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Wissen | RP ONLINE · Aug 21, 2026

Wie gesund ist Ihr Herz?: Warum das Auge ein Frühwarnsystem fürs Herz ist

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Wolfram Goertz · RP ONLINE

Wie gesund ist Ihr Herz? Warum das Auge ein Frühwarnsystem fürs Herz ist

27.08.2026 · 07:34 Uhr

 Schwerste Schäden der Netzhautgefäße entstehen, wenn ein sehr hoher Blutdruck längere Zeit nicht oder nicht richtig behandelt wird.

Schwerste Schäden der Netzhautgefäße entstehen, wenn ein sehr hoher Blutdruck längere Zeit nicht oder nicht richtig behandelt wird.

Foto: BVA

Düsseldorf · Wer frühzeitig wissen will, ob er an der Koronaren Herzkrankheit, an Bluthochdruck oder Diabetes leidet, sollte das beim Hausarzt überprüfen lassen. Der Augenarzt sieht manches allerdings auf einen Blick.

Durch die regelmäßige TV-Visite im Untersuchungszimmer des Fernseharztes Dr. House weiß das Publikum, dass sich die Erkrankung eines Organs nicht selten an anderer Stelle meldet. Der menschliche Körper ist ein Kosmos, in dem alles zusammenhängt. In der Neurologie kann ein lahmender Finger Symptom einer Störung sein, die weit entfernt im Gehirn besteht. Oder: Mancher Patient mit Lungenfibrose wird zum Rheumatologen geschickt, und der fragt ihn nicht grundlos nach Steifigkeit im Sprunggelenk. Oder: Bei Entzündungen der Gallenblase können sich Schmerzen in der rechten Schulter melden.

Doch was hat der Augenarzt mit den Herzkranzgefäßen zu tun?

Professor Rainer Guthoff ist stellvertretender Direktor der Düsseldorfer Universitätsaugenklinik, er kennt die Zusammenhänge. Er sagt: „Wer zum Augenarzt geht, denkt meist an trockene Augen, den Grauen Star oder die Makula-Degeneration. Doch der Blick durch die Pupille auf den Augenhintergrund verrät mehr. Die Netzhaut im Inneren des Auges ist die einzige Stelle im Körper, an welcher der Augenarzt feinste Blutgefäße und Nervenfasern allein mit seinen Untersuchungsgeräten direkt betrachten kann.“ Der springende Punkt dabei: „Die Gefäße der Netzhaut unterliegen denselben Einflüssen wie jene im Herzen, im Gehirn oder in den Nieren.“ Das heißt: Wenn Gefäße irgendwo im Körper Probleme bereiten, kann das der Augenarzt mit nur einem Blick sehen.

 Rainer Guthoff analysiert Netzhaut-Probleme und kann auf Erkrankungen im Körper zurückschließen.

Rainer Guthoff analysiert Netzhaut-Probleme und kann auf Erkrankungen im Körper zurückschließen.

Foto: Timmermann/UKD

Ein typisches Beispiel aus Guthoffs medizinischem Alltag: „An erster Stelle steht der Diabetes mellitus, der zu einer Reihe von Erkrankungen gehört, auf die eine Augenuntersuchung frühzeitig Hinweise geben kann. Die auf die Zuckerkrankheit zurückgehende Netzhauterkrankung zeigt charakteristische winzige Wandaussackungen, sogenannte Mikroaneurysmen, der feinsten Blutgefäße, weißliche Schwellungen der Netzhaut sowie Einblutungen oder Fettablagerungen in die Netzhaut – und das häufig, bevor andere Organe Schaden nehmen.“ In der Praxis kommt das nicht selten vor: „Manchmal wird der Diabetes erst durch diese Veränderungen beim Augenarzt entdeckt.

Ähnliche Veränderungen des Augenhintergrunds, eventuell zusammen mit einem angeschwollenen Sehnervenkopf, können, so Guthoff, „aber auch Zeichen einer gefährlichen Bluthochdruck-Krise sein – und nicht selten wird eine Hypertonie beim Augenarzt erstmals diagnostiziert“, weiß Guthoff. „Eine Schwellung kann zudem einen erhöhten Hirndruck – etwa durch einen Hirntumor oder eine Hirnvenenthrombose – anzeigen.“

Aber der Augenarzt sieht manchmal noch mehr: „Plötzlich auftretende Blutungen am Augenhintergrund können auch erste Zeichen einer gestörten Blutgerinnung sein, etwa bei einer Blutarmut oder einem Lymphdrüsenkrebs. Metastasen (bei Lungenkrebs), Infektionen (Syphilis) oder Entzündungen (zum Beispiel bei Rheuma) können sich ebenfalls im Bereich der Netzhaut, der Netzhautgefäße und des Sehnervenkopfes zeigen.“ Und außerdem: „Kalk- oder Cholesterin-Pfropfen in den Netzhautgefäßen können wiederum Vorboten eines drohenden Schlaganfalls sein. Aber auch ein chronisch erhöhter Blutdruck verengt die Netzhautgefäße in charakteristischer Weise. Solche Veränderungen können ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt einhergehen.“

Solche Szenarien sind des Augenarztes tägliches Brot. Was die Zukunft für ihn bereithält, ahnt Guthoff: „Was wir dank unserer Erfahrung erkennen, wird durch KI möglicherweise automatisiert. In den USA ist bereits ein KI-System zur autonomen Diabetes-Früherkennung am Auge zugelassen. Forschungsteams weltweit trainieren neuronale Netzwerke darauf, anhand Netzhautbildern Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen vorherzusagen.“

Bei aller Faszination des Fortschritts gilt für Guthoff jedoch: „KI ersetzt nicht den ärztlichen Blick. Sicher ist, dass der regelmäßige Weg zum Augenarzt bei Augenerkrankungen hilft – aber womöglich auch bei Herz, Gehirn und Nieren.“

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