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Kultur | RP ONLINE · Aug 21, 2026

Lektüre-Empfehlungen: Was Düsseldorfer Prominente in den Sommerferien lesen

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Philipp Holstein · RP ONLINE

Lektüre-Empfehlungen Was Düsseldorfer Prominente in den Sommerferien lesen

21.08.2026 · 13:43 Uhr

 Diese Promis geben Lesetipps: Susanne Gaensheimer, Horst Eckert, Michael Becker, Petra Albrecht, Stefan Jürging, Alicia Holthausen, Barbara Könches, Felix Krämer, Kristin Schwierz, Mischa Kuball, Marwin Wendt, Miriam Koch (von oben links nach unten rechts).

Diese Promis geben Lesetipps: Susanne Gaensheimer, Horst Eckert, Michael Becker, Petra Albrecht, Stefan Jürging, Alicia Holthausen, Barbara Könches, Felix Krämer, Kristin Schwierz, Mischa Kuball, Marwin Wendt, Miriam Koch (von oben links nach unten rechts).

Foto: Andreas Endermann/Kunstsammlung, Kathie Wewer, Susanne Diesner/Tonhalle, Annika Fußwinkel/WDR, Lars Heidrich, Katja Illner, Catrin Hüske, Anne Orthen, Andreas Bretz, Nicolas Wefers, Susanne Diesner/DOR, Uwe-Jens Ruhnau

Düsseldorf · Wer nimmt welches Buch mit an den Strand oder auf den Balkon? Wir haben uns in Düsseldorfs Kulturszene umgehört und um Lektüre-Empfehlungen gebeten.

Zum Sommerurlaub gehört die passende Lektüre. Endlich findet man die Zeit, vielleicht auch mal 100 Seiten ohne Störung am Stück zu lesen. Es gibt viele Menschen, die machen sich weit im Vorhinein Gedanken darüber, welches Buch sie an den Strand oder auf den Balkon mitnehmen. Die Entscheidung für einen Text gewährt bestenfalls Einblicke in die Vorlieben der Person. Und vielleicht macht sie auch anderen Lust, gerade diesen Roman zu lesen. Wir haben Persönlichkeiten aus der Kulturszene Düsseldorf gefragt, mit was sie sich im Sommer beschäftigt haben.

Susanne Gaensheimer (Direktorin Kunstsammlung NRW) „Diesen Sommer habe ich in einem kleinen Ort an der Ostsee verbracht und das Buch „Über Menschen“ von Juli Zeh gelesen. Es hat mich sehr berührt, da es einen sehr unmittelbaren Einblick in die Lebenswirklichkeit der Menschen in den kleinen Orten der deutschen Provinz, insbesondere in den neuen Bundesländern, gibt. Juli Zeh zeigt, wie wichtig es ist, sich auf andere Perspektiven einzulassen und miteinander über das Leben und die Politik ins Gespräch zu kommen.“

Juli Zeh: „Über Menschen“, Verlag btb, 416 Seiten, 13 Euro

Marwin Wendt (kommissarischer künstlerischer Leiter Deutsche Oper am Rhein) „In Percival Everetts brillant neu erzählter Huckleberry Finn Story, stellt der Sklave Jim sich absichtlich dumm. Viel zu gefährlich wäre es für ihn und die Menschen um ihn, wenn die Weißen wüssten, wie intelligent und gebildet er ist. Seine Abenteuer sind humorvoll und großartig erzählt, zeigen aber ebenso sehr deutlich die Schrecken dieser Zeit und eröffnet daneben ganz neue Perspektiven. “

„Wie Menschen mit dem unerträglichen Leid des Alltags in den KZs umgehen, wird hier vom ausgezeichneten Psychologen Viktor E. Frankl analysiert und seziert. Dies aber immer mit einem starken menschlichen Empfinden und aus einem zutiefst positiven Denken heraus. Seine Beschreibungen aus der persönlichen Erfahrung, sind verstörend und zugleich inspirierend.“

Percival Everett: „James“, Hanser, 336 Seiten, 26 Euro. Viktor E. Frankl: „… trotzdem Ja zum Leben sagen“, Kösel, 192 Seiten, 22 Euro

