Der Chinese gewinnt beim 3:1-Sieg beide Einzel Fan Zhendong begeistert bei magischer Borussia-Nacht
23.08.2026 · 00:14 Uhr
Düsseldorf · Feuersäulen zum Einlauf, spektakuläre Ballwechsel und ein dramatisches Finale: Fan Zhendong feiert bei Borussias Heimpremiere einen perfekten Einstand. Der Superstar gewinnt beide Einzel, doch der 3:1-Sieg gegen Bad Königshofen ist ein hartes Stück Arbeit. Am Ende sorgt eine Netzkante für den umjubelten Schlusspunkt.
Fan Zhendong feiert bei Borussias Heimpremiere ein perfektes Bundesliga-Debüt – knapp 4000 Zuschauer erleben in der Mitsubishi Electric Halle einen langen, spektakulären Tischtennisabend. Es ist 23.10 Uhr, als Fan Zhendong den Ball im Spiel gegen Filip Zeljko verwandelt, Borussias 3:1-Sieg gegen Bad Königshofen perfekt macht und es die Zuschauer von den Sitzen reißt. Sie schwenken Fan-Zhendong-Fahnen und feiern den chinesischen Superstar. Kurz darauf schießen noch einmal die Feuersäulen in die Höhe. Der lange Abend hat seinen Höhepunkt erreicht.
Mehr als fünf Stunden zuvor hatte die Borussia-Heimpremiere bereits spektakulär begonnen. Auch beim Einlaufen der Mannschaften gibt es in der abgedunkelten Halle die Flammen, die Besucher sorgen für eine Atmosphäre, wie sie es so beim deutschen Rekordmeister noch nicht gegeben hat. Die große Bühne passt zum Anlass: Fan Zhendong, Olympiasieger, zweimaliger Weltmeister und einer der größten Namen des Welttischtennis, bestreitet sein erstes Bundesliga-Heimspiel für Borussia Düsseldorf.
Fan gewinnt beide Einzel
Und der Superstar liefert. Tatsächlich hätte sich die Premiere kaum besser inszenieren lassen. Fan gewinnt beide Einzel und hat damit maßgeblichen Anteil am Düsseldorfer 3:1-Erfolg. Doch der klare Endstand täuscht ein wenig darüber hinweg, wie hart die Borussia arbeiten musste. „Es war ein Spiel auf Augenhöhe“, sagt Borussias Dang Qiu. „Wir haben letztendlich klar gewonnen, aber es hat sich nicht so angefühlt.“
Bertelsmeier ohne Respekt
Das liegt auch an André Bertelsmeier. Der 19-Jährige, U21-Europameister und eines der größten deutschen Talente, begegnet Fan im Auftaktspiel des Abends ohne jeden Respekt. Mit mutigem Spiel, einer starken Rückhand und beeindruckender Sicherheit bringt er den Superstar im ersten Satz immer wieder in Bedrängnis. Bei 9:9 ist alles offen, Bertelsmeier holt sich die nächsten beiden Punkte. Fan muss sich mit einem verlorenen Satz abfinden.
Doch der Chinese findet seinen Rhythmus. Im zweiten Durchgang wird er aggressiver, bewegt sich besser und beginnt, seine ganze Klasse zu zeigen. Schon beim ersten Punkt gibt es einen spektakulären Ballwechsel, der die Zuschauer von den Sitzen reißt. Fan holt sich den Satz mit 11:5. Auch der dritte Durchgang ist ein offener Schlagabtausch. Bei 7:7 sorgt Bertelsmeier mit einem Punktgewinn nach einer spektakulären Ballonabwehr für einen der besten Ballwechsel des Abends. Doch Fan antwortet, übernimmt erstmals die Kontrolle und gewinnt den Satz mit 11:8.
Zauberbälle des Chinesen
„Fan war besser, als ich nach der langen Sommerpause und ohne Wettkampf erwartet hatte“, sagt Borussia-Legende Timo Boll später. Im vierten Satz ist dieser Fan Zhendong dann endgültig angekommen. Bei Fans 5:2-Führung nimmt Bertelsmeier die erste Auszeit. Der Youngster gibt nicht auf, kämpft sich auf 7:7 heran. Dann folgen zwei Zauberbälle des Chinesen. Erst eine Rückhand an der Netzkante entlang, dann ein weiterer spektakulärer Punkt zum 9:7. Die Halle tobt. Fan bringt den Satz mit 11:9 nach Hause und gewinnt damit 3:1 (9:11, 11:5, 11:8, 11:9).
Doch die Borussia kann sich nicht lange zurücklehnen. Denn Kanak Jha erlebt gegen Filip Zeljko einen Abend zum Vergessen. Der Kroate setzt den US-Amerikaner mit seinem schnellen, druckvollen Spiel von Beginn an unter Druck. Jha liegt im ersten Satz früh 0:5 zurück, im zweiten sogar 0:8. Zwar kämpft er sich zurück und gewinnt den dritten Durchgang mit 11:6, doch Zeljko bleibt cool.
