Erntebilanz im Kreis Heinsberg Dürre bedroht Herbstkulturen im Kreis Heinsberg
22.08.2026 · 05:10 Uhr
Besonders beim Mais rechnen die Landwirte im Kreis Heinsberg mit deutlichen Ertragseinbußen.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Karl-Josef HildenbrandKreis Heinsberg · Hitze und anhaltende Trockenheit haben den Feldern im Kreis Heinsberg zugesetzt. Für Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln kommen die Niederschläge zu spät. Auf einzelnen Flächen drohen Totalausfälle.
Die Erntebilanz 2026 fällt für die Landwirte im Kreis Heinsberg durchwachsen aus. Während das Getreide trotz extremer Temperaturen und fehlender Niederschläge vergleichsweise glimpflich davongekommen ist, bereitet die Entwicklung bei den noch auf den Feldern stehenden Herbstkulturen große Sorgen. Gleichzeitig verschärfen hohe Betriebskosten und stark schwankende Erzeugerpreise den wirtschaftlichen Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe. Das berichtet Christoph Deckers, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg.
Getreide bleibt die wichtigste Ackerkultur im Rheinland. Insgesamt dürfte die Erntemenge in diesem Jahr bei rund 1,1 Millionen Tonnen liegen und damit etwa 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau. „Beim Weizen sind wir trotz extremer Temperaturen und fehlender Niederschläge mit einem blauen Auge davongekommen“, erklärt Deckers. Im Rheinland wurden beim Winterweizen durchschnittlich rund 87 Dezitonnen pro Hektar geerntet – gut acht Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Die Wintergerste erreichte rund 84 Dezitonnen pro Hektar.
Die Erntemengen allein sagen nach Einschätzung der Kreisbauernschaft allerdings wenig über die wirtschaftliche Situation der Betriebe aus. Die Kosten für Diesel, Dünger, Pflanzenschutz und Energie seien hoch, gleichzeitig schwankten die Erzeugerpreise stark. „Die Preise am Getreidemarkt reagieren derzeit von Tag zu Tag auf geopolitische Krisenherde und Äußerungen der beteiligten Akteure. Für unsere Betriebe ist das kaum planbar“, betont Deckers. Unter diesen Bedingungen reichten die Erlöse beim Getreide derzeit nicht aus, um die Produktionskosten zu decken und eine wirtschaftlich tragfähige Erzeugung zu gewährleisten.
In den vergangenen Jahren habe außerdem Raps wieder an Attraktivität gewonnen. Die Anbaufläche sei im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent gewachsen. Die Erträge konnten mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt halten: Im Durchschnitt wurden rund 36 Dezitonnen pro Hektar geerntet, nach rund 41 Dezitonnen im vergangenen Jahr.
Mit großer Sorge blickt Deckers auf die Kulturen, die noch auf den Feldern stehen. Vor allem Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln leiden unter der anhaltenden Dürre. Die inzwischen gefallenen Niederschläge könnten daran nichts mehr ändern. Bei diesen Kulturen sei daher mit deutlichen Ertragsrückgängen zu rechnen. Die Trockenheit habe das Wachstum und den Ertrag bereits erheblich beeinträchtigt und die Pflanzen geschwächt.
Auch im Futterbau zeigt sich die angespannte Lage. Auf dem Grünland konnten nach dem wüchsigen Frühjahr die ersten Schnitte eingebracht werden, teilweise allerdings bereits mit Qualitätseinbußen. Seit Anfang Juli sei das Wachstum vielerorts deutlich ins Stocken geraten, sodass weitere Schnitte ausgeblieben sind. Ob ein später Schnitt noch nennenswerte Erträge bringt, hänge von weiteren Niederschlägen ab.
Besonders dramatisch sei die Situation beim Mais. Auf einzelnen Standorten müsse bereits jetzt mit massiven Ertragseinbußen bis hin zu Totalausfällen gerechnet werden. „Für viele Betriebe entscheidet sich erst in den kommenden Wochen, wie groß der wirtschaftliche Schaden tatsächlich wird“, warnt Deckers.
Die diesjährige Erntebilanz wertet der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Heinsberg als weiteres Warnsignal für die wirtschaftliche Lage der Betriebe. „Unsere Familienbetriebe brauchen bessere Rahmenbedingungen, die die Produktion nicht zusätzlich verteuern“, führt Deckers aus. Notwendig seien wettbewerbsfähige Energie- und Betriebsmittelpreise sowie konkrete politische Antworten auf die zunehmenden Marktrisiken.
Aus seiner Sicht ist dabei die Politik gefordert, den wachsenden Ungleichgewichten in der Wertschöpfungskette entgegenzutreten. Während Verbraucherinnen und Verbraucher für Lebensmittel stetig mehr bezahlen müssten, komme davon bei den landwirtschaftlichen Betrieben nichts an. „Wer heimische Lebensmittelproduktion sichern will, muss den Betrieben wieder wirtschaftliche Perspektiven geben“, so Deckers.
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