Solingen gedenkt der Terroropfer von 2024 „Wir lassen uns nicht einschüchtern“
24.08.2026 · 01:17 Uhr
Ministerpräsident Wüst gedenkt der Opfer des Terroranschlages in Solingen
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Solingen · Solingen gedenkt der Opfer des Messer-Anschlags vor zwei Jahren. Ministerpräsident Hendrik Wüst und Oberbürgermeister Daniel Flemm rufen zum Zusammenhalt auf.
Zahlreiche Kerzen, drei Glockenschläge um 21.37 Uhr, kurze Ansprachen von Oberbürgermeister und Ministerpräsident, eingerahmt von einfühlsamer Musik und Gesang – Solingen hat unaufdringlich den zweiten Jahrestag des Messer-Anschlags am Fronhof begangen. „Wir lassen uns nicht einschüchtern“, sagte Oberbürgermeister Daniel Flemm (CDU) am Sonntagabend vor etwa 150 Menschen an der evangelischen Stadtkirche am Fronhof.
Auf dem Platz in der Innenstadt hatte am 23. August 2024 ein islamistischer Attentäter drei Besucher des „Festivals der Vielfalt“ getötet und acht weitere teils lebensgefährlich verletzt. Der Täter, ein Flüchtling aus Syrien, wurde tags darauf gefasst und inzwischen zu lebenslanger Haft mit Sicherheitsverwahrung verurteilt.
Eröffnet wurde die etwa halbstündige Gedenkfeier am Gedenkstein neben der Kirche von der evangelischen Superintendentin Ilka Werner und der Vorsitzenden des Solinger Katholikenrats, Ulrike Spengler-Reffgen. Unter den Anwesenden: überlebende Opfer des Anschlags und Familienangehörige, Augenzeugen und Einsatzkräfte sowie zahlreiche weitere Solinger. Neben Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) waren auch seine Stellvertreterin Mona Neubaur, NRW-Justizminister Benjamin Limbach und Integrationsministerin Verena Schäffer (alle Grüne) zugegen.
Wüst erinnerte daran, dass der Terroranschlag gegen feiernde Menschen gerichtet war – auf dem Stadtfest zum 650-Jährigen der Stadt Solingen. Begangen aus „Hass gegen unsere freiheitliche Lebensweise“. Der Ministerpräsident rief dazu auf, zusammenzuhalten, wo andere zu spalten versuchen.
Solingens Oberbürgermeister Flemm sprach von einer „Nacht des Schreckens“, zeigte sich aber zugleich überzeugt: „Der Hass hat niemals das letzte Wort.“ Für die Solinger betonte Flemm: „Wir leben unsere Freiheit und tun das Möglichste, um sie zu schützen.“ Ehe er das Wort an Wüst übergab, gedachten die Versammelten mit einer Schweigeminute der Opfer des Anschlags: um Punkt 21.37 Uhr, dem Zeitpunkt, als vor zwei Jahren der erste Notruf einging. Aus dem Turm der Stadtkirche ertönten drei Glockenschläge.
Kantor Fabian Bischoff hatte die Gedenkfeier mit tröstenden Klängen aus der Keyboard-Orgel eröffnet und sorgte mit „We Shall Overcome“ („Wir werden es überwinden“) für einen würdigen Abschluss der Veranstaltung. Vor der Gedenkfeier hatten Mitarbeiter der Notfall-Seelsorge Kerzen verteilt.
„Da ist etwas gekippt in Deutschland“
Einer, der mit seinem Licht eine Weile still vor dem Beet mit der Gedenkplatte verharrte, war Andreas (56). „Wieso“, fragt er sich, „wieso haben wir jetzt diese ganze Gemengelage aus Krieg und Gewalt?“ Er sei in Solingen-Mitte großgeworden, sei in der Stadtkirche zur Konfirmation gegangen, habe als Dreikäsehoch schon die 600-Jahr-Feier erlebt, erzählt der Solinger. „Und dann geht man auf ein Volksfest, und es passiert so etwas.“ Da sei etwas gekippt in Deutschland, und das mache ihm große Sorgen.
Ein Unbehagen, das viele Menschen äußern. Am Morgen des Jahrestags war auch Superintendentin Ilka Werner darauf eingegangen. In ihrer Predigt im Gedenk-Gottesdienst sagte sie, Schmerz und Mitleid hielten an und auch die „hilflose Frage danach, wie man sich denn schützen könne“. Zugleich warnte sie vor Schuldzuweisungen sowie „Gräben und Rissen in einer Stadtgesellschaft“.
Nach dem Gottesdienst folgte eine Kranzniederlegung mit Gebinden von Stadt und Land, am Abend folgte eine Dialogveranstaltung im Bürgersaal der Stadtkirche. Etwa 100 Solinger tauschten sich darüber aus, was der Anschlag mit der Stadtgesellschaft gemacht hat und wie sich die entstandenen Risse heilen lassen. Moderiert wurden die knapp zwei Stunden von Konfliktforschern der Uni Bielefeld. Anschließend ging es zu der Gedenkfeier vor der Kirche.
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