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Düsseldorf | RP ONLINE · Aug 21, 2026

Nach Lizenzstreit mit der Handball-Bundesliga: Krefeld startet zu Hause gegen Interaktiv in Liga drei

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Markus Plüm, Georg Amend · RP ONLINE

Nach Lizenzstreit mit der Handball-Bundesliga Krefeld startet zu Hause gegen Interaktiv in Liga drei

21.08.2026 · 14:15 Uhr

Das Logo der Handball-Bundesliga wird in der kommenden Saison wohl nicht auf dem Hallenboden der HSG Krefeld zu finden sein.

Foto: dpa/Tom Weller

Krefeld/Düsseldorf/Ratingen · Das Begehren der HSG, per einstweiliger Verfügung doch noch in die 2. Handball-Bundesliga zu rücken, wurde vom Landgericht Dortmund abgelehnt – dabei gehen in Nordhorn offenbar die Lichter aus. In einer Woche gibt es den Drittliga-Auftakt gegen Interaktiv Düsseldorf-Ratingen.

Seit Wochen schwelt nun der Streit zwischen dem Handball-Drittligisten HSG Krefeld und der Handball-Bundesliga um das Lizenzierungsverfahren der HSG Nordhorn-Lingen. Nach eigener Darstellung zweifeln die Krefelder daran, dass Nordhorn die Lizenz für die neue Saison hätte erhalten dürfen. Die Krefelder werfen dem Konkurrenten vor, im Lizenzierungsverfahren falsche Angaben zu seiner finanziellen Situation gemacht zu haben. Daher hatte der sportlich abgestiegene Verein vergangene Wochen beim Landgericht Dortmund eine einstweilige Verfügung beantragt, um die Handball-Bundesliga (HBL) unter anderem dazu zu verpflichten, die HSG kurzfristig doch noch für den Spielbetrieb in der 2. Liga zuzulassen.

Das Ergebnis war mit Spannung erwartet worden. Doch für die HSG Krefeld ist es kein zufriedenstellendes geworden. Denn das Begehren der Krefelder, per einstweiliger Verfügung noch für den Spielbetrieb der 2. Bundesliga zugelassen zu werden, ist am Mittwoch von der 8. Zivilkammer für Kartellsachen des Landgerichts Dortmund abgewiesen worden. Das wurde am Nachmittag bekannt, die Urteilsbegründung steht allerdings noch aus.

Um 10 Uhr hatte die Verhandlung in Saal 247 des Landgerichts begonnen. Die Klägerseite wurde durch HSG-Geschäftsführer Andre Schicks sowie die beiden Rechtsanwälte Helge-Olaf Käding und Dr. Michael Kintrup vertreten. Für die Handball-Bundesliga waren Rechtsanwalt Andreas Thiel, Geschäftsführer Frank Bohmann, Spielleiter Andreas Wäschenbach und Steuerberater Olaf Rittmeier vor Ort. Bohmann und Rittmeier sind auch Teil der Lizenzierungskommission, die mit Blick auf die wirtschaftlichen Voraussetzungen bei der HSG Nordhorn-Lingen letztlich keine Bedenken hatte.

Bis zu 1,4 Millionen Euro sollen fehlen

Dabei befinden sich die Emsländer offenbar schon länger in finanzieller Schieflage. Denn erst am Dienstagabend war bekannt geworden, dass der Klub offenbar einen Insolvenzantrag stellen wird. Das berichtete die „Sport Bild“. Demnach habe Michael Jonker, der neue Geschäftsführer der Nordhorner, dem Team am Dienstagvormittag beim Training angeblich mitgeteilt, dass er einen Insolvenzantrag stellen müsse, wenn „nicht noch ein Wunder geschehe“, heißt es. Dem Bericht zufolge soll beim deutschen Vizemeister von 2002 und EHF-Pokal-Sieger von 2008 Kostenpflichtiger Inhalt inzwischen ein finanzielles Loch von 1,4 Millionen Euro in der Kasse klaffen. Bis zuletzt war von lediglich 800.000 Euro die Rede gewesen.