Kanak Jha verliert
Als Jha im vierten Satz noch einmal auf 8:9 herankommt und später sogar zum 10:10 ausgleicht, scheint das Comeback möglich. Zeljko bleibt jedoch nervenstark und gewinnt 12:10. Jha verliert 1:3 (8:11, 3:11, 11:6, 10:12) – und plötzlich ist die Heimpremiere wieder völlig offen.
Nun muss Dang Qiu liefern. Gegen den unangenehm zu spielenden Taiwaner Youngster Liao Cheng-Ting findet Qiu zunächst nicht in sein Spiel. Beim Stand von 0:4 und später 1:6 läuft er einem Rückstand hinterher. Zwar kämpft er sich noch einmal heran, doch der erste Satz geht mit 8:11 an Liao.
Dang Qiu verletzt
Im zweiten Satz verletzt sich Qiu an der Schlaghand, als er bei einer Rückhand die Tischkante touchiert. Die Hand blutet. Nach einer kurzen Behandlungspause spielt er weiter – und gewinnt den Satz mit 11:8. Es wird ein dramatisches Duell. Qiu führt im dritten Satz 10:7, hat drei Satz- und Matchbälle – und verliert dennoch 10:12. Doch der Düsseldorfer lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. Mit tollen Rallys und hohem Tempo holt er den vierten Satz mit 11:5.
Im Entscheidungssatz ist Qiu dann der dominante Spieler. Er führt 10:4 und verwandelt den ersten von sechs Matchbällen zum 11:4. Qiu gewinnt 3:2 (8:11, 11:8, 10:12, 11:5, 11:4). Ein hart erkämpfter Punkt – auch wegen der Verletzung an der Schlaghand. Später zollt Qiu seinem Gegenüber viel Respekt. „Ich musste gut spielen, um das Spiel herumzureißen“, sagt er.
Fan im Flow
Damit steht es 2:1 für Borussia, und Fan Zhendong hat die Chance, die Heimpremiere endgültig zu entscheiden. Gegen Zeljko scheint der Favorit zunächst keinen Zweifel aufkommen zu lassen. Fan gewinnt den ersten Satz 11:4, den zweiten sogar 11:3. Doch Zeljko hat längst bewiesen, dass er an diesem Abend für Überraschungen gut ist. Plötzlich geht der Kroate volles Risiko. Fan gerät mit 4:5 in Rückstand, später mit 7:8. Dann dreht Zeljko den Satz mit vier spektakulären Punkten in Folge und gewinnt tatsächlich 11:9.
Die Halle steht Kopf. Auch im vierten Satz ist Zeljko zunächst auf Augenhöhe. Nach einer 5:3-Führung von Fan dreht der Bad Königshofener das Spiel und führt 7:5. Doch Fan bleibt ruhig. Er beantwortet die Risiko-Bälle seines Gegners mit enormem Tempo, spielt die Rückhand mit einer Präzision, die die Zuschauer immer wieder staunen lässt. 9:7, 10:8 – doch Zeljko gleicht noch einmal zum 10:10 aus.
Die Netzkante entscheidet
Fan zeigt keine Nerven. Eine faszinierende Rückhand bringt ihm den nächsten Punkt. 11:10. Zeljko gleicht noch einmal aus. Dann 12:11. Und schließlich ist es ausgerechnet die Netzkante, die den Abend beendet: 13:11. Fan Zhendong gewinnt 3:1 (11:4, 11:3, 9:11, 13:11) und macht damit den 3:1-Erfolg der Borussia perfekt.
Fan steht mit erhobenen Armen am Tisch. Seine Premiere ist perfekt. Zwei Einzel, zwei Siege – und ein Abend, den die Menschen in der Halle so schnell nicht vergessen werden. „Für Fan freue ich mich“, sagt Qiu. „Er hat echt gut gespielt nach so einer langen Pause.“ Und auch der Gegner zieht den Hut. Bad Königshofens neuer Trainer Timo Neumann sagt: „Es gibt Dinge, mit denen ich nicht zufrieden bin, aber wir haben insgesamt gut gespielt. Wir hatten uns tatsächlich hier auch etwas erhofft, das hat nicht geklappt. Mir hat das Event hier viel Spaß gemacht.“
Das dürfte auch für die Besucher gelten, die ein echtes Tischtennisfest erlebten. Sie erleben eine Borussia, die kämpfen musste, einen Gegner, der sich keineswegs versteckte, einen Superstar, der seine Klasse immer wieder aufblitzen ließ.
Es war eine lange, laute und ziemlich magische Nacht in Düsseldorf.
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