise patzte, glänzten Marcus Ehning, Sophie Hinners und Deußer im Parcours, und Europameister Vogel konnte schon vor seinem Start feiern.

Der „Druck des Gejagten“, vor dem Bundestrainer Otto Becker zuvor noch gewarnt hatte, sollte in einer spektakulären Nacht keine Rolle spielen. So hatten sich Blitz und Donner über dem Abendhimmel gerade rechtzeitig verzogen, ehe die deutschen Reiter das Publikum entzückten.

Wie Ehning, 2006 an selber Stelle noch der tragische Held. Auf Goldkurs liegend war der Routinier im Teamfinale in die Mauer geschlittert, es blieb nur Bronze. 20 Jahre später reckte Ehning, auch 2010 schon dabei, nun dem tobenden Publikum die Faust entgegen.

Für den nächsten Paukenschlag sorgte Hinners. Bei ihrem dritten Auftritt auf der großen WM-Bühne lieferte sie den nächstes Glanzritt, lediglich einen Zeitfehler stand am Ende auf der Anzeigetafel. „Das war eine abnormale Stimmung da draußen“, sagte die Reiterin im WDR. Eine leise Vorahnung hatten die Zuschauer da selbstverständlich schon.

So lag es an Deußer, die Geschichte vorzeitig zu Ende zu schreiben. Am Ende reckte der 45-Jährige wie entfesselt beide Arme gen Himmel und ließ sich feiern – wenige Meter entfernt lagen sich seine Teamkollegen in den Armen, auch der Bundestrainer jubelte erleichtert mit.

Schließlich hatte der Bundestrainer im Vorfeld noch mit der Nichtnominierung von Olympiasieger Christian Kukuk und seinem Toppferd Checker für Aufsehen gesorgt, dem Duo blieb nur die Zuschauerrolle. Doch mit seinen Überlegungen lag Becker nun erwiesenermaßen ganz und gar goldrichtig.

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