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Reise - SZ.de · Aug 19, 2026

Reisebücher: Urlaub wie im Kino

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Stefan Fischer · Süddeutsche Zeitung

Der britische Fantasyautor und Altphilologe J. R. R. Tolkien war sein Lebtag nie in Neuseeland. Wenn ihn konkrete Orte inspiriert haben für seine Romane, voran „Der kleine Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“, dann solche in Europa. Die Grafschaft Worcestershire südlich von Birmingham, der Stadt, in der er aufwuchs, wurde zum Vorbild für das Auenland, in dem die Hobbits wohnen. Das Bruchtal, Zufluchtsort der Elben, weist starke Ähnlichkeiten auf mit dem Lauterbrunnental im Berner Oberland, das Tolkien als junger Mann besucht hat.

Erst durch die Verfilmungen von Tolkiens Weltbestsellern wurde Neuseeland zum realweltlichen Anker des Fantasy-Kontinents Mittelerde. Denn dort sind diese Filme gedreht. Allein 150 „Herr der Ringe“-Locations gibt es auf den beiden Inseln, durch die Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ und die Streamingserie „Die Ringe der Macht“ sind weitere Tolkien-Drehorte hinzugekommen.

„Überraschend viele dieser Orte“, schreibt Jenny Menzel in ihrem „Inoffiziellen Herr-der-Ringe-Reiseführer“, sind zugänglich beziehungsweise überhaupt als Drehorte erkennbar. Andere liegen indessen auf Privatgelände oder sind so weit abgelegen, dass sie faktisch so gut wie nicht zu erreichen sind.

Wenn eine Landschaft oder ein Stadtviertel zum Drehort werden, lädt sie das in den Augen vieler mit Bedeutung auf

Menzel hat etliche dieser Drehorte für ihren speziellen Reiseführer akribisch zusammengetragen. Denn das touristische Interesse an ihnen ist riesig. So hat das Filmset Hobbingen laut Menzel auch nach mehr als 20 Jahren immer noch mehr als eine halbe Million Besucher pro Jahr. Der tolkiensche Film- und Serienkosmos ist in Neuseeland ein touristischer und damit wirtschaftlicher Faktor, und es ist nicht abzusehen, dass das Interesse der Besucher so bald abflaut.

Auch auf Island wurde für „Game of Thrones“ gedreht.

Auch auf Island wurde für „Game of Thrones“ gedreht.

imago stock&people/imago/ZUMA Press

Das Phänomen, dass Menschen durch Filme auf Landschaften und Städte aufmerksam werden und sie deshalb besuchen, ist nicht neu. Seit Jahrzehnten reisen Amerikaner nach Salzburg wegen „The Sound of Music“ und Inder in das Berner Oberland wegen mancher Bollywood-Filme, die dort gedreht wurden und in denen die Schweizer Alpen vorgeben, der Himalaja zu sein.

Neuer ist das Interesse an den konkreten Drehorten. Also nicht nur nach Paris zu reisen, sondern dort auch die Place de l’Estrapade aufzusuchen, wo in einem der Häuser Emily gelebt hat. Oder der Wunsch, nicht nur durch die Landschaften Neuseelands zu fahren, sondern konkret an den Ort zu reisen, der in „Herr der Ringe“ als Helms Klamm fungiert. Oder den Victoria Park, einen Stadtpark in Wellington, zu besuchen, in dem die Hobbits sich vor den Schwarzen Reitern versteckt hatten. Der Weg zu der großen Wurzel, unter der sie sich versteckt hatten, ist ausgeschildert. Die Zahl der Selfies, die seither dort entstanden sind, dürfte kaum zu zählen sein.

Für diesen touristischen Markt hat der Münchner Bruckmann-Verlag eine Reiseführer-Reihe entwickelt. Im vergangenen Jahr sind bereits Titel erschienen zu Harry Potter, Jane Austen, Agatha Christie und James Bond. In diesem Jahr folgen „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“. Die Reiseführer enthalten nicht nur Informationen zu Drehorten, sondern auch zu touristischen Angeboten, die sich im Lauf der Zeit dazu entwickelt haben: geführte Touren etwa und organisierte Rundreisen.

Dunluce Castle, eine der größten Ruinen einer mittelalterlichen Burg in Irland diente als Inspiration für die fiktive Festung Castle Pyke in „Game of Thrones“.

Dunluce Castle, eine der größten Ruinen einer mittelalterlichen Burg in Irland diente als Inspiration für die fiktive Festung Castle Pyke in „Game of Thrones“.

DawidKalisinski via www.imago-images.de/Panthermedia

In Nordirland kann man eine Tour zu zehn Türen unternehmen, in die Künstler Motive aus der „Game of Thrones“-Saga geschnitzt haben. Das Holz der Türen stammt von Bäumen aus den Dark Hedges, die bei einem Sturm beschädigt worden sind. In der Verfilmung dient diese alte Buchenallee als der Königsweg. Diese Türen befinden sich im Inneren von Pubs, Restaurants und Hotels. Als Tourist kann man sich einen „Journey of Doors Passport“ abstempeln lassen. Nur hindurchgehen, um so nach Westeros zu gelangen, kann man nicht.

Cornelia Lohs: Der inoffizielle Game-of-Thrones-Reiseführer. Entdecke die Schauplätze der Bücher und Serien. Bruckmann Verlag, München 2026. 208 Seiten, 19,99 Euro.

Jenny Menzel: Der inoffizielle Herr-der-Ringe-Reiseführer. Entdecke die Schauplätze von Mittelerde in Neuseeland. Bruckmann Verlag, München 2026. 208 Seiten, 19,99 Euro.

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