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US-Sport | RP ONLINE · Aug 16, 2026

Ex-NFL-Profi Sebastian Vollmer: Super-Bowl-Rematch? „Interessiert dich als Spieler nicht“

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Stefan Janssen · RP ONLINE

Ex-NFL-Profi Sebastian Vollmer Super-Bowl-Rematch? „Interessiert dich als Spieler nicht“

16.08.2026 · 15:42 Uhr

Sebastian Vollmer spricht auf einer Bühne im Rahmen der Flag-Football-WM.

Foto: AP Photo/Alex Kraus/Alex Kraus

Interview | Düsseldorf · Bei der Flag-Football-WM in Düsseldorf erlebt Sebastian Vollmer, wie der Sport neue Fans gewinnt. Im Interview spricht der frühere Profi über das Turnier, den NFL-Start mit seinem Ex-Team New England Patriots und wie ein Trend der Liga den nächsten begünstigt.

Sebastian Vollmer war „guten Mutes und hoffnungsvoll“ am Donnerstagnachmittag, als er sich Zeit nahm für ein Gespräch mit unserer Redaktion. Bezogen war das auf die deutschen Chancen bei der Flag-Football-WM in Düsseldorf. „Das Schöne am Football, ob es jetzt Tackle oder ob es Flag ist, ist, dass am Ende alles passieren kann. Du brauchst halt einfach einen guten Tag oder in diesem Fall ein gutes Turnier. Und du musst an dich glauben“, sagte der ehemalige NFL-Profi der New England Patriots.

Als hätte er es geahnt, meinte Vollmer auch, dass es immer schwierig werde, wenn die Amerikaner auftauchen – und die deutschen Frauen verloren zwei Tage später auch knapp gegen die USA im Viertelfinale. Die Männer schieden in derselben Runde gegen Italien aus. Beide konnten also noch nicht das Ticket für die Olympischen Spiele 2028 lösen.

An seinem positiven Eindruck vom Turnier generell dürfte das aber nichts geändert haben: Am Donnerstagmorgen seien die Ränge schon gut gefüllt gewesen bei den Spielen. Abends dann war Vollmer selbst auf dem Feld, um einen Münzwurf auszuführen. Als globaler Botschafter des Flag Footballs war er natürlich in seiner Heimatstadt bei der WM dabei – auf der Flag-Football-Anlage in Garath, auf der ein Feld seinen Namen trägt.

Doch nicht nur das Turnier oder Flag Football generell, auch die NFL war Thema des Gesprächs:

So ein Turnier jetzt in Deutschland, wo es um die Qualifikation für die Olympischen Spiele geht, kann das ein Vorteil sein oder vielleicht auch für zu hohe Erwartungen sorgen?

Vollmer Als Sportler, ob es jetzt Hobby, Amateur, Semi-Pro oder NFL ist, musst du mit dem Druck des Spiels umgehen können. Daheim zu spielen, bringt aber auch Vorteile. Keine Anreise, die Fans im Rücken. Wenn du aus Brasilien kommst, dann fliegst du halt erst mal hier hin. Wobei alle Mannschaften alles geben werden, schließlich geht es um Olympia. Und wenn ich jetzt mal an meine NFL-Zeit zurückblicke: Wenn ich von Boston nach Los Angeles fliege und sechs Stunden im Flieger sitze, muss ich auch meine Leistung bringen. Im Sport gibt es keine Ausreden.

Wie muss diese WM verlaufen, um einen nachhaltigen Effekt für den Sport zu haben?

Vollmer Ich glaube, da kann sich der Athlet oder die einzelnen Teams keine Gedanken drum machen. Die wollen gewinnen, die müssen performen. Das, was wir hier gerade machen, hilft dem Sport ungemein: Abbildung in den Medien, Artikel, viele Augen auf das Event und den Sport. Jede Person, die einen Football wirft, und jede Person, die dabei zuschaut, ist ein Gewinn für den Sport. Darum geht es am Ende.

Die NFL will viel Geld investieren, um eine professionelle Flag-Football-Liga zu gründen. Begrüßen Sie eine solche Entwicklung des Sports?

Vollmer Klares Ja. Ich war vor vielen Jahren schon in NFL-Meetings und es wurde darüber diskutiert, was man machen kann, um den Sport global weiter voranzutreiben. Und die Antwort klingt einfach: Du musst junge Generationen an den Sport heranführen. Wie machst du das? Nachwuchsförderung an der Basis. Wir haben in Hamburg vor zehn Jahren ungefähr das erste Programm ins Leben gerufen, das in einer Schule in den Lehrplan aufgenommen wurde. Du hast es erst in den Schulen, dann hast du professionelle Ligen, dann hast du Weltmeisterschaften, dann die Olympischen Spiele. Alles baut aufeinander auf. Dass die Patriots letztes Jahr als erstes NFL-Team ein eigenes Flag Feld eröffnet haben, auf dem jeder spielen kann, macht das sehr schön deutlich.

