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Viersen | RP ONLINE · Aug 20, 2026

Neues Buch über NS-Zeit in Viersen: Autor berichtet über Nazi-Verstrickungen an Mädchenschule

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Sigrid Blomen-Radermacher · RP ONLINE

Neues Buch über NS-Zeit in Viersen Autor berichtet über Nazi-Verstrickungen an Mädchenschule

20.08.2026 · 07:34 Uhr

 Thomas Menzel mit seinen beiden bisherigen Veröffentlichungen.

Thomas Menzel mit seinen beiden bisherigen Veröffentlichungen.

Foto: Sigrid Blomen-Radermacher

Viersen · Thomas Menzel hat die NS-Geschichte der Höheren Töchterschule in Viersen erforscht. 43 Prozent der Lehrerinnen waren NSDAP-Mitglieder. Sein Buch zeigt auch, wie leicht sich viele nach 1945 „reinwuschen".

Ende 2021 erschien das Buch „Ende des Beschweigens“ von dem in Mönchengladbach lebenden Thomas Menzel. Darin beleuchtete er den Schulalltag des Humanistischen Gymnasiums Viersen während des Nationalsozialismus und der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Kaum hatte Menzel dieses Buch beendet, war das nächste schon in Arbeit – denn es gebe noch so vieles, das aus den historischen Tiefen des Ver- und Beschweigens herausgeführt werden muss.

Wenn der ehemalige Lehrer – Menzel studierte Geschichte und Sozialwissenschaften in Köln und unterrichtete an der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Neuss – von seinen Recherchen zu seinem Buch und den Ergebnissen erzählt, wird spürbar, wie sehr ihm die Schicksale von jüdischen Schülerinnen und Schülern am Herzen liegen, die unter den nationalsozialistisch geprägten Lehrern und Lehrerinnen gelitten haben und wie sehr ihm die schnellen und oberflächlichen „Entnazifizierungsgeschichten“ des Lehrpersonals unter die Haut gehen.

Vor drei Wochen ist Menzels neues Buch „Von der Höheren Töchterschule zum Städtischen Mädchengymnasium Viersen – Geschichte – Nationalsozialismus – Wiederbeginn 1945 – Entnazifizierung“ im B. Kühlen Verlag Mönchengladbach erschienen.

„Die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit ist äußerst begrenzt und nicht immer der historischen Wahrheit entsprechend geleistet worden“, schreibt Menzel. Der 75-Jährige in Viersen aufgewachsene Menzel ist Mitglied des Viersener Vereins Förderung der Erinnerungskultur. Der Vorsitzende Manfred Budel animierte ihn, sich mit dem Thema schreibend auseinanderzusetzen.

Für sein zweites Buch arbeitete Menzel sich auf der Suche nach historischen Wahrheiten erneut durch Chroniken und Lebensgeschichten, suchte Kreis-, Landes- und Bundesarchive auf. Die Aktenlage ist im Fall der Höheren Töchterschule schwierig, denn die Schule wurde im Februar 1945 bombardiert und damit waren auch die meisten Schulakten zerstört. Anhand von Kollegiumslisten, erklärt Menzel, begann er mit der Recherche zu den einzelnen Biografien.

43 Prozent der Lehrerinnen der Schule waren Mitglieder der NSDAP, fand er heraus, ein deutlich höherer Prozentsatz, nämlich 86 Prozent, im NSLB, dem Nationalsozialistischen Lehrerbund. Dessen Aufgabe war es, das Schulwesen an die nationalsozialistische Ideologie anzupassen.

Das andere, was Thomas Menzel sehr beschäftigt, ist, wie leicht es für viele Personen war, sich nach dem Ende des Krieges zu „entlasten“. Wie „die Berüchtigtste von allen“, so Menzel über die Lehrerin Margarethe Vüllers, die sich im Rahmen der Entnazifizierung mit zweifelhaften Leumundszeugnissen reinwaschen ließ. Nur eine der damaligen Lehrerinnen habe er gefunden, die zugegeben habe, von der Verfolgung der Juden und dem Pogrom gewusst zu haben, sagt Menzel.

„Das Buch ist höchst aktuell“, bekräftigt der Autor angesichts des Erstarkens rechter politischer Kräfte. Sein Ziel ist ein Ende des Beschweigens. „Die Erinnerung muss durch lokalhistorische Forschung in den Alltag der aktuellen Stadtgesellschaften vermittelt werden“, schreibt Thomas Menzel.

Über die Betrachtung nationalsozialistischer Tendenzen hinaus ist das Buch auch eine Art Chronik der Schule geworden mit einer Fülle an historischen Fotografien, nicht nur aus den Archiven, sondern auch von ehemaligen Schülerinnen und Mitarbeiterinnen.

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