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Kultur | RP ONLINE · Aug 20, 2026

Serie Hausmusik (4): Auf den Spuren der Beatles, die „Abbey Road“ an den Füßen

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Anke Demirsoy · RP ONLINE

Serie Hausmusik (4) Auf den Spuren der Beatles, die „Abbey Road“ an den Füßen

20.08.2026 · 08:23 Uhr

 Hobby-Beatles im Wohnzimmer (v.l): Ansgar Laufenberg, Stefan Wehlings, Peter Gielen.

Hobby-Beatles im Wohnzimmer (v.l): Ansgar Laufenberg, Stefan Wehlings, Peter Gielen.

Foto: Anne Orthen

Düsseldorf · Bei der Gruppe FabX kommt ausschließlich Musik der Liverpooler Kultband auf den Notenständer. Die Spielfreude steht bei den Hobbymusikern ganz oben, dabei kommen sie dem Sound ihrer Lieblingsband ganz nahe.

Stefan und Peter tragen die „Abbey Road“ an den Füßen. In Reih und Glied marschieren die Beatles über die bunten Streifen ihrer Ringelsocken. Ansgar, nach Auskunft aller Anwesenden der größte Beatles-Fan der Coverband FabX, trägt Strümpfe mit „Yellow Submarine“-Motiven. Schlagzeuger Boris protestiert, als er aufgefordert wird, die Füße in die Kamera zu halten. Er hat gerade keine Socken an, ist außerdem per Zoom aus Augsburg zugeschaltet, weil er auf dem Weg in den Italienurlaub ist.

Dafür hat Boris ein selbst gebasteltes Schild mit Namen und Logo der Band mitten in die Landschaft gestellt. Die „Fab Four“, die fantastischen Vier aus Liverpool, stecken im Bandnamen. Das X steht für die Zahl der Menschen, die FabX zum spontanen Mitsingen bewegen möchte. Das Publikum soll Teil der Band werden. Wie leicht das gelingt, erleben die Vier an manchen Sommerabenden am Rheinstrand in Hamm. Bei „Michelle“, „Help“ oder „Ticket to Ride“ bleiben Passanten stehen und stimmen textsicher ein. Zuweilen steigen auch Radfahrer von der Brücke herunter, über die sie auf dem Heimweg nach der Arbeit fahren.

Am Rheinufer sitzt Boris Zander, Versicherungskaufmann, auf einer Cajón, einer Kistentrommel. Sozialpädagoge Stefan Wehlings spielt Leadgitarre, Kameramann Peter Gielen Bass und Lehrer Ansgar Laufenberg Akustikgitarre. Etwa einmal pro Woche proben sie, wenn nicht am Rheinstrand, dann in Peters Wohnung in der Altstadt. Das geht meistens gut, auch wenn der Nachbar „manchmal ein bisschen streng“ sei. Für Geld treten sie nicht auf, lassen sich also auch nicht für Hochzeiten oder Partys buchen. Einmal allerdings spielten sie in einer Düsseldorfer Bar. Die Stimmung ging durch die Decke, am Ende tanzten die Gäste auf den Tischen. Darunter waren auch junge Leute. „Die sind total drauf abgegangen!“, erinnern sich die Musiker.

Die Songs der frühen Beatles-Jahre sind ihr Schwerpunkt. Meistens spielen sie unplugged, also ohne Verstärkung. Sie kennen sich seit mehr als 30 Jahren, hatten einander jedoch rund 20 Jahre lang aus den Augen verloren. Nach und nach begegneten sie sich wieder: im Kulturcafé in Grevenbroich, wo Stefan arbeitet, und im Karneval, zu dem Peter die anderen einlud. „Wär’ doch schön, mal wieder zusammen Musik zu machen“, sagte Peter irgendwann. Stefan erwiderte: „Wir haben da gerade so ein Projekt mit den Beatles. Hättest du nicht Bock?“

Peter hatte bis dahin nie einen Beatles-Song gespielt. „Die kannte ich nur von meinen Eltern“, sagt er. Nun schwärmt er vom Spiel Paul McCartneys: „Diese melodischen Basslinien, ganz toll, aber nicht leicht. Das musste ich erst mal draufkriegen!“ Ansgar kam über seine ältere Schwester zu den legendären roten und blauen Alben. Früh wusste er, was heute alle vier voller Überzeugung sagen: „Beatles-Songs mitzusingen macht glücklich.“ Wenn Ansgars Badezimmer sprechen könnte, würde es das sofort bestätigen.

Wenn es um Paul McCartney, George Harrison, John Lennon oder Ringo Starr geht, sprechen sie eher kundig als mit der anhimmelnden Begeisterung von Fans. Musik anderer Bands kommt bei ihnen nicht auf den Notenständer, sofern sie überhaupt Noten benötigen. Doch FabX ist keine klassische Tribute-Band mit Perücken, sondern eine Live-Band, die auf Mitsing-Momente setzt. Obwohl kaum einer von ihnen je richtigen Instrumentalunterricht hatte, eifern sie dem Originalsound der Beatles nach. Perfektion ist gleichwohl nicht das Ziel: Die Spielfreude soll im Vordergrund stehen und möglichst ansteckend wirken.

Das funktioniert glänzend, wie ein Song zum Abschluss dieses Treffens beweist. Peter stimmt eine legendäre Basslinie an: fünf Noten, bei denen der Körper fast von selbst mitzuschwingen beginnt. Wer diesem Groove widersteht, müsste aus Stein sein oder sich wie Odysseus die Ohren mit Wachs verstopfen. Doch hier gibt es keinen Mast und keine Stricke. Die Leinen sind los; die journalistisch gebotene Distanz geht über Bord. Vereint fallen wir in den trotzig-lebensfrohen Refrain ein: „Come together right now over me!“

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