Kommen wir zur NFL. Würden Sie sagen, dass wir inzwischen an einem Punkt angekommen sind, wo die NFL nicht mehr nur zu Gast ist, sondern richtig angekommen oder etabliert ist hier in Deutschland?

Vollmer Da ist immer Luft nach oben. Ich glaube, dass man keine Randsportart mehr ist, das hat man gesehen an der Aufmerksamkeit und dem Ticket-Interesse, auch an den Einschaltquoten. Und man sieht natürlich auch, dass viele Teams jetzt hier bei der WM vertreten sind und Flag Football unterstützen. Dass sie zu den Schulen gehen, dass man nicht nur den Sport, sondern auch die Marke weiter nach vorne bringt. Angekommen sind wir auf jeden Fall, aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Das Potenzial ist groß.

Geht es inzwischen vielleicht weniger darum, neue Leute zu gewinnen, als die Event-Fans enger zu binden?

Vollmer Wir haben aktuell rund 20 Millionen Football-Interessierte in Deutschland. Die gucken jetzt nicht jeden Sonntag zu. Knapp 3,5 Millionen tun das aber. Die Lücke ist das Potenzial, das die NFL, das wir alle nutzen wollen. Das geht zum Beispiel durch die Qualität der Übertragungen. RTL hat ja jetzt nochmal richtig draufgelegt. Mehr Spiele, mehr Experten und eine echte Konferenz im Stile der Redzone.

Es gibt immer mehr internationale Spiele der NFL und die Entwicklung soll noch nicht am Ende sein. Wird das von den Fans in den USA mitgetragen oder gibt es da eine Grenze?

Vollmer Hier beim Fußball ist es eine Tradition, dass bestimmte Fans jeden Samstag dahin gehen. Egal ob Heim- oder Auswärtsspiel, sie sind da. Ich glaube, in der NFL ist das nicht so extrem, sondern eher ein Event, du kommst vielleicht einmal im Jahr. Es gibt natürlich auch Fans, die sind jedes Mal dabei, aber halt der Großteil nicht. Von daher ist, was ich zumindest erlebt habe, die Freude groß, dass deren Sport und ihr Team auch international angesehen sind. Dass man die Chance hat, mal woanders hinzufahren, ein anderes Stadion zu sehen, ein anderes Land. Das machen auch viele. Also ich habe noch nie negative Aussagen von irgendeinem Fan bekommen zu den internationalen Spielen.

Ihre Rolle als Experte bei RTL scheint sich verändert zu haben: Bisher waren Sie „nur“ Sideline-Reporter, nun sind Sie auch als Experte des Kommentars eingeplant.

Vollmer Ja, das ist neu. Letztes Jahr war ich nur an der Seitenlinie und dieses Jahr wieder als Experte im Studio. Nicht nur, ich werde aber wieder öfter hier sein. Das wird gut.

In vier Wochen startet die neue Saison, ihr ehemaliges Team, die New England Patriots, bestreiten das Saisoneröffnungsspiel gegen die Seattle Seahawks, gegen die sie zuletzt im Super Bowl verloren haben. Kam dieses Spiel für das Patriots-Team noch zu früh?

Vollmer Ein Super Bowl kommt nie zu früh. Ich meine, das beste Team der AFC spielt gegen das beste Team der NFC und am Ende muss halt einer gewinnen. Das war verdient für die Seahawks. Ich glaube, das Schöne für die Patriots-Fans zumindest ist, dass das Team noch besser geworden ist. Du hast Drake Maye, der nochmal mehr Erfahrung gesammelt hat, auch in dem großen Spiel, das muss man auch erstmal gemacht haben. Wir haben jetzt einen Nummer-eins-Receiver dazu geholt. Die Offensive Line ist erfahrener und hoffentlich auch genesen, dass die Qualität da auch stimmt. Du hast in der Defense nochmal nachgelegt. Deshalb ist das Team, im Vergleich zum letzten Jahr, jetzt noch besser. Aber es ist halt Football, das muss nichts heißen. Man hat es bei den Lions gesehen: Die waren auf einmal richtig gut und dann kommen sie nicht mehr wirklich voran. Also ich glaube nicht, dass es zu früh war, weil viele Spiele sehr souverän gewonnen wurden. Sie waren verdient da.

