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Rejuvenators · Oct 29, 2023

Sie können auch mit Risikofaktoren gesund alt werden: Die erstaunliche Statistik

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Dr. Lutz E. Kraushaar · Rejuvenators

Ein Reviewer eines meiner Fachartikel [1] nannte mein Argument idiotisch. In etwas höflicherer Form, aber trotzdem unmissverständlich. Der Grund:

Ich hatte argumentiert, dass es besser wäre, die Krankheitsprävention auf den Kopf zu stellen: Robust machen statt Bange machen.

Zum Beispiel:

Statt den Leuten Angst vor erhöhtem Blutdruck einzujagen, ihnen helfen, sich gegen seine Auswirkungen robust zu machen.

Denn jeder Mensch ist robust gegen einige Risikofaktoren, und kein Risikofaktor schadet allen Menschen.

Da wir die Robustheit genauso messen und beeinflussen können wie Risikofaktoren, könnte Robustheit DER Anti-Risikofaktor sein.

Definition: Robustheit ist die Fähigkeit eines Organismus, eine Funktion (bspw. Herz-Kreislauffunktion) angesichts eines Stressors (bspw. Bluthochdruck oder abträgliches Gesundheitsverhalten) aufrechtzuerhalten [2].

Seit 50 Jahren hämmern wir den Menschen ein, dass Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Konsorten fiese Konsequenzen haben: Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz und Krebs.

Seit 50 Jahren leiern wir die immer gleichen Gesundheitsempfehlungen herunter (nicht dick werden, mehr bewegen, gesünder essen, blablabla).

American Heart Association | Life's Simple 7

Und seit 50 Jahren erreichen wir…

Nichts!

Im Gegenteil.

immer mehr Menschen werden immer dicker, und laufen mit immer mehr Risikofaktoren in ein immer kränkeres Pensionsalter [3].

Heute müssen 65-jährige Männer bis zum Lebensende im Schnitt rund 12 Jahre lang blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. Vor 25 Jahren waren das noch 6 Jahre [4].

Wenn seit 50 Jahren nur drei von 100 Erwachsenen die Note 1 bei allen 7 Gesundheitsempfehlungen schaffen, sollten wir mal hinterfragen, was wir da machen.

Denn…

„Idiotie ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

(fälschlicherweise Albert Einstein zugeschrieben, aber trotzdem korrekt).

Stellen Sie sich vor, Sie sind Mitte 50 und erfüllen nur eine (egal welche) der 7 Gesundheitsempfehlungen.

Wie schätzen Sie Ihre Chance ein, die nächsten 30 Jahre verschont zu bleiben von Herz-Kreislauferkrankungen?

Die korrekte Antwort lautet: Fifty-fifty! [5]

Das heißt, jeder zweite in der Gruppe ist resistent gegen die Nichterfüllung von 6 Gesundheitsempfehlungen.

Bei den harten Risikofaktoren sieht’s ähnlich aus: Bluthochdruck, hoher Cholesterinspiegel, Diabetes und Rauchen. Mindestens zwei davon zu haben, ist immer noch keine Garantie für Herzinfarkt und Schlaganfall:

Fünf von zehn Frauen und drei von zehn Männern verbringen den Rest ihres Lebens ereignisfrei [6] [7].

Diese Gewinner der Gesundheitslotterie vermeiden zufällig genau jene Gesundheitssünden und Risikofaktoren, die ihnen andernfalls Krankheit und vorzeitigen Tode bescheren würden.

In der Verlierergruppe kann man aber schon mit einem einzigen Fehlgriff landen: von denen, die sechs der 7 Gesundheitsempfehlungen befolgen, wird immerhin noch jeder Zehnte krank.

Community Prevalence of Ideal Cardiovascular Health, by the American Heart Association Definition, and Relationship With Cardiovascular Disease Incidence [5]

Allerdings weiß die Medizin nicht im Voraus, wer wie robust gegen welche Entgleisungen ist.

Sie weiß also nicht, ob die Behandlung eines Risikofaktors (bspw. erhöhter Blutdruck) dem Behandelten auch wirklich nutzt.

Hippokrates wusste schon vor 2500 Jahre, warum das so ist:

„Es ist wichtiger den Menschen zu kennen, der eine Krankheit hat, als die Krankheit zu kennen die ein Mensch hat“ Hippokrates

Deutlich wird das in der gerne verheimlichten Number Needed To Treat (NNT).