Mischa Kuball (Künstler) „Gestartet bin ich in diesen Sommer mit der historischen Nacherzählung der komplexen Flucht, des traumatischen Exils vor der NS-(Kultur-)diktatur der Lübecker Familie Mann, nach Sanary-sur-Mer, paradiesisches Glück, scheinbar, aber Florian Illies gelingt es, die Ambivalenzen auszuleuchten; Christopher Nolan‘s bildmächtige filmische Umsetzung hingegen erzwang ein erneutes Lesen der ‚Odyssee‘ von Homer – sich einlassen auf die sprachfarbigen 24 Strophen, sorry, verehrter Kinomatograph, aber gegen Homer chancenlos, man treibt willenlos auf dem Floss, verliert die Nymphe Kalypso aus dem Blick, verfällt dem Gesang der Sirenen, sieht die braun-gelben Wiesen, Sommer?, sicher…? Gerade erreiche ich noch das ‚Ufer‘ zu einem Text, der erst im Herbst öffentlich lesbar sein wird: Der Bildwissenschaftler Horst Bredekamp widmet sich in einem Aufsatz der Rolle der Entdeckungen der Sonnenflecken von Galileo Galilei; das brachte Galileo nicht nur wissenschaftliche Ehre, sondern auch deutlichen Dissens mit dem Papst Urban VIII. (1623-1644) ein, der - wie die meisten in dieser Zeit - von einer reinen, unbefleckten Sonne ausging - Flecken, ’Schmutz’? waren nicht vorgesehen … wir wissen es heute besser!“

Florian Illies: „Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary“, S. Fischer, 336 Seiten, 26 Euro. Homer: „Odyssee. Griechisch/Deutsch: Das mythische Heldenepos über die Irrfahrten des Odysseus“, Reclam, 814 Seiten, 19,80 Euro. Horst Bredekamp: „Galileo und das Zusammenspiel von Licht und Schmutz“, in: „Newton/Goethe/Galileo“, Mischa Kuball, Hrsg. Gregor Lersch, Casa di Goethe, Rom, Magonza Editore, Arezzo, Italia 2026 (ital./dtsch.). Seitenzahl und Preis nicht angegeben.

Felix Krämer (Generaldirektor und künstlerischer Leiter Kunstpalast) „Meine Frau hatte das Buch verschlungen und es mir anschließend empfohlen. Eine wunderbar erzählte Liebesgeschichte mit großartigen Beobachtungen und Figuren, die einem schnell ans Herz wachsen. Anrührend, aber nie seicht. Die Geschichte entwickelt einen Sog und klingt noch lange nach. Ideal zum Eintauchen und Abschalten.“

Takis Würger: „Für Polina“, Diogenes, 304 Seiten, 26 Euro

Stefan Jürging (Geschäftsführer des Savoy Theaters) „Unter anderem habe ich im Sommer „Was nicht gesagt werden kann“ von David Szalay gelesen, ein Roman über István, der mit seiner Mutter in einem Plattenbauviertel am Rande einer ungarischen Stadt lebt. Er lebt isoliert, bekommt zur Nachbarin, einer deutlich älteren Frau, Kontakt und es entwickelt sich eine heimliche Affäre mit fatalem Ausgang. Das Leben spült ihn nach erheblichem Kontrollverlust nach London, wo er über Gelegenheitsjobs sozialen Aufstieg erlebt und dann alles wieder verliert. Sein Leben lehrt ihn: there is no escape. Ein guter Roman zur Standortbestimmung im Europa des 21. Jahrhunderts.“

David Szalay: „Was nicht gesagt werden kann“, Claassen, 384 Seiten, 25 Euro

Petra Albrecht (Moderatorin) „Reiselektüre gibt es bei mir eigentlich nicht, weil ich das ganze Jahr über in jeder freien Minute lese. Drei Bücher haben mich in den letzten Wochen besonders beeindruckt. „Half his Age“ von Jennette McCurdy, die Geschichte einer sehr jungen Frau, die eine verhängnisvolle Affäre mit ihrem Lehrer eingeht. „ Königin der Nacht“ von Lukas Bärfuss, ein Memoir über seine Mutter und sein Aufwachsen am Rande der Gesellschaft. „Seltsame Sally Diamond“ von Liz Nugent. Seltsam ist wirklich eine Untertreibung, aber die Protagonistin wächst einem total ans Herz. Bei aller Tragik ein sehr lustiges Buch.“

Jennette McCurdy: „Half His Age“, Ballantine Books, 288 Seiten, 30 US-Dollar. Lukas Bärfuss: „Königin der Nacht“, Rowohlt, 128 Seiten, 22 Euro. Liz Nugent: „Seltsame Sally Diamond“, Steidl, 336 Seiten, 26 Euro.

