Kinderdorf Hückeswagen Mit Juze-Talern auf „Dienstreise“ zu Pflitsch
20.08.2026 · 06:00 Uhr
Die Besucher des Kinderdorfs lernten bei ihrem Rundgang durch die Pflitsch-Produktion moderne Fertigungsverfahren kennen.
Foto: PflitschHückeswagen · Etwa 30 Bewohner des Kinderdorfs haben die Firma Pflitsch an der Wupper-Vorsperre besucht. Bei Führungen durch Werkzeugbau und CNC-Fertigung lernten sie, wie ein Unternehmen funktioniert. Ein überraschenes Detail sorgte für besondere Begeisterung.
Wenn Erwachsene „auf Reisen“ sind, kann das auch schon einmal berufliche Gründe haben. Warum also soll das im derzeit noch laufenden Kinderdorf rings um die Mehrzweckhalle anders sein? Dort lernen Jungen und Mädchen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren seit dem 10. August zwei Wochen lang im Kleinen die Welt der Erwachsenen kennen – etwa bei ihrer Arbeit in verschiedenen Werkstätten, im Reisebüro oder im Bürgerbüro und bei der „politischen“ Arbeit im Dorfrat. Jetzt ging’s für etwa 30 der 80 Bewohner auf eine „Dienstreise“ zum zweitgrößten Arbeitgeber Hückeswagens, der Firma Pflitsch. Aufgeteilt auf zwei Besuchstage.
Wie groß ist eigentlich die größte Maschine bei Pflitsch? Wie klein die kleinste? Und vor allem: Wo sitzt eigentlich der Chef? „Mit viel Neugier und noch mehr Fragen hatten sich in der vergangenen Woche junge Bürgerinnen und Bürger des Kinderdorfs auf den Weg zu Pflitsch gemacht“, teilte Marketingleiterin Tara de Alwis jetzt mit. Das Hückeswagener Familienunternehmen gehört zu den langjährigen Unterstützern der zweiwöchigen Ferienaktion und stiftete auch für dieses Kinderdorf einen hohen vierstelligen Spendenbetrag. Zudem öffnete es seine Tore für zwei Besuchergruppen aus dem Brunsbachtal. „Denn im Kinderdorf gehört ein Besuch bei Pflitsch zu den ,Reisen‘, die sich die Kinder von ihren selbst verdienten Juze-Talern leisten können“, erläuterte Tara de Alwis.
Das Ferienangebot vermittelt Kindern auf spielerische Weise Einblicke in die Erwachsenenwelt und fördert Selbstständigkeit, gesellschaftliche Teilhabe sowie soziale, kognitive und handwerkliche Fähigkeiten. „Junge Menschen in der Region zu unterstützen und ihnen neue Erfahrungen zu ermöglichen, ist für Pflitsch ein wichtiger Bestandteil des Engagements“, unterstrich die Marketingleiterin.
Als die ersten 13 Kinder ins Unternehmen an der Wupper-Vorsperre gekommen waren, erhielten sie bereits bei der Begrüßung eine kleine Aufgabe: Während des Rundgangs sollten sie herausfinden, welches die größte und welches die kleinste Maschine im Unternehmen ist. Bei Führungen durch den Kunststoffspritzguss, den Werkzeugbau und die CNC-Fertigung erhielten die Jungen und Mädchen anschauliche Einblicke in die Produktion. Auch das automatische Kleinteilelager weckte großes Interesse und sorgte für zahlreiche Fragen.
Die Kinder durften auch selbst Hand anlegen und konnten unter Anleitung eigene Handyhalter biegen.
Foto: PflitschDass die Kinder aufmerksam zugehört und genau hingeschaut hatten, zeigte sich spätestens bei der anschließenden Auflösung: Die gesuchten Maschinen wurden problemlos wiedererkannt. Für so viel Aufmerksamkeit gab es selbstverständlich auch einen kleinen Preis.
Besonders gut kam die Möglichkeit an, selbst aktiv zu werden. So durften die jungen Besucher einen Handyhalter aus Metall biegen und anschließend als Erinnerung mit nach Hause nehmen. Hinzu kamen ein Pflitsch-Sportbeutel mit kleinen Überraschungen und eine gelbe Warnweste.
Interessiert entdeckten die kleinen Besucher den Pflitsch-Zeitstrahl und erfuhren mehr über die Entwicklung des Familienunternehmens.
Foto: PflitschWie beliebt der selbst gefertigte Handyhalter war, zeigte sich beim zweiten Besuch wenige Tage später: „Ein Kind hatte die Pflitsch-Reise gleich noch einmal gebucht, um einen weiteren Halter als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter anzufertigen“, berichtete Tara de Alwis.
Es gehörte zu der größeren Gruppe, die Anfang dieser Woche dem Unternehmen einen Besuch abstattete. Eine Frage aus der ersten Gruppe war dabei besonders in Erinnerung geblieben: Wer ist hier eigentlich der Chef? Einige Kinder hatten kurzerhand die Marketingleiterin zur Unternehmenschefin erklärt. Beim zweiten Besuch wurde deshalb für eindeutige Verhältnisse gesorgt: Diesmal übernahm Roland Lenzing, neben Mathias Stendtke einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter, persönlich die Begrüßung und machte die jungen Gäste auf Augenhöhe neugierig auf die anschließende Entdeckungstour durch das Unternehmen.
„Uns hat besonders beeindruckt, mit wie viel Begeisterung und Neugier die Kinder bei der Sache waren“, versicherte Nina Müller, Assistentin der Geschäftsführung. Dabei sei es längst nicht nur um die Maschinen und die Produktion gegangen. Die Kinder hätten auch ganz genau wissen wollen, wie ein Unternehmen funktioniere, wie der Arbeitsalltag aussehe und wo der Chef sitze. „Diese Offenheit und die vielen Fragen haben den Besuch auch für uns zu etwas Besonderem gemacht“, unterstrich Nina Müller.
Bei all der modernen Fertigungstechnik gab es allerdings einen heimlichen Publikumsliebling, mit dem wohl niemand gerechnet hatte: die Schuhputzmaschine im Eingangsbereich. „Sie sorgte bei den Kindern für erstaunlich große Begeisterung“, hatte Tara de Alwis festgestellt. Ob Pflitsch deshalb sein Produktportfolio künftig noch erweitern muss, bleibt allerdings offen. . .
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