Sie besagt wie viele Patienten mit einem Medikament (bspw. einem Blutdrucksenker), oder einer Intervention, behandelt werden müssen, um ein einziges Krankheitsereignis zu vermeiden.

Für blutdrucksenkende Medikamente liegt die NNT bei 63 (bei herzgesunden Personen mit einem systolischen Blutdruck zwischen 130 und 159mmHg) [8].

Das heißt, von 63 Personen, die das Medikament nehmen, vermeidet nur eine Person den Herzinfarkt.

Die übrigen 62 sind so robust gegen den erhöhten Blutdruck, dass ihnen auch ohne das Medikament der Infarkt erspart geblieben wäre.

Mit diesem Tunnelblick auf Risikofaktoren erkennt die Medizin nie, wer die eine Person ist, und wer die übrigen 62.

Das ist profitabel für Pillendreher, aber problematisch für Patienten. Dann nämlich, wenn sie unter Nebenwirkungen leiden.

Würden wir Robustheit messen, bräuchten die 62 Personen keine Blutdruckpillen.

Und könnte er seine Robustheit durch Lebensstilmaßnahmen stärken, wäre auch dem einen Herzinfarktkandidaten geholfen.

Würden wir die Robustheit messen und stärken, wäre sie DER Anti-Risikofaktor.

Dass das geht, wissen wir aus der noch jungen Wissenschaft der Gerontologie (der Wissenschaft des Alterns).

„Nur was man messen kann, kann man auch lenken.“ Peter F. Drucker

Vorweg die kurze Antwort: über das biologische Alter.

Nicht das kalendarische Alter, denn wir alle altern unterschiedlich schnell. Mit 40 Jahren kann man im Körper eines fitten Mit-Zwanzigers stecken, oder in dem eines chronisch kranken 60-Jährigen [9].

Für die Gerontologen ist die fortschreitende Beeinträchtigung körperlicher Funktionen das Markenzeichen des biologischen Alterns [10].

Und da biologisches Altern einhergeht mit schwindender Robustheit gegen Krankheit und Tod, ist die körperliche Funktion die Messlatte für beides [11].

Biologisches Altern = Funktionsbeeinträchtigung = geringere Robustheit [2].

Das gilt ganz besonders auch für die Herz-Kreislauffunktion.

Für die gibt es einen Vitalparameter – die Elastizität der Gefäße.

Je elastischer die sind, um so besser ist ihre Funktionsfähigkeit, und umso robuster ist das Herz-Kreislaufsystem. Auch gegen einen erhöhten Blutdruck.

Ich bin nicht der Einzige, der davon überzeugt ist, dass das biologische Gefäßalter in die Präventionsmedizin gehört.

Denn das Konzept des Early Vascular Aging (EVA – vorzeitige Gefäßalterung) hat sich mittlerweile bewährt als unabhängiger Vorhersager von Herzinfarkt, Schlaganfall und Co. [12].

„Unabhängig“ von der Last der Risikofaktoren und Lebensstilsünden.

Ebenso ist die supernormale Gefäßalterung (SUPERNOVA) - das Gegenteil von EVA - ein anerkannter Schutzfaktor.

Bildlegende: Early and Supernormal Vascular Aging | Clinical Characteristics and Association With Incident Cardiovascular Events [12]

Praktisch heißt das, wenn Sie mit Ihrem Lebensstil biologisch jüngere Gefäße haben als ich mit meinem, obwohl wir chronologisch gleichalt sind, dann werden Sie wahrscheinlich ereignisfrei weiterleben, während ich schleunigst was ändern sollte.

In einem Fachartikel haben meine Ko-Autoren und ich den Nachweis geführt [13]:

Biologisch jüngere Menschen mit Risikofaktoren überlebten länger als ihre kalendarisch gleichaltrigen, aber biologisch älteren, Zeitgenossen. Das galt sogar für jene, die schon ein Herz-Kreislaufereignis hatten.

Genau deshalb halte ich die Stärkung der Robustheit für die überlegene Präventionsstrategie.

Denn das Wissen um die Robustheit:

  • nimmt die Angst vor Risikofaktoren

  • vereinfacht die Optimierung des Lebensstils

  • erhöht die Lebens- und Gesundheitserwartung

Der große Vorteil: Sie brauchen nur die Gesundheitsempfehlungen umsetzen, die Ihrer Veranlagung entsprechen. Denn nur diese bieten Ihnen einen gesundheitlichen Return on Investment.

Das ist realistischer, als darauf zu hoffen, dass irgendwann einmal jeder alle Gesundheitsempfehlungen