Im Kreis Heinsberg Katholikenrat hat einen neuen Vorsitz – und klare Forderungen
21.08.2026 · 18:00 Uhr
Nachdem bei der konstituierenden Sitzung zunächst kein Vorsitz gewählt worden war, verständigten sich die Mitglieder nun einstimmig auf Johannes Eschweiler (hinten rechts) als neuen Vorsitzenden des Katholikenrats.
Foto: Eva WeingärtnerKreis Heinsberg · Johannes Eschweiler übernimmt den Vorsitz des Katholikenrats in der Region Heinsberg. Bei der vergangenen Sitzung ging es jedoch um mehr als Personalien.
Der Katholikenrat der Region Heinsberg hat einen neuen Vorsitzenden: Die Mitglieder wählten Johannes Eschweiler einstimmig an die Spitze des Gremiums. Ebenfalls einstimmig wurden Margret Rutte und Rainer Rißmayer zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Als Geistlicher Assistent wurde Pfarrer René Mertens benannt. Geschäftsführer Ralf Zanders stellte zudem die neue Satzung des Katholikenrats vor.
Zugleich bekräftigte der Katholikenrat seine Unterstützung für die Beratungsstelle Arbeit der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Kreis Heinsberg. Bei der Sitzung ging es insbesondere um die Situation von Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen sowie um geplante sozial- und arbeitsmarktpolitische Veränderungen.
Oliver Bühl, Pädagogischer Leiter des Bildungswerks der KAB im Bistum Aachen und Trägervertreter der Beratungsstelle Arbeit, sowie Claudia Küppers von der Beratungsstelle berichteten über die aktuelle Situation. Die Einrichtung werde derzeit zu rund 70 Prozent aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert. Für die kommende Förderperiode seien Kürzungen um etwa ein Drittel zu erwarten, erläuterte Bühl. Die fehlenden Mittel müsse der Träger selbst aufbringen. Eine wichtige Rolle spiele deshalb der Solidaritätsfonds für die Arbeitslosenberatung im Bistum Aachen.
Ein Schwerpunkt der Beratungsstelle liegt außerdem auf Menschen, die unter prekären oder ausbeuterischen Arbeitsbedingungen beschäftigt sind. Bühl kritisierte geplante sozial- und arbeitsmarktpolitische Veränderungen. Die seit dem 1. Juli geltende Grundsicherung erhöhe den Druck auf Betroffene, nahezu jede Beschäftigung anzunehmen oder in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen zu bleiben. Auch eine mögliche Ausweitung sachgrundloser Befristungen sieht er kritisch.
Küppers schilderte die Herausforderungen aus dem Beratungsalltag. Zu den Ratsuchenden gehören insbesondere Frauen mit Kindern, Alleinerziehende und Menschen mit Migrationsgeschichte. Häufig kämen Behördenprobleme, finanzielle Sorgen, schwierige Wohnverhältnisse und psychische Belastungen zusammen. Bei männlichen Geflüchteten spielten darüber hinaus nicht selten Suchterkrankungen und Depressionen eine Rolle.
Neben der Beratung vor Ort ist auch die aufsuchende Arbeit wichtig. Erntehelfer, Lkw-Fahrer oder Beschäftigte im Glasfaserausbau werden direkt an ihren Arbeitsorten angesprochen. Küppers und Bühl forderten intensivere Kontrollen gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse.
Für Johannes Eschweiler zeigen die Berichte die gesellschaftliche Bedeutung der Beratungsstelle. „Als Katholikenrat müssen wir uns in die gesellschaftspolitische Diskussion einmischen und Bündnispartner finden, um gemeinsam handeln zu können“, sagte er. Der Katholikenrat wolle sich weiterhin für den Erhalt der Beratungsstelle einsetzen und auch die dauerhafte Sicherung des Solidaritätsfonds unterstützen.
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