Erneut hat ein Polizist im Raum München bei einem Einsatz mit seiner Dienstwaffe geschossen. In Ismaning gab ein Beamter am Donnerstag mehrere Schüsse ab, nachdem ein Autofahrer einen Kollegen angefahren hatte, berichtete die Polizei. Der 58-jährige Mann aus München flüchtete zunächst, wurde aber am frühen Abend festgenommen. Gegen ihn wird nun wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt. Der 58-Jährige blieb unverletzt, der Beamte wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht.
Die Beamten hatten gegen 16 Uhr an einer Tankstelle einen Autofahrer beobachtet, der die Tankstelle mit seinem Audi Q4 rücksichtslos und verkehrsgefährdend verließ und dadurch eine unbeteiligte Frau in Gefahr brachte. Als die Polizisten den Fahrer kontrollieren wollten, gab dieser Gas, die Streife folgte ihm.
Auf der B388 Richtung Erding stoppte die Polizei den Mann. Doch der schloss sich im Wagen ein und weigerte sich auszusteigen. Als einer der Beamten einen Nothammer aus dem Polizeiwagen holen wollte, fuhr der Mann den anderen Beamten an. Daraufhin habe der erste Polizist mehrere Schüsse aus seiner Dienstwaffe abgegeben und das Auto auch getroffen. Der angefahrene Beamte kam ins Krankenhaus. Er ist nach Angaben der Polizei nur leicht verletzt, trotzdem vorerst nicht dienstfähig.
Der Autofahrer flüchtete erneut. Mehr als 80 Polizeibeamte sowie ein Hubschrauber, ein Polizeihund und eine Drohne suchten nach ihm. Zuerst fanden die Beamten das leer stehende Auto mit zwei platten Reifen. Ob diese von den Schüssen getroffen oder anderweitig beschädigt wurden, wird jetzt untersucht.
Der entscheidende Hinweis auf den gesuchten Mann sei dann von Anwohnern gekommen, die ihn in einem fremden Garten im Ismaninger Ortsteil Fischerhäuser entdeckt hatten. Der Mann wurde festgenommen und am Freitag dem Haftrichter vorgeführt. Der sollte auch prüfen, ob sich der 58-Jährige in einem psychischen Ausnahmezustand befunden hatte. Das wurde bejaht, deshalb wurde nicht Untersuchungshaft angeordnet, sondern bis zu einem möglichen Prozess die einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.
Der 58-Jährige war der Polizei bereits bekannt – unter anderem wegen Gewaltdelikten. Außerdem war er in der Vergangenheit schon erkennungsdienstlich behandelt worden, auch eine DNA-Probe lag vor; Hinweise darauf, dass es sich bei seinen Vergehen nicht um Bagatellen handelte. Die Ermittlungen wurden mittlerweile vom Kommissariat 11 übernommen, das ist die Mordkommission. Die Frau, die an der Tankstelle womöglich gefährdet wurde, meldete sich am Freitagvormittag auf einer Münchner Polizeiinspektion und wird nun als Zeugin geführt.
Erst am Dienstag hatte ein Beamter in München mit einem Schuss einen 14-Jährigen schwer verletzt, der auf offener Straße im Stadtteil Schwabing mit einer Softair-Pistole hantiert hatte. Das Führen von solchen sogenannten Anscheinswaffen in der Öffentlichkeit ist verboten, auch wenn der Besitz erlaubt ist.
Mehrere Passanten hatten am Dienstag die Polizei verständigt. Über den darauffolgenden Hergang gibt es verschiedene Darstellungen. Laut Polizei hatten Zivilbeamte den Jugendlichen von hinten angesprochen und aufgefordert, die Waffe fallen zu lassen, weil sie eine Handbewegung bemerkt haben sollen, die ausgesehen habe, als würde er die Waffe durchladen. Der 14-Jährige habe sich nach Angaben der Polizei mit der Softair-Pistole in der Hand zu den Polizisten umgedreht. Daraufhin habe ein Beamter geschossen, den Jungen in den Oberkörper getroffen und ihn schwer verletzt. Aus dem Umfeld des Schülers, der kurdischer Abstammung ist, hieß es, er habe die Waffe auf den Boden geworfen und gerufen, die Polizei solle nicht schießen, es sei eine Spielzeugwaffe.

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