RSS Amplifier

Ratingen | RP ONLINE · Aug 20, 2026

An(ge)dacht: Regen bringt Erleichterung

0
Sign in to vote or save

unbekannt · RP ONLINE

An(ge)dacht Regen bringt Erleichterung

20.08.2026 · 17:00 Uhr

Thomas Gerhold, Pfarrer der evangelische Friedenskirche Ratingen Ost.

Thomas Gerhold, Pfarrer der evangelische Friedenskirche Ratingen Ost.

Foto: Achim Blazy (abz)

Kolumne | Ratingen · Hitze belastet Wohnungen und Heime. Pastor Gerhold fordert kühlere Städte und besseren Wasserschutz. Ob die gemeinsame Antwort gelingt, hängt von allen ab.

So viel Freude über Regen habe ich lange nicht erlebt. Egal, wen ich Anfang der Woche traf, nur glückliche Gesichter wegen der ersehnten Regentropfen. „Das wurde aber auch Zeit!“ oder „So schön klingt Regen“ waren die Reaktionen von kleinen und großen Leuten. Einige Kinder des Familienzentrums neben der Friedenskirche tanzten in den ersten Pfützen und sangen dazu.

Die Natur schrie nach Wasser, der Rhein war nicht mehr befahrbar, im Wald liegen schon viele vertrocknete Blätter auf dem Boden, viele Bäume sehen traurig aus und für manche Pflanzen kam der Regen zu spät, sie haben nicht überlebt. Zum Schluss brach noch Feuer aus, wie furchtbar!

Neben dem Wassermangel belastete unsere Wohnungen und Häuser über Wochen die große Hitze, da die allermeisten Quartiere für die neuen Temperaturen einfach nicht gebaut sind. Das trifft auch für Altenheime und Krankenhäuser zu. Und wir wissen inzwischen, dass die Hitze in Räumen mehrere Tausend Menschen in unserem Land das Leben gekostet hat.

Einsicht, dass der Klimawandel da ist

Und was machen wir jetzt? Das muss doch die Frage sein. Es braucht aus meiner Sicht eine starke und gemeinsame Antwort, die sich nicht in Schuldzuweisungen oder Zuständigkeitsdurcheinander verheddert. Es braucht die Einsicht, dass der Klimawandel da ist, dass wir uns ändern müssen, weil sich etwas geändert hat.

Gläubige Menschen nennen diese Änderung einfach Umkehr. Jesus bringt es auf den Punkt, wenn er sagt „Kehrt um und ihr werdet leben!“ Um weniger geht es jetzt nicht, es geht um Umkehr für das Leben. Und es braucht uns alle, die Gläubigen und Ungläubigen, die Leisen und die Lauten, die Konservativen wie die Linken.

Wasser besser schützen

Und was meine ich konkret? Ich wünsche mir überall Diskussionen, auf allen Ebenen, in Kirchen und Vereinen, Kollegien und Betrieben, in der Politik und der Wirtschaft darüber, was jetzt zu tun ist. Wir brauchen Ideen, wie wir Wasser sparen und Wasser besser schützen können, wie unsere Straßen und Städte kühler und grüner werden, wie Wohnungen und Heime abkühlen können, damit Menschen überleben, und unsere Natur eine Chance auf Zukunft bekommt.

Dazu wird es ein Klima-Programm geben müssen, das von unten bis oben aufeinander abgestimmt ist; das immer weiterentwickelt wird, Klimaschutz und Klimaanlagen. Und entscheidend wird sein, dass jeder auch selbst etwas tut, Umkehr lebt, in seinem Umfeld, vor seiner Tür. Das braucht Fantasie. Ich kenne Menschen, die Bäume in ihrer Nachbarschaft mit Wasser versorgen, damit sie nicht sterben. Andere suchen in der Stadt Flächen, wo man Bäume pflanzen könnte, die das Mikroklima positiv verändern. Kleine konkrete Schritte und große neue Konzepte – beides ist nötig, dann gelingt Veränderung, Umkehr.

Und das Schönste – Umkehr ist nie einfach, weil sie auch mit Abschied und dem Verlassen einer Gewohnheitszone verbunden ist, aber sie macht Freude, verknüpft Menschen neu und bringt Energie, weil sie sich dem Leben zuwendet. Versuchen wir es! Es ist unsere Chance!

Meistgelesen

Mehr zum Thema

Aktuell wichtig

Read the original on rp-online.de

Comments

Nothing yet. Say the first thing.

    Sign in to join the conversation.