Kristin Schwierz (Geschäftsführerin Zakk), „Den neuen Roman der österreichischen Schriftstellerin Birgit Birnbacher mit in den Urlaub zu nehmen, war erstmal eine spontan-intuitive Wahl - der Titel hat mir sofort gezündet, weil er einen alten Tocotronic-Song zitiert. Ich mag aber auch Birnbachers eigenwillige, sachliche, dabei empathische und teilweise auch komische Art zu erzählen. In „Sie wollen uns erzählen“ geht es um eine besondere Mutter-Sohn-Beziehung, was anfangs leicht sperrig wirkt, sich aber dann zu einem spannungsreichen Plot entwickelt. Birnbacher thematisiert in dem Roman erzählerisch den gesellschaftlichen Umgang mit Neurodivergenz (hier: ADHS) und Abweichungen von der sogenannten Norm: Wie wird definiert, was neurotypisch „normal“ und was „nicht normal“ oder „nicht integrierbar“ ist? Wo verläuft die Grenze zwischen Eigensinn und „Irrsinn“ und erweist sich vielleicht sogar das nicht in die Norm passende Denken als besondere Gabe der Widerstandsfähigkeit? Lieblingszitat: „Sie hat Glück, dass er verarschungsresilient ist, ihm bei solchen Sachen, was man liest oder wie man sich anzieht, welche Frisur man trägt, meistens egal war, was andere sagen.““

Birgit Birnbacher: „Sie wollen uns erzählen“, Zsolnay, 224 Seiten, 24 Euro

Barbara Könches (Zero Foundation) „Der Titel fehlte in diesem Sommer bei keiner Buchbesprechung und in keinem Bookstagram: „Yesteryear“ von Caro Claire Burke. Ein Erstlingswerk mit einem fulminaten Auftritt über das vermeintlich idyllische Leben einer Influencerin, die als Tradewife ihr Glück mit Mann und fünf Kindern auf einer abgelegenen Farm in Idaho sucht. Hat man sich durch die ersten zuckersüßen Seiten hindurchgelesen, blitzen bald schon die bösen Sarkasmen und ironischen Selbstreflexionen dieser Natalie Heller Mills durch, die sich permanent von den emanzipierten Karrierefrauen, den „wütenden Weibern“, absetzen will, doch in Wirklichkeit nichts anderes darstellt als eine berufstätige Managerin, die nicht nur ihren Instagram-Account erfolgreich betreibt, sondern auch die Farm am Leben erhält, während ihr lebensuntüchtiger Mann Caleb sich als vollständiger „Trottel“ entlarvt. Bald kippt die Geschichte und Natalie findet sich als Siedlerin Mitte des 19. Jahrhunderts wieder. Das Leben ohne Videokamera und Waschmaschine ist alles andere als lustig. Der Roman hat einen wahnsinnigen Sog, ist durch die geschickte Verschränkung von Gegenwart, Vergangenheit und Rückblenden klug konstruiert und weist doch Schwächen auf. Zumindest am Ende hatte die Autorin und Podcasterin Caro Claire Burke Schwierigkeiten, all die Fäden wieder zusammenzuführen, die sie kunstvoll ausgelegt hat, aber genau deshalb wurde von Berlin bis New York so heftig über das Buch diskutiert und am Ende wurde stets eine Leseempfehlung ausgesprochen. Was mich an dem Roman interessierte, war dem Phänomen der Tradwives zu folgen, die sich auf ein Welt- und Frauenbild zurückziehen, das ich als längst veraltet ansah und das doch fröhliche Urstände feiert. Caro Claire Burke macht sich die Erklärung hierfür nicht zu einfach, sondern legt die vielen Facetten einer sehr klugen Person wie Natalie frei, die mit aller Macht erfolgreich sein will. Am Ende verschwimmen die Grenzen zwischen den „wütenden Weibern“ und dem Tradewife, aber auch die zu Männern wie Caleb, der gerne Kindergärtner geworden wäre und mitnichten dem tradierten Rollenklischee des Farmers entspricht. In „Yesteryear“ ist niemand frei, alle sind gefangen, ob in einer fundamental christlichen Religion, in den Konventionen oder in Weltanschauungen und Ideologien.“

