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München - SZ.de · Aug 27, 2026

Saisonstart der Fußball-Bundesliga: Soll der Münchner Stadtrat weiter Freikarten für den FC Bayern bekommen?

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Joachim Mölter · Süddeutsche Zeitung

Am Freitagabend startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison, seit 2002 ist es in den TV-Verträgen der Liga festgeschrieben, dass beim Eröffnungsspiel der aktuelle Meister mit von der Partie ist. Für gewöhnlich ist das der FC Bayern München, so auch in diesem Jahr: Da empfängt der Meister und Pokalsieger der vorigen Spielzeit in seiner Arena in Fröttmaning den VfB Stuttgart, seines Zeichens Vorjahresvierter und Pokalfinalist.

Für dieses Schlagerspiel hatten sich bis zum Donnerstag auch drei Stadträte oder Stadträtinnen Eintrittskarten gesichert, aus einem Kontingent, das der Stadt aufgrund des Erbbaurechtsvertrags mit dem FC Bayern für das Stadiongelände in Fröttmaning zur Verfügung steht: Bis zu 50 Tickets können demnach pro Spiel abgerufen werden. Im Rathaus werden knapp 30 für Mitglieder der Stadtratsfraktionen reserviert, etwa zehn sind der Stadtspitze und den Referaten vorbehalten, der Rest wird unter städtischen Mitarbeitenden verlost.

Mit dieser langjährigen Praxis könnte freilich bald Schluss sein. Wie zuerst die Abendzeitung berichtete, hat der neue Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) noch vor den Sommerferien erste Gespräche mit Vertretern mehrerer Fraktionen geführt, wie künftig mit diesem Kartenkontingent umgegangen werden soll. Nach der Sommerpause soll abschließend entschieden werden, teilte das Direktorium der Landeshauptstadt auf SZ-Anfrage mit. Im Raum stehen mehrere Möglichkeiten: deutlich weniger oder auch überhaupt keine Tickets mehr zu beanspruchen und sich stattdessen den Erbbauzins auszahlen zu lassen. Bis zur Entscheidung können Stadträtinnen und Stadträte weiterhin im Rahmen des aktuellen Kontingents Karten abrufen.

Anlass der Debatte ist zum einen, dass Krauses Vorgänger Dieter Reiter (SPD) bei der Kommunalwahl im Frühjahr wohl auch über seine Nähe zum FC Bayern gestolpert ist. Er hatte einen Aufsichtsratsposten angenommen, ohne sich diesen vergüteten Nebenjob vom Stadtrat genehmigen zu lassen, wie es rechtlich geboten gewesen wäre. Reiters Argument damals: Er bekomme den Posten als Privatmann, nicht als Oberbürgermeister der Stadt München.

Zum anderen hat es wegen Fußball-Tickets erst Ende Juni eine Durchsuchung im Referat für Bildung und Sport (RBS) gegeben – dabei ging es freilich um Karten für die Fußball-EM 2024 und einen damit zusammenhängenden Korruptionsfall an einem EM-Spielort in Nordrhein-Westfalen. Die dortigen Ermittler wollten in der Ausrichterstadt München Dokumente sichten und sich „ein umfassendes Bild über die damaligen Vorgänge und Prozedere verschaffen“, wie es hieß. Einen Verdacht gegen Münchner Mitarbeiter gab es nicht.

Dennoch dürfte dieses Ereignis die neue Stadtspitze weiter sensibilisiert haben, wie leicht Korruptionsverdacht entsteht, wenn sich städtische Mitarbeiter von Fußball-Organisationen einladen lassen – und dann über Mittelvergabe oder Genehmigungen für deren Projekte entscheiden. Der FC Bayern zum Beispiel baut an der Säbener Straße gerade sein Trainingsgelände um und plant am Campus im Norden ein Leistungszentrum für die Basketballer. Und für alles braucht er natürlich Baugenehmigungen der Stadt.

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