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Prinz Harry und Meghan: Der verlorene Sohn kommt heim

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Dorothee Krings · RP ONLINE

Prinz Harry und Meghan Der verlorene Sohn kommt heim

21.08.2026 · 07:03 Uhr

 Prinz Harry and Meghan Markle 2017 auf dem Gelände des Kensington Palace in London.

Prinz Harry and Meghan Markle 2017 auf dem Gelände des Kensington Palace in London.

Foto: AFP/DANIEL LEAL

Meinung | Düsseldorf · Noch ist es nicht offiziell, aber Großbritannien ist elektrisiert: Prinz Harry will mit seiner Familie in die Heimat zurückkehren. Damit bedient das Königshaus einmal mehr uralte Erzählmuster. Diesmal: die Rückkehr des verlorenen Sohnes.

Es ist ja nicht nur der Pomp. Es sind nicht allein die goldenen Kutschen, Kronjuwelen, schicken Kleider. Auch nicht die Tradition des britischen Königshauses und sein über die Jahrhunderte verfestigtes Protokoll, das so herrlich sperrig in die schnoddrige Gegenwart ragt und der Weltöffentlichkeit immer wieder märchenhafte Hochzeiten, Bankette, Staatsbesuche beschert. Es sind die tragischen Geschichten, die das britische Königshaus für viele so faszinierend machen. Denn was bei den Royals geschieht, bedient uralte Erzählmuster, ist neu, sensationell und zugleich vertraut – ja, universell. Jüngstes Beispiel ist die noch nicht bestätigte, aber von mehreren Medien berichtete geplante Rückkehr von Prinz Harry samt Familie nach Großbritannien. Exit vom Mexit. Der verlorene Sohn kehrt zurück. Davon erzählt schon die Bibel.

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Wie sich das Verhältnis von Harry und Meghan zum Königshaus entwickelt hat

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Foto: AP/Seth Wenig

Im Lukasevangelium bringt ein jüngerer Sohn in der Fremde sein Erbe durch, bereut aufrichtig und wird vom Vater freudig wieder aufgenommen. Das Gleichnis handelt aus christlicher Sicht vom Segen der Umkehr zum Glauben und der unendlichen Güte Gottes, die sich menschlichen Maßstäben entzieht. Doch gerade dieses Gleichnis ist auch wirkmächtig in einer profanen Lesart: als Geschichte über die Hybris der Jugend, das Reifen im Desaster und die Kraft zur Vergebung in Familien.

Prinz Harry erhob schwere Vorwürfe gegen seine Familie

Seit sechs Jahren lebt der jüngere Sohn von König Charles III. mit seiner Frau Meghan und den beiden Kindern in den USA. Also in einem Land, das oft im Kontrast zum Vereinigten Königreich gesehen wird. Die USA stehen für Modernität, Fortschritt, lässigen Lebensstil. Und unter Trump auch für schnelles Dealmachen, fehlenden Anstand und schlechtes Benehmen. Beim jüngsten Staatsbesuch des britischen Königs in den USA trat der Gegensatz – in maximale Noblesse gehüllt – zutage. König Charles III. redete den USA in einer klugen Ansprache in Anwesenheit des selbst ernannten King Trump ins demokratische Gewissen. Das war auch Balsam für das wunde Gemüt des alten Europas.

Mit seinem bisherigen Wohnsitz in Montecito, Kalifornien, hat sich Prinz Harry also den emotional entlegensten Ort ausgesucht, um sich von seiner Familie zu distanzieren. Zudem hat er schwere Vorwürfe unter anderem gegen seinen Vater und Bruder erhoben. Hat Interviews gegeben, ist in Talkshows aufgetreten und hat seine Anschuldigungen gewinnbringend in einem Buch verewigt. Es ging nicht nur um persönliche Details wie seine wilde Jugend, Drogenkonsum oder Einsätze bei der Armee, sondern auch um heftige Auseinandersetzungen im Familienkreis – Indiskretionen gegen die Royals. Besonders schwer wog der Vorwurf, Meghan sei im Umfeld der königlichen Familie mit rassistischen Vorurteilen behandelt worden. Das traf ins Mark.

