Im Münchner Westen kommt der Verkehr in diesen Tagen erneut an seine Grenzen. Seit Donnerstagmorgen wird die Fahrbahn der Landshuter Allee in südlicher Richtung von der Moosacher Straße bis zur Dachauer Straße saniert und ist bis Sonntagabend gegen 22 Uhr für den Verkehr komplett gesperrt. Dieses Szenario haben die Menschen in Neuhausen und den umliegenden Stadtvierteln bereits einmal durchgespielt: Am vergangenen Wochenende war die Fahrbahn in nördlicher Richtung auf demselben Abschnitt gesperrt – und insbesondere im Berufsverkehr waren die Auswirkungen für die Anwohnerinnen und Anwohner deutlich zu spüren.
Wie aber entwickelt sich der Verkehr, wenn auf einer der meistbefahrenen Straßen Münchens – auf der Landshuter Allee sind am Tag weit mehr als 70 000 Fahrzeuge unterwegs – eine Fahrspur für mehrere Tage komplett entfällt? Welche Widrigkeiten müssen einerseits Autofahrer in Kauf nehmen, andererseits aber auch die Menschen in Neuhausen und den angrenzenden Stadtvierteln? Der SZ liegen Daten des Verkehrsdatenbieters und Navigationssystem-Herstellers TomTom vor. Diese zeigen, dass Bauarbeiten auf dem Mittleren Ring nicht ohne Folgen bleiben – und vor allem der Faktor Zeit stark beeinflusst wird.
TomTom hat für die Auswertung der Verkehrssituation zwei Zeiträume miteinander verglichen: den Abschnitt ohne Fahrbahn-Sperrung von Donnerstag, 13. August, bis Sonntag, 16. August – sowie jenen mit der Sperrung der nördlichen Fahrbahn von Donnerstag, 20. August, bis Sonntag, 23. August. Und der Spezialist für Karten- und Geolokalisierungstechnologie hat sich dabei auf zwei Fragen konzentriert: Wie entwickelt sich die Geschwindigkeit auf zentralen Ausweichrouten – und wie viel Zeit müssen Autofahrer in den Stadtvierteln zusätzlich einplanen. Letzteres ist dabei unweigerlich mit der Frage verbunden, welche Stadtviertel von der zusätzlichen Belastung besonders betroffen sind.
Dieser Screenshot zeigt, welche Stadtviertel während der Bauphase auf der Landshuter Allee am vergangenen Wochenende besonders von zusätzlichem Verkehr betroffen waren – je dunkler, desto stärker betroffen.
Quelle: TomTom. Screenshot: SZDiese Frage beantwortet TomTom anhand seiner Daten eindeutig: in erster Linie natürlich Neuhausen-Nymphenburg selbst, das von der Landshuter Allee durchzogen wird. Aber auch in Schwabing-West, Moosach und Milbertshofen-Am Hart waren die Auswirkungen durch die Fahrbahn-Sperrung deutlich zu spüren.
Gemessen wird dies anhand des sogenannten Congestion Levels. Dieses gibt laut TomTom-Definition an, um wie viel Prozent sich die durchschnittliche Fahrzeit wegen eines zusätzlichen Verkehrsaufkommens gegenüber einer Phase, in der der Verkehr vollständig frei fließen kann, verlängert. Solche Free-Flow-Phasen etwa gibt es gegen 2 Uhr nachts, dann liegt das Congestion Level also bei null Prozent.
Aber selbst während der Phase ohne Fahrbahn-Sperrung auf der Landshuter Allee lag dieser Wert in der Gesamtbetrachtung der vier Tage in Neuhausen-Nymphenburg bei 31,5 Prozent. In Schwabing-West sogar bei 34,3 Prozent; in Moosach bei 26,5 und Milbertshofen-Am Hart bei 19,9. Während der vier Baustellen-Tage aber stieg das Congestion Level in Neuhausen-Nymphenburg auf mehr als 42 Prozent. In Schwabing-West, Moosach und Milbertshofen erhöhte sich der Wert ebenfalls signifikant.
Deutlich mehr Zeit mussten Autofahrer in den vier Stadtvierteln am Donnerstag und Freitag während der Rushhour zwischen 16 und 18 Uhr einplanen. In Neuhausen-Nymphenburg explodierte das Level von 46,2 Prozent während der Zeit ohne Baustelle auf 71,1 Prozent an den Tagen mit der Sperrung der Fahrbahn.
Auffällig aber waren auch die Werte, die TomTom hinsichtlich der Durchschnittsgeschwindigkeiten auf Ausweichrouten in den Stadtvierteln gemessen hat – wiederum besonders auffällig in der Nachmittags-Rushhour. Auf dem Georg-Brauchle-Ring etwa reduzierte sich die Durchschnittsgeschwindigkeit während der Bauphase auf der Landshuter-Allee um etwa 20 Prozent auf nur noch 28,3 Kilometer pro Stunde. Auf der Dachauer Straße, die den Großteil des Ausweichverkehrs aufnehmen musste, von 23,8 Kilometer pro Stunde auf nur noch 20,9 und auf der Hanauer Straße um nahezu 16 Prozent auf nur noch 16,8 Kilometer pro Stunde.

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