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Rheinberg | RP ONLINE · Aug 19, 2026

Ferien auf dem Kerschenhof in Alpen: Ein Paradies für Mensch und Tier

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Bernhard-Siegfried Paus · RP ONLINE

Ferien auf dem Kerschenhof in Alpen Ein Paradies für Mensch und Tier

19.08.2026 · 17:11 Uhr

 Küsschen: Die Lamas sind mit Sarah Meyers und ihren beiden Zwillingen Ellaund Luise ein Herz und eine Seele.

Küsschen: Die Lamas sind mit Sarah Meyers und ihren beiden Zwillingen Ellaund Luise ein Herz und eine Seele.

Foto: Paus

Alpen · Auf dem Kerschenhof in Menzelen kann man in ländlicher Abgeschiedenheit mit allen möglichen Tieren hautnah in Kontakt treten. Ein spannender Erlebnisort in der Natur – nicht nur für Kinder. Eine Frage lautet: Wer hat Huhn Hilla das Ei geklaut?

Der Kerschenhof ist ein verborgenes, gar nicht mal so kleines Paradies. Hinter dem stillgelegten Bahngleis liegt es am Giesenacker – irgendwo zwischen Menzelen-Ost und Menzelen-West. Anders als zu vermuten wäre, findet man hier gar keinen Bauernhof. Seit elf Jahren wohnen Sarah und André Meyers in einem betagten Zweifamilienhaus, umgeben von Wiesen und Äckern. Seit vier Jahren gehören die Zwillingstöchter Ella und Luise (4) zur Familie – und dazu noch jede Menge Tiere.

Die haben alle einen Namen. Wie das exotische Quartett, das hierzulande eher selten vorkommt: Abrakadabra, Merlin, Houdini und Rasputin heißen die Lama-Wallache, die hier auf der Weide jeden Besucher freundlich begrüßen, wenn er oder sie zu ihnen ans Gatter kommt. Die Lamas sind Teil des vielfältigen Begegnungsangebotes. Auf Wunsch begleiten die quicklebendigen wolligen Langbeiner mit den augenfälligen Ohren Gäste gern auf einer Wanderung durch die Umgebung.

Sarah Meyers (34) ist in Alpen aufgewachsen und gelernte Heilpädagogin. Nach dem Studium hat sie sich bei ihrer Stippvisite auf dem Elverichshof in Büderich in die dortigen Lamas verguckt. Spätestens da stand für sie fest, „dass ich beruflich unbedingt was mit Tieren machen möchte“. Mit Mann André – er verdient sein Geld als Elektriker – hat sie nach einem geeigneten Ort umgeguckt, um ihren beruflichen Traum zu verwirklichen. Gelandet sind die Meyers abseits von Menzelen. „Dieses Haus hat uns gerufen, und wir sind gekommen“, sagt sie und lacht, sichtlich zufrieden mit der Entscheidung.

Das Haus mit viel Land drumherum bot reichlich Platz. Die jungen Leute holten sich jede Menge tierische Begleiter auf den Hof, der ursprünglich eben gar keiner war. Das Anwesen tauften sie auf den Namen Kerschenhof. Denn im Garten mit Pool steht ein mächtiger alter Kirschbaum – nur überragt vom Walnussbaum wenige Schritte davon entfernt. Mit den Meyers und ihren Gefährten kam Leben aufs weite Land.

Die beiden stattlichen Hunde Vitu und Milow leben mit im Haus ebenso wie Katze Betty. Tommy der Ziegenbock ist der Boss auf der Wiese, wo er verträglich mit Ziege Lilli grast. Anja, ein Bentheimer Landschaf, ist ein verschmustes Ding, wie auch Ronja, das Coburger Fuchsschaf. Die schwarzen Schafe Esmeralda und Schneewittchen sind voll anerkannt in der wolligen Truppe. Die stattliche Multikulti-Schafherde ist weiter Herde gewachsen. Sechs fünf Monate alte Lämmer sind zuletzt dazugestoßen. Die schnatternden Celler Gänse Claudinchen und Norberta lassen sich davon inmitten der bunten Hühnerschar vorm blauen Bauwagen nicht aus der Ruhe bringen.

Die 34-jährige Hofherrin, die eine Ausbildung als „Fachkraft für tiergestützte Intervention“ absolviert hat, nutzt die Farm der Tiere für ihre pädagogische Arbeit mit Kindern, die sich inzwischen wirtschaftlich durchaus rechnet, wie sie sagt. Kinder - aber auch Erwachsene - begegnen hier auf ganz selbstverständliche Art und Weise Tier und Natur, treten mit den Geschöpfen in Kontakt und erleben hautnah, dass der Umgang mit ihnen Spaß macht und man das Gefühl hat, dass es ihnen gut geht. Eine unzweifelhaft wichtige Erfahrung in einer Welt, in der manche denken, dass die Milch für die Schokolade von lila Kühen kommt.

„Wir bieten Kindern einen Lernort, Raum und Zeit, um zu erleben und zu begreifen, dass gegenseitiger Respekt für das Zusammenleben wichtig ist“, sagt die Pädagogin. Eine wichtige, nachhaltige Lektion: „Nur was man kennen und wertschätzen gelernt hat, wird man mit Überzeugung schützen.“ Dafür will der Kerschenhof stehen, der seit vier Jahren das anerkannte Qualitätssiegel als zertifizierter „Begegnungshof“ der Stiftung Mensch und Tier trägt.

Dabei würden Kinder, die oft von weit her kommen und regelmäßig hier sind, lernen, dass auch Tiere „Persönlichkeiten sind, die mal einen schlechten Tag haben können“. Wenn Schafe beispielsweise bockig sind, ist das völlig in Ordnung. „Auch Tiere dürfen Nein sagen“, sagt die Begegnungsfachfrau.

Seit einem Jahr wuseln an zwei bis drei Vormittagen „Feldmäuse“ über das weitläufige Gelände. Zehn Kinder zwischen eineinhalb und vier Jahren gehören zur Vor-Kita-Gruppe, helfen beim Füttern und Stallsaubermachen, spielen mit den Schafen oder sprechen mit den Hühnern und ziehen mit den Lamas über Stock und Stein. Das alles sei pädagogisch sehr wertvoll, sagt Sarah Meyers: „Die Kinder macht der Umgang mit den Tieren erkennbar selbstsicher. Er stärkt ihr Selbstbewusstsein auch im Alltag.“

Das Konzept zieht weite Kreise. „Die wenigsten Kinder kommen tatsächlich aus Menzelen.“ Der Zulauf aber wächst. „Auch wenn wir nicht großartig Werbung machen. Viele kommen immer wieder.“ So auch die Alpener Ferienkinder. Der Kerschenhof ist fester Bestandteil des jährlichen Programms. Ein voller Erfolg war die Premiere des neu entwickelten „Hühner-Escape-Rooms“ unter freiem Himmel. Die Aufgabe für die jungen Detektive: Huhn Hilla hat ihr erstes Ei gelegt. Doch plötzlich ist es weg. Die Spur führt, wie könnte es anders sein, zum Fuchs. Um den Eier-Dieb zu fassen, müssen die Verfolger Schlösser knacken, einen Tresor öffnen oder Rätsel lösen. Ein Mordsspaß im großen Schatten des Kirschbaums.

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