Aufführung in Geldern „Der Freischütz“ als Oper im Espresso-Format
19.08.2026 · 15:41 Uhr
Rund 800 Besucher finden Platz bei der „Oper im Espresso-Format“ im Niersforum.
Foto: Seybert, Gerhard (seyb)Geldern · In der Gelderner Bahnhofsunterführung erklingt am 1. September „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber in einer kompakten und moderierten Version mit vier Opernsängerinnen und -sängern und einem Streichquartett. Der Eintritt ist frei.
Der eine oder andere Besucher dürfte ein Déjà-vu haben, wenn er in die Bahnhofsunterführung nach Geldern kommt. Der gemeinnützige Verein „Music to go“ führt dort am Dienstag, 1. September, ab 20 Uhr die Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber auf. Mit dem gleichen Stück feierte die Oper im Espresso-Format vor elf Jahren im Niersforum Premiere. „Es ist die Chance“, sagt Initiatorin, Musikerin und Opernsängerin Désirée Brodka, „klassische Musik kostenfrei zu erleben.“ Und zwar in einer moderierten, auf 90 Minuten gekürzten Fassung.
Das Konzept richtet sich bewusst an Opernliebhaber ebenso wie an Neulinge: Ein Streichquartett übernimmt die Rolle des Orchesters. Es besteht aus Anna Straub (1. Violine), Valentina Resnyanska (2. Violine), Elizabeth Gärtner (Viola) und Maksim Krobejnikov (Cello). Vier Opernsängerinnen und -sänger – Maija Tutova (Sopran), Jihoon Do (Tenor), Dumitru Madarasan (Bass) und Désirée Brodka – bringen die bekanntesten Szenen und Arien in kompakter Form auf die Bühne in der Bahnhofsunterführung, während Brodka außerdem als einfühlsame Moderatorin Hintergründe zum Werk vermittelt. „Wofür die Musiker am Opernhaus sechs Wochen proben, müssen wir in zwölf Tagen schaffen“, sagt sie.
Bereit für den „Freischütz“: Patrick Tekock, Moderatorin Désirée Brodka, Bratschistin Elizabeth Gärtner, Rainer Niersmann und Carsten Zündorf (v.l.).
Foto: Dirk Weber„Der Freischütz“ zählt zu den erfolgreichsten Werken der deutschen Operngeschichte und begeistert bis heute mit bekannten Melodien wie „Wir winden Dir den Jungfernkranz“. Erzählt wird die Geschichte des Jägerburschens Max, der einen entscheidenden Probeschuss bestehen muss, um seine Verlobte Agathe heiraten zu dürfen. Aus Angst vor dem Scheitern geht er einen folgenschweren Bund mit dem Teufel ein – ein spannendes Abenteuer zwischen Liebe, Aberglauben und Erlösung.
„,Der ,Freischütz‘ gilt als romantische Oper, als süßer alter Schinken“, sagt Brodka. „Dabei stecken in dem Stoff sehr moderne Themen. Es geht um Leistungsdruck und um Erwartungen.“
Désirée Brodka hat die Initiative Oper im Espresso-Format ins Leben gerufen und begeistert seit vielen Jahren mit klassischen Opern in kompakter Form an außergewöhnlichen Orten. Ziel des Vereins ist es, klassische Musik in entspannter Atmosphäre einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. „Ob opernerfahren oder völlig unbedarft, ob jung oder alt, jeder ist eingeladen!“, lautet das Prinzip der Oper im Espresso-Format.
Ermöglicht wird dieses besondere Kulturerlebnis auch in diesem Jahr wieder durch die Unterstützung der Sparkasse Krefeld und vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Die Organisation der Gelderner Aufführung am Bahnhof liegt wiederum in den Händen des städtischen Tourismus- und Kulturbüros. „Der Eintritt ist wie gewohnt frei“, informiert Carsten Zündorf vom Kulturbüro. „Spenden für den gemeinnützigen Verein sind jedoch willkommen.“ Die Besucherinnen und Besuch sind zudem eingeladen, Decken oder Sitzkissen mitzubringen und die Oper unter freiem Himmel zu genießen. „Es ist die wahrscheinlich nachhaltigste Veranstaltung in Geldern“, meint Rainer Niersmann, Leiter des Tourismus- und Kulturbüros. „Wir brauchen so gut wie keinen Strom, außer für die Moderation. Es gibt auch keinen Essens- oder Getränkestand, weil die Besucher alles selbst mitbringen und hinterher auch wieder wegräumen.“
Die Oper im Espresso-Format ist die bislang einzige Veranstaltung, die in der Bahnunterführung stattfindet. Wenn es nach Rainer Niersmann geht, könnte sich dieser Umstand jedoch im nächsten Jahr ändern. „Seit zwei Jahren finden im Refektorium die Mitmachkonzerte statt.“ Möglicherweise könnten diese künftig auch im Niersforum stattfinden. „Vorher wollen wir aber noch testen, ob die Texte mit einem Beamer an die Wand geworfen werden können.“
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