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Kempen | RP ONLINE · Aug 21, 2026

Historische Niederlage in der Grotenburg: Demontage im DFB-Pokal – Eintracht Frankfurt zerlegt den SC St. Tönis mit 11:0

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Marvin Wibbeke · RP ONLINE

Historische Niederlage in der Grotenburg Demontage im DFB-Pokal – Eintracht Frankfurt zerlegt den SC St. Tönis mit 11:0

21.08.2026 · 20:02 Uhr

 Weltmeister Mario Götze war einer der Torschützen im Pokalspiel des SC St. Tönis gegen Eintracht Frankfurt.

Weltmeister Mario Götze war einer der Torschützen im Pokalspiel des SC St. Tönis gegen Eintracht Frankfurt.

Foto: Ralph Görtz

St. Tönis/Krefeld · Schon früh zeichnet sich die haushohe Niederlage des Oberligisten ab. 0:10 stand es zur Pause. Das größte Spiel der Vereinsgeschichte war geprägt von gnadenloser Überforderung und einem lautstarken Gästeanhang.

Auf diesen Abend hatten alle, die es mit dem SC St. Tönis halten, hingefiebert. Spieler, Betreuer, Trainerteam und Fans, sie alle waren voller Vorfreude auf diesen besonderen Tag. Seit knapp 100 Tagen, seitdem feststand, dass der SC in der ersten Pokalrunde antreten darf, stieg sie von Tag zu Tag. Mit dem Bundesligisten Eintracht Frankfurt hatte Losfee Deniz Aytekin dem Oberligisten auch ein attraktives Team zugelost. Natürlich war die Eintracht haushoher Favorit, und dieser Rolle wurde der Traditionsverein vom Main auch gerecht. Mehr noch, es wurde eine historische Demontage des Oberligisten. Am Ende gewann der Bundesligist standesgemäß mit 11:0 (10:0).

Bereits mehrere Stunden vor Anpfiff war rund um die Krefelder Grotenburg, wo das Spiel stattfand, einiges los. Rund 6000 Anhänger des Bundesligisten waren mitgereist und hatten die Nordtribüne des Stadions in Beschlag genommen. Zum Einlaufen der Mannschaften präsentierten sie eine imposante Choreografie. Schwarze und rote Plastikfahnen hielten die Frankfurt-Fans in die Höhe. In der Mitte wurde zunächst das Logo der Eintracht runtergelassen, anschließend wechselte das Logo zu einer riesigen Blockfahne, die an Eintracht-Legende Alfred Pfaff erinnerte.

Frankfurt furios

Dann konnte es losgehen. Die Stimmung auf der Südtribüne war gut, der Support von der Gegengerade brachial laut. Nicht nur auf dem Platz versuchte der Oberligist mit aller Macht dagegen zu halten, auch auf den Rängen. So wurde jeder Ballgewinn des Sportclubs vom eigenen Anhang frenetisch bejubelt, als der SC kurz nach dem Anstoß in Sichtweite des Strafraums auftauchte, wurde es richtig laut. Da konnte auch der frühe Gegentreffer durch Jonathan Burkardt zunächst nicht für Ernüchterung sorgen. Nach einer Ecke von Can Uzun köpfte der Stürmer den Ball ins Tor (4.). Wenige Minuten später trat Uzun wieder zur Ecke an, dieses Mal von der anderen Seite. Doch erneut wurde es nicht nur gefährlich, sondern erneut landete der Ball im Tor. Dieses Mal war es Kapitän Robin Koch, der per Kopf erfolgreich war (10.).

Der Plan, den sich unterklassigere Gegner in der Regel stets vornehmen, hinten sicher zu stehen und so lange wie möglich die Null zu halten, hatte sich nach zehn Minuten bereits erledigt. Gerade an diesen Standardsituationen machte sich der Klassenunterschied bemerkbar. Als Simon Sell im Tor des Sportclubs sich im direkten Duell mit Younes Ebnoutalib durchsetzen konnte und dessen Schuss abwehrte, jubelte die Südtribüne, als wäre dem SC ein eigener Treffer gelungen. Die Fans honorierten jede gelungene Aktion, auch wenn sie wussten, dass hier an diesem Tag nicht viel zu holen ist. Denn mit dem 3:0 durch Ayoube Amaimouni-Echghouyab war das Spiel nach nicht einmal 20 gespielten Minuten zugunsten des großen Favoriten entschieden (17.).

Trotz Rückstand mutig

Trotz allem spielte der Sportclub mutig mit. Der offensive Ansatz der nominellen Hausherren in der Grotenburg wurde allerdings nicht belohnt. Stattdessen kam Eintracht-Torjäger Burkardt wieder unbedrängt zum Kopfball und erhöhte nach einer knappen halben Stunde auf 4:0. Can Uzun stellte wenig später auf 5:0 und auf 6:0, während die Fans der SGE minutenlang auf die Melodie von „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel sangen (34/36.). Der neutrale Beobachter dürfte zu diesem Zeitpunkt schon Mitleid mit dem Sportclub gehabt haben, nicht aber Jonathan Burkardt. Er legte seinen dritten Treffer nach, dieses Mal mit dem Fuß (42.). Noch vor der Pause durften sich auch Elias Baum und Younes Ebnoutalib in die Torschützenliste eintragen. Auch Weltmeister Mario Götze traf mit dem Halbzeitpfiff – 10:0 für die Eintracht. Trotz dieses Spielstands wurden die Spieler des SC mit Applaus in die Kabine begleitet.

Der eine oder andere Statistikfuchs dürfte zur Pause schon einmal die höchsten Niederlagen im DFB-Pokal rausgesucht haben. Historisch war es bereits. Noch nie hatte die SGE im Pokal mit mehr als drei Toren Vorsprung zur Pause geführt – und noch nie hatte ein Klub zur Pause bereits zweistellig geführt.

Die Frankfurter schalteten auf dem Platz nach dem Seitenwechsel dann ein paar Gänge zurück und wechselten in der zweiten Halbzeit etwas durch. So erspielten sich die Gäste weniger Chancen, die Simon Sell zudem vereiteln konnte. Auf den Rängen hingegen gaben die Frankfurter weiter Gas und teilten die Tribüne kurzerhand für einen Wechselgesang, bei dem sich die beiden Seiten immer weiter anstachelten und lauter wurden.

Ein Gänsehautmoment ereignete sich in der 85. Spielminute. Beim Stand von 0:10 wurde der ehemalige SC-Kapitän Dominik Dohmen, der nach der abgelaufenen Saison seine Karriere beendet hatte, aufseiten des Oberligisten eingewechselt. Er sollte im Rahmen dieses besonderen Spiels auch offiziell verabschiedet werden. Entsprechend groß war der Applaus von der Haupttribüne für einen der prägendsten Spieler der vergangenen Jahre. Ein undankbarer Spielstand, aber der verdiente Lohn für sechs Jahre in Diensten des SC, diese Pokalatmosphäre miterleben zu dürfen.

Im zweiten Durchgang dauerte es bis in die Schlussphase, bis der erste Treffer der Eintracht fiel. Fares Chaibi traf in der 87. Minute zum 11:0. Dem Oberligisten war an diesem Tag, anders als im Finale des Niederrheinpokals gegen Duisburg, kein Ehrentreffer vergönnt. Trotzdem gab es Standing Ovations von der Südtribüne.

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