Paar nutzt Eigenvermarktung, um ihren Lebensstil zu sichern

Denn natürlich sind die Royals weiß, privilegiert, gelten als versnobt. Großbritannien war Kolonialmacht – die Auseinandersetzung damit läuft kontrovers. Und die Tatsache, dass der jüngere Sohn von König Charles eine geschiedene, US-amerikanische Schauspielerin und Tochter einer afroamerikanischen Mutter heiratete, hat in Großbritannien Diskussionen ausgelöst. Auch mit klar rassistischen Tönen. Wie die Mitglieder der royalen Familie wirklich denken, wissen nur sie selbst. Aber der Vorwurf traf die royale Familie genau da, wo sie punkten will, bei ihren Werten. Entsprechend tief das Zerwürfnis.

Prinz Harry, seine Frau Meghan und die Kinder haben seither ein amerikanisches Leben geführt – entbunden von ihren Pflichten, vieler royaler Privilegien entledigt. So konnte die Öffentlichkeit erleben, wie das Paar versuchte, durch Eigenvermarktung seinen Lebensstil zu sichern. Unter anderem bekamen sie Verträge bei Netflix, Meghan verkauft Produkte einer eigenen Lifestyle-Marke. Sie zehren dabei von der Herkunft des Prinzen und von Meghans Bekanntheit als Schauspielerin. Immer wieder gab es Geschichten im Boulevard über die vermeintliche Gier des Paares. Mal hieß es, Meghan scheffle Geld mit ihren Produkten, dann, die Marke sei ein Flop, Verträge platzten.

Nach Medienberichten planen Harry und Meghan, noch im August mit ihren Kindern nach Großbritannien zu ziehen, um sich von dort aus stärker etwa um die Invictus Games zu kümmern, eine Stiftung zur Unterstützung verwundeter Soldaten. Außerdem möchte der Prinz wohl seinen Kindern ermöglichen, in der Nähe der königlichen Großeltern den britischen Lebensstil kennenzulernen.

Doch das Wahrnehmungsmuster der Verlorener-Sohn-Geschichte ist mächtig. Und so wird Harry nun als der gesehen, der in den USA gescheitert ist und reumütig zurückkehrt. Er dürfte in den kommenden Wochen noch viel Häme abkriegen – weil er in Teilen der Öffentlichkeit als einer gilt, der nichts kann, außer vom royalen Status zu zehren. Als er nun zu verblassen drohte, will er zurück, um die Speicher wieder aufzuladen. Seine jüngsten Besuche in Großbritannien bei seinem an Krebs erkrankten Vater dürften der Wiederannäherung gedient haben. Nach dem Verlorener-Sohn-Muster wirken sie wie Reuegänge. Entsprechend groß werden die Erwartungen in Großbritannien sein, dass sich das zurückkehrende Paar nun demütig zeigt. Doch dürften die kaum erfüllt werden, denn es gab ja Gründe für den Weggang. Und die beiden kehren auch nicht rehabilitiert zurück, sondern bleiben die geschassten Royals. Zunächst zumindest.

Die Zeiten des royalen Quartetts währten nur kurz

Schon die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn hat jedoch eine Nebenfigur, die im Grunde spannender ist als der reuige Rückkehrer zum Vater: Das ist der ältere Sohn, der brav daheimgeblieben ist, seine Pflichten erfüllt und plötzlich erleben muss, wie sein nichtsnutziger Bruder vom Vater mit Zuneigung überschüttet wird. Im Gleichnis soll das betonen, wie unendlich die Liebe Gottes ist, wie absolut sein Wille. Umkehr zum Glauben ist für Christen jederzeit möglich. Egal an welchem Punkt des Lebens ein Mensch steht, er darf auf Barmherzigkeit vertrauen. Doch jenseits von Gleichnissen muss ein pflichtbewusster Bruder Größe zeigen, wenn ein Jüngerer zurückkehrt und wieder Aufmerksamkeit beansprucht.

Der britische Thronfolger Prinz William und sein Bruder Harry sollen laut Medien seit Jahren nicht mehr miteinander gesprochen haben. Die Phase, als sie mit ihren Frauen öffentlich als „Fab Four“ auftraten, als das royale Quartett, das die Pflichten eines modernen Königshauses gemeinsam trägt, währte nur kurz. Nun beginnt ein neues Kapitel im Geschichtenbuch der britischen Royals. Es wird genug zu erzählen geben.

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