Nordhorn-Lingen hatte die Lizenz für die 2. Handball-Bundesliga im April noch ohne Auflagen erhalten. Widersprüchliche Jahresabschlüsse hatten bei der HSG Krefeld zuletzt allerdings arge Bedenken ausgelöst, dass der letztjährige Ligakonkurrent wahrheitsgemäße Angaben im Lizenzierungsverfahren gemacht hatte. Auf eigene Faust stellte man die Angaben infrage und war jüngst auch schon zivilrechtlich gegen die Entscheidung der HBL vorgegangen.

Ist die Nichtzulassung eine Diskriminierung der HSG?

Die neuen Entwicklungen hatten auf die Verhandlung am Mittwoch derweil keine Auswirkungen. Denn dort ging es um die Frage, inwieweit das Kartellrecht in diesem Fall überhaupt greife und ob die HSG Krefeld mit der Nichtzulassung zum Spielbetrieb der 2. Bundesliga eine „Diskriminierung“ erfahre. Drei Stunden lang tauschten die beiden Parteien ihre Argumente aus, zweimal wurde die Verhandlung unterbrochen. Nachdem die bislang bekannten Sachverhalte erörtert worden waren, merkte der Vorsitzende Richter Prof. Dr. Klumpe an, dass der Handball mit Blick auf Aspekte in Durchführungs- und Lizenzordnung nicht ganz schlecht aufgestellt sei. Er merkte aber gleichzeitig an: „Auch für Nordhorn gilt Kartellrecht. Sie haben das Recht auf eine verhältnismäßige Bestrafung.“

In der Folge legten die Vertreter der HSG Krefeld dar, dass aus ihrer Sicht die Lizenzierungskommission schon Ende Januar, als der Nordhorner Geschäftsbericht korrigiert werden musste, „härtere“ Berichtspflichten hätte anfordern müssen. Krefeld brachte Unterlagen ein, dass ein Wirtschaftsprüferbericht der HSG Nordhorn-Lingen nicht die eigentlichen Anforderungen erfüllt habe und kritisierte, dass dieser nicht zurückgewiesen wurde.

Fünf Wirtschaftsprüfer hatten keine Beanstandung

Dem widersprachen die Liga-Verantwortlichen insofern, als dass insgesamt fünf Wirtschaftsprüfer keine Beanstandung an den Unterlagen hatten und der Zwischenbericht zum Jahresende auch eine Reduzierung des negativen Eigenkapitals gezeigt hätte. „Es gab keinen Anlass, die Lizenz zu entziehen“, befand Liga-Anwalt Andreas Thiel.

Letztlich war offenbar auch der Vorsitzende Richter dieser Meinung. Der HSG bleibt noch die Möglichkeit, die nächsthöhere Instanz anzurufen – das wäre das Oberlandesgericht in Düsseldorf. Die Zeit läuft den Krefeldern allerdings davon, denn sowohl der Spielbetrieb in der 2. Bundesliga als auch der in der 3. Liga Süd-West startet bereits am 28. August.

Noch keine Spielpläne – wohl wegen Handball 360

Einen Tag später, am Samstag, 29. August soll die HSG in die 3. Liga starten – mit einem Heimspiel gegen Interaktiv Handball Düsseldorf-Ratingen ab 19.30 Uhr in der Krefelder Glockenspitz-Halle. Das geht zumindest aus den Eintragungen auf der Homepage der HSG hervor, denn bislang hat es der Deutsche Handballbund (DHB) als für die Spielklasse verantwortlicher Verband noch nicht geschafft, komplette Spielpläne für die Drittliga-Staffeln zu veröffentlichen. Das hängt offenbar mit dem neuen Verbandsmanagement-System „Handball 360“ zusammen. Weil es damit bundesweit immer noch massive Probleme gibt, haben unter anderem die Handball-Verbände (HV) Berlin, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen-Bremen oder Hessen bereits entschieden, wie bisher mit dem System „nuliga“ in die Saison zu starten. Der HV Nordrhein wartet derweil noch ab.

Ohne offizielle Spielpläne zur 3. Liga müssen sich potenzielle Besucher der Spiele auf die Eintragungen der Vereins-Homepages verlassen. Bei Interaktiv steht da unter der Rubrik „Tickets“ als erstes Heimspiel der in einer Woche beginnenden Saison die Partie gegen die HSG Hanau am Samstag, 5. September ab 17.30 Uhr in der Sporthalle Gothaer Straße in Ratingen-West.

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