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Ronald Engert · May 17, 2026

Ein Buch, das ich für euch geschrieben habe

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Ronald Engert · Ronald Engert

Edmund Husserl ist einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Und gleichzeitig einer der am wenigsten gelesenen, weil sein Schreiben für die meisten Menschen unzugänglich ist. Das hat mich seit Jahren beschäftigt: Hier ist jemand, der die Krise der modernen Wissenschaft präziser beschreibt als fast jeder andere, der einen methodischen Ausweg zeigt, der für Spiritualität und Erkenntnis gleichermaßen relevant ist – und er wird kaum gelesen.

Ich habe Husserls letztes großes Werk, die »Krisis der europäischen Wissenschaften«, so genau wie möglich gelesen, durchdacht und in eine zugänglichere Sprache übersetzt. Ohne den Inhalt zu verraten.

»Wenn es gelingt, die tiefe Schönheit und Stringenz von Husserls Überlegungen zu erfassen und zu verstehen, ist das ein wichtiger Beitrag zur Erkenntnis der Welt und des Menschen. Das kann helfen, die Menschheit und Mutter Erde aus ihrer verfahrenen Situation zu befreien. Allein deshalb wurde dieses Buch geschrieben.«

— Aus der Vorbemerkung

Ich weiß, das ist ein großer Satz. Ich meine ihn ernst.

Das Buch ist so aufgebaut, dass es auf verschiedenen Tiefen gelesen werden kann. Vier Ebenen durchziehen es:

1. Die phänomenologische Beschreibung
Was Husserl wirklich sagt, so präzise und zugänglich wie möglich. Epoché, Lebenswelt, transzendentale Subjektivität.

2. Die transzendentale Implikation
Was es bedeutet, dass das erkennende Subjekt nicht raumzeitlich lokalisierbar ist.

3. Die ontologische Deutung
Das Subjekt als geistiges, nicht-materielles Wesen – eine Konsequenz, die Husserl offenlässt und die ich im Buch ausarbeite.

4. Die Verbindung zur vedischen Philosophie
Die älteste Weisheitstradition der Welt beschreibt ewige, individuelle Subjekte. Das Buch fragt: Sind das dieselben, die Husserl phänomenologisch erschließt?

In der Vorbemerkung schreibe ich: »Ich empfehle, das Buch nur in gut ausgeruhtem und erholtem Zustand zur Hand zu nehmen, am besten morgens, wenn der Geist noch wach und leer ist.« Das klingt vielleicht eigenartig, ist es aber nicht. Husserls Gedankengänge brauchen Aufmerksamkeit. Wer ihnen folgen kann, findet eine echte Erfahrung.

Epoché ist ein griechisches Wort und bedeutet: Innehalten, Suspension. Husserl meint damit die vollständige Aussetzung aller Wertungen, Intentionen und Stellungnahmen: das absichtslose, nicht-wertende, reine Schauen.

Nicht: »Ich denke, dass...« Nicht: »Ich will, dass...« Nicht: »Das bedeutet...« Sondern: einfach schauen, was sich zeigt, bevor jede Interpretation einsetzt.

Das ist methodisch das Radikalste, was ein Erkenntnistheoretiker tun kann: Die eigene Erkenntnishaltung vollständig in die Schwebe bringen, um zu sehen, was darunter liegt.

Hier möchte ich etwas sagen, das ich im Buch ausführlich belege: Husserls Epoché weist eine strukturelle Ähnlichkeit mit dem auf, was spirituelle Traditionen als reines Sehen, Schau oder kontemplatives Innehalten beschreiben.

Husserl war kein Mystiker. Er spricht weder von Erleuchtung noch von Gott noch von spiritueller Erfahrung. Er bleibt streng im Bereich der Philosophie. Aber was er beschreibt – das Innehalten vor jeder Interpretation, das Nichtbewerten, das absichtslose Wahrnehmen –, das ist strukturell dasselbe, was spirituelle Traditionen in allen Kulturen und zu allen Zeiten als Vorbedingung echter Erkenntnis beschrieben haben.

Nicht identisch. Aber analog. Und diese Analogie ist philosophisch bedeutsam, weil sie zeigt, dass es möglicherweise eine Erkenntnisform gibt, die jenseits der begrifflichen Analyse liegt und die sowohl Husserl als auch die Weisheitstraditionen anvisieren.

Für Menschen, die an der Schnittstelle von Wissenschaft und spiritueller Kultur stehen, ist das eine wichtige Aussage: Wir müssen uns nicht zwischen methodischer Philosophie und kontemplativer Praxis entscheiden. Husserl zeigt, dass beides auf dieselbe Erkenntnisstruktur verweist.

Das »Geistige Sehen«, das ich im Buch ausarbeite, ist der Versuch, diese Verbindung präzise zu benennen: eine Form der Erkenntnis, die über das rein rationale Denken hinausgeht, ohne in Beliebigkeit oder Irrationalismus zu fallen. Eine erweiterte Vernunft, wie ich es im Buch nenne.

https://verlag.koenigshausen-neumann.de/product/9783826097829-subjektivitaet-und-welt/

Video dazu:

Subjektivität und Welt – was ist die Epoché?

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May 7

»Die Suspension aller Wertung, Intention und Stellungnahme, um zum reinen Schauen zu kommen.« – Das ist Husserls Epoché in einem Satz. In meinem Buch »Subjektivität und Welt« zeige ich, dass diese Methode nicht nur philosophiegeschichtlich interessant ist – sondern auch eine erkenntnistheoretische Antwort auf die Krisen unserer Zeit gibt: Fake News, Sin…

Headerbild: © Adobe Photostock

Read the original on ronaldengert.substack.com

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