Caro Claire Burke: „Yesteryear“, Heyne, 464 Seiten, 24 Euro

Michael Becker (Intendant Tonhalle) „Meine Ferienlektüre war auf den ersten Blick billig: Ein Psychothriller aus einer „Zum Mitnehmen“-Kiste an der Wolbecker Straße in Münster. „Ich. darf. nicht. schlafen.“ von Steve Watson erzählt aus der Perspektive der Hauptfigur das haarsträubende Schicksal von Christine, die aufgrund einer Amnesie jeden Tag ohne Erinnerung erwacht und nur durch einen geduldigen Arzt und ein Tagebuch in ihr Leben zurückgeholt wird. Extrem spannend - muss man und kann man schnell durchlesen.“

S. J. Watson: „Ich. Darf. Nicht. Schlafen“, Fischer, 400 Seiten, 9,99 Euro

Horst Eckert (Schriftsteller) „Kein Buch hat mich zuletzt so fasziniert wie „Meine Zuflucht und mein Sturm“. Indiens bekannteste Schriftstellerin Arundhati Roy schreibt über ihre Mutter Mary, die ihren trinkenden Mann verließ, die Kinder allein großzog, eine Schule gründete und für Frauenrechte kämpfte. Doch sie war auch launisch, selbstsüchtig und grausam. Mit 16 Jahren verlässt Arundhati die Mutter, „um sie weiterhin lieben zu können“. Wir lesen, wie sie zur Schriftstellerin, zur Aktivistin für Naturschutz und gegen den grassierenden Hindu-Nationalismus wurde. Lange herrscht große Distanz zur Mutter, aber der Gerechtigkeitssinn der Tochter hat Wurzeln. Als Mary 2022 stirbt, schreibt Arundhati ihre Geschichte. Krass, aber humorvoll, packend und schön.“

Arundhati Roy: „Meine Zuflucht und mein Sturm“, S. Fischer, 368 Seiten, 26 Euro

Alicia Holthausen (kommissarische künstlerische Leiterin der Kunsthalle) „Ich habe vor kurzem Arendal, den fünften Band der Morgenstern-Reihe von Karl Ove Knausgård, gelesen. Ausgangspunkt des ersten Bandes ist das Erscheinen eines neuen, ungewöhnlich hellen Sterns am Himmel, das von seltsamen Ereignissen begleitet wird, z.B. scheinen plötzlich keine Menschen mehr zu sterben. Über die Bände hinweg begleiten wir unterschiedliche Figuren in verschiedenen Lebensphasen und Zeitsträngen, ohne genau zu wissen, was sie miteinander oder dem Stern verbindet. Knausgård hat eine unglaublich intensive Art zu schreiben, eine hervorragende Beobachtungsgabe (er hat unter anderem auch Kunstgeschichte studiert) und einen sehr aufmerksamen Blick für das Alltägliche. Auch andere Bücher von ihm habe ich schon sehr gerne gelesen, etwa seine sechsbändige autobiografische Romanreihe oder Alles hat seine Zeit, ein Roman über die Geschichte der Engel.“

Karl Ove Knausgård: „Arendal“, Luchterhand, 384 Seiten, 26 Euro

Miriam Koch (Beigeordnete der Stadt Düsseldorf für Kultur, Integration und Gesundheit) „Mein Sommerurlaub liegt noch vor mir, habe aber gerade passenderweise „Drei Wochen im August“ von Nina Bussmann beendet und mich bereits für meine zwei Wochen im September eingedeckt. Kriterien für meine Auswahl: komplizierte Beziehungskonstrukte; das Thema Schwimmen spielt eine Rolle“

Nina Bußmann: „Drei Wochen im August“, Suhrkamp, 320 Seiten, 25 Euro

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