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Panorama - SZ.de · Aug 20, 2026

Kolumne „Mitten in ...“: Fast verdurstet im Getränkemarkt

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Iris Hilberth, Michael Berzl, Viktoria Spinrad · Süddeutsche Zeitung

Schwitzen in ... Unterhaching

Der Getränkemarkt zählt in hitzigen Zeiten zu den Sehnsuchtsorten. In einer solchen Oase in Unterhaching bilden sich an einem Dienstagmittag Schlangen wie sonst nur samstags. Aber kein Mitarbeiter ist zu sehen. Dann geht auch noch das Licht aus. Es ist gespenstisch zwischen den Bierkästen und Colaflaschen. Ein mutiger Kunde entschließt sich, hinten im Lager nach einem Verkäufer zu suchen, und trifft auf zwei Aushilfen, die wissen: Chef ist im Keller. Dann könnte er doch wieder hochkommen und kassieren. Geht nicht, denn Chef steckt im Aufzug fest. Bei 40 Grad. Plötzlich verschwindet auch die Aushilfe. Gefährliches Pflaster, so ein Getränkemarkt. Es sei denn, der Kunde findet den Sicherungskasten. Chef, schweißgebadet, kann befreit werden. Er hat im Aufzug schon sein T-Shirt ausgezogen. Getränke hat er keine dabei. Iris Hilberth

Illustration: Marc Herold

Schwitzen in ... Kallmünz

Es gibt auch schöne Flecken in der Oberpfalz. Der Markt Kallmünz zum Beispiel, ein Stückchen nördlich von Regensburg. Die kleine Vils fließt dort in die etwas breitere Naab, Kanuten paddeln auf dem gemütlich fließenden Gewässer, auf einem Felsen steht eine Burgruine. Im Ort bremst Kopfsteinpflaster die Radler auf ein angemessenes Tempo. In einem Café gibt es Eis und davor Schatten, eine perfekte Kombination in diesem Hitzesommer. Das weiß auch die Feuerwehr. Ein Mannschaftswagen fährt vor, drei junge Männer in blauer Uniform steigen aus. Als der erste an der Theke sein „Himbeer in der Waffel“ bestellt, verlässt die Wirtin hurtig ihren schattigen Platz draußen direkt an einer Steinmauer, eilt ins Café und bestimmt: „Das geht aufs Haus.“ So funktioniert das in der Oberpfalz, ohne Ehrenamtskarte, ohne Gedöns, aus dem Bauch raus. Michael Berzl

Illustration: Marc Herold

Schwitzen in … Aschaffenburg

Der ICE 621 nach München ist gerammelt voll – bis auf einen Waggon. Der ist leer und sieht aus wie ein Tatort. Die Sitze sind mit Flatterband abgesperrt, der Grund: Klimaanlage kaputt. Ist uns egal. Durchgetaucht, niedergelassen. Friedlich gleiten wir in der rot-weißen Sperrzone gen Bayern. Bis es bei Aschaffenburg laut wird. Ein Bahn-Mitarbeiter hat uns entdeckt. Wir seien ein Haftungsproblem. Aber wir wollen unseren Platz nicht kampflos räumen, schließlich ist hier die Luft auch ohne Kühlung viel besser als nebenan in der Massenpassagierhaltung. „Von mir aus könnense auch kollabieren! Regeln sind Regeln!“, sagt der Kontrolleur. Murrend räumen wir den Waggon. Er grinst. Geht doch. Was er nicht sieht: Von hinten ist schon die nächste unter dem Band durchgeschlüpft und thront beseelt wie eine Madonna im Gefahrenbereich. Viktoria Spinrad

Weitere Folgen der Kolumne „Mitten in …“ finden Sie hier.

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