Sie haben auch mal einen Super Bowl verloren. Wie war es danach in der Saisonvorbereitung?

Vollmer Ob du gewinnst oder verlierst, die Vorbereitung verändert sich nicht wirklich, zumindest war das bei uns nicht so. Wenn dann von der Zeit her. Du hängst ja schon sechs Wochen hinter den anderen Teams, die es nicht in die Playoffs geschafft haben. Das heißt, die sind alle anderthalb Monate vorne in der Genesung von Verletzungen. Das musst du alles aufholen. Du fährst dann wahrscheinlich nicht in Urlaub oder nur kurz. Vor allem wenn du operiert werden musst, musst du das halt wirklich so schnell wie möglich machen. Aber du gehst halt sofort wieder rein in den Angriff.

Es kommt zum Auftakt der Saison zum Super-Bowl-Rematch. Ist es eher hilfreich oder störend, sich direkt wiederzusehen?

Vollmer Die Teams sind so unterschiedlich jedes Jahr durch den Draft, die Free Agency, Rücktritte und manchmal neue Coaches. Klar ist es immer schön für die Medien, wenn es da ein Super-Bowl-Rematch gibt. Als Spieler interessiert dich das alles nicht. Du bereitest dich auf deinen Gegner vor und welches Logo die da tragen, ist dir am Ende irgendwie wurscht. Von daher ist es natürlich eine gute Geschichte, die man erzählen kann, es sind zwei gute Teams. Dann kannst du dich am Anfang der Saison natürlich messen: Wo stehen wir jetzt gerade? Weil du weißt, beide Teams sind gut, und wenn der eine 50:0 verliert, ist das wahrscheinlich kein super Zeichen. Aber es ist auch am Anfang der Saison, und du bist im September hoffentlich noch nicht so gut, wie du dann im Oktober, Dezember, Januar sein wirst.

Wie sehr hat sich die NFL spielerisch verändert, seit Sie ihre Karriere beendet haben?

Vollmer Als ich angefangen habe, hatten wir im Camp noch zweimal am Tag Training mit Pads. Das heißt, ich glaube, die alte Generation wirft den Neuen immer vor, dass es ein bisschen weicher ist. Ob das so stimmt, ganz ehrlich, weiß ich nicht. Am Ende ist es halt sicherer für die Spieler. Und ich meine, ich habe meine Blessuren gehabt, oder habe sie immer noch. Also ist es auch gut so. Du willst ja auch alle Spieler so lange wie möglich in der Liga halten. Von daher alles gut. Ich würde mir da jetzt nicht anmaßen, zu sagen, damals war es besser oder heute ist es besser oder irgendwas. Das Spiel verändert sich eben. Alles andere wäre doch auch langweilig.

Was gibt es in der NFL aktuell für Trends? Die Running Backs scheinen zum Beispiel wieder mehr in den Fokus zu rücken, mehrere von ihnen haben gerade neue Rekord-Verträge unterschrieben.

Vollmer Jetzt wird es technisch. Ich glaube, dass es ganz oft darauf basiert, wie die eigene Division aussieht. Hast du einen richtig krassen Run Stopper in der Defense, gehst du wahrscheinlich eher aufs Passspiel in der Offseason. Oder du hast gesehen: „Letztes Jahr konnten die Gegner uns überhaupt nicht stoppen, wenn wir gelaufen sind, also packen wir da noch etwas drauf.“ Und dann versuchen die Gegner, das zu ändern, indem sie einen 150-Kilogramm-Menschen draften, und dann sagst du halt: „Okay, jetzt draften wir aber wieder Receiver oder schnellere Running Backs.“ So geht es immer weiter, weil du ja selbst versuchst, dich in deiner Division und deiner Conference optimal vorzubereiten. Von daher: Ja, drei Running Backs wurden jetzt wieder bezahlt, aber die sind halt auch absolute Spitze.

Gibt es aktuell ein Team, das Ihrer Meinung nach noch unter dem Radar fliegt und eines, das in der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Meinung nach zu stark eingeschätzt wird?

Vollmer Das kann ich jetzt noch gar nicht sagen, da kannst du nur falschliegen am Ende. Ich glaube sogar, dass man das in den ersten drei, vier Wochen noch nicht sehen kann. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen: Wir haben ganz oft mit zwei Niederlagen angefangen. 2014 haben wir zu Beginn eine richtige Klatsche von Kansas City bekommen, 14:49 verloren, und dann gewinnen wir am Ende den Super Bowl. Genau dafür lieben wir doch den Football.

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