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Emmerich | RP ONLINE · Aug 21, 2026

Untersuchungen des Reeser Brunnenwassers: Zu viel Nitrat, zu wenig Planungssicherheit

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Markus Balser · RP ONLINE

Untersuchungen des Reeser Brunnenwassers Zu viel Nitrat, zu wenig Planungssicherheit

21.08.2026 · 13:03 Uhr

 Harald Gülzow im Labormobil beim Analysieren einer Brunnenwasserprobe.

Harald Gülzow im Labormobil beim Analysieren einer Brunnenwasserprobe.

Foto: VSR-Gewässerschutz e.V.

Rees · Der VSR-Gewässerschutz hat Wasserproben aus Reeser Brunnen untersucht und ausgewertet. Wo es im Ortsgebiet die höchsten Nitratwerte gab und was die Organisation von der Politik fordert, damit die Landwirtschaft helfen kann.

Hohe Nitratwerte im Grundwasser sind ein Problem, weil sie die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden, die Natur belasten und die Aufbereitung von Trinkwasser sehr teuer machen. Gesundheitsschädlich ist Nitrat deshalb, weil es im Körper zu Nitrit werden kann. Das stört den Sauerstofftransport im Blut, was besonders für Säuglinge gefährlich ist. Aus Nitrit können sich im Magen-Darm-Trakt zudem Nitrosamine bilden, die als krebserregend gelten. Zu viel Nitrat im Ökosystem schadet auch der Artenvielfalt: Bestimmte Pflanzen und Tiere, die nährstoffarme Böden brauchen, sterben ab oder werden von anpassungsfähigen Arten verdrängt.

52 Proben aus Rees untersucht

Der VSR-Gewässerschutz macht schon seit Jahrzehnten auf dieses Problem aufmerksam. Ende Juli war die gemeinnützige Organisation mit einem Labormobil in Rees auf dem Marktplatz, um Brunnenwasseranalysen anzubieten. 52 Bürger gaben Wasserproben aus ihren Gartenbrunnen ab. „Wir analysierten die Wasserproben und erstellten für jede Probe ein ausführliches Gutachten zur Nutzungsmöglichkeit des jeweiligen Brunnenwassers, welches wir den Brunnenbesitzern zusandten. Damit möchten wir dazu beitragen, dass im Garten das oberflächennahe Grundwasser genutzt wird und die Trinkwasservorräte geschont werden“, erklärt Harald Gülzow, der das Projekt Brunnenwasseruntersuchungen koordiniert.

Inzwischen hat die Organisation auch die Nitratergebnisse aus Rees und Umgebung ausgewertet, um die Entwicklung der Nitratbelastung im Grundwasser zu beobachten. „Die bisherigen Messwerte zeigen, dass die ständigen Änderungen bei den Düngeregelungen auf den Feldern nicht dazu beigetragen haben, die Nitratbelastung erfolgreich zu reduzieren“, so Gülzow.

Er mahnt Planungssicherheit für die Landwirte an. Diese sei dringend notwendig, damit landwirtschaftliche Betriebe aktiv dazu beitragen können, durch eine Kombination von Maßnahmen die Nitratkonzentration im Grundwasser zu verringern.

Die 1991 verabschiedete EU-Nitratrichtline besagt, dass die Nitratbelastung von 50 mg/l im Grundwasser nicht überschritten werden darf. Die nationalen Regierungen sind seitdem dazu aufgefordert, diese Forderung mittels Gesetzgebung entsprechend umzusetzen. In Deutschland zeige sich allerdings auch nach annähernd 35 Jahren keine wirkliche Orientierung auf dieses Ziel hin. „Es wirkt so, als drehe sich fast jede Änderung der Düngegesetze ausschließlich um die Frage, wie man einer Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof entgehen kann“, so Gülzow.

Jede neunte Probe überschreitet Werte

Auch hier in der Region seien die negativen Folgen dieser Politik sichtbar. „In jeder neunten. Probe aus den privat genutzten Brunnen stellten wir eine Überschreitung von 50 mg/l Nitrat fest“, erklärt Harald Gülzow. Besonders kritisch sieht er die hohen Belastungen in den Gartenbrunnen in Bienen mit 101 mg/l und in Haldern mit 82 mg/l. Andere Brunnen seien nicht so stark belastet, überschritten aber trotzdem deutlich den Grenzwert der Nitratrichtlinie. So fand der VSR-Gewässerschutz in Millingen 61 mg/l Nitrat.

Um die Nitratrichtlinie umzusetzen, gehörten viele landwirtschaftlichen Flächen mit hoher Nitratbelastung im Grundwasser von 2022 bis 2025 zu den „Roten Gebieten“, in denen strengere Düngeauflagen galten. Diese Auflagen sind aber aktuell ausgesetzt worden. Der VSR-Gewässerschutz ist besorgt, dass sich die Nitratbelastung in den nächsten Jahren auch nicht verringern wird, weil keine zusätzlichen Maßnahmen in diesen nitratbelasteten Gebieten mehr erfolgen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Kriterien, nach denen diese „Roten Gebiete“ festgelegt wurden, als zu ungenau bewertet. Aus diesem Grund haben alle Bundesländer die Ausweisung dieser belasteten Gebiete aufgehoben. „Wir sind fassungslos, wie schlampig die Umsetzung der Nitratrichtlinie angegangen wird“, sagt Harald Gülzow. Er fordert möglichst schnell eine Nachbesserung, damit in den besonders nitratbelasteten Bereichen eine weitere Verringerung der Nitratbelastung erreicht wird.

Nicht nur Düngemengen betrachten

Sein Fazit aus den bisherigen Auswertungen: „Es reicht nicht, nur die Düngemengen zu betrachten. Es müssen mehrere landwirtschaftliche Maßnahmen kombiniert werden“, sagt Harald Gülzow. Die Pflicht zum Anbau von Zwischenfrüchten in den „Roten Gebieten“ bewertet er als sehr zielführend. Diese verhindern, dass die übriggebliebenen Stickstoffe bei Regenfällen ins Grundwasser ausgewaschen werden.

Im Kreis Kleve bestehen die landwirtschaftlichen Flächen zu 66 Prozent aus Ackerflächen. Dort sei die Gefahr der Nitratauswaschung höher, als unter Grünland. Das liege daran, dass Grünland eine ganzjährige ununterbrochene Begrünung der Fläche mit einer intensiven Durchwurzelung aufweise und dadurch das Nitrat aus dem Dünger weniger ausgewaschen werde. Das sei bei Ackerflächen nicht der Fall. Besonders hoch sei die Nitratverlagerung im Winter unter Feldern, die keine Bodenbedeckung aufweisen. Der VSR-Gewässerschutz fordert daher den verpflichtenden Anbau von Zwischenfrüchten in den nitratbelasteten Bereichen. Weiterhin dürfe es im Winter keine Felder ohne Bewuchs geben. Auch Agroforst, die Kombination von Land- und Forstwirtschaft, stelle eine gute Ergänzung dar, um die Verlagerung der Stickstoffe in die Tiefe zu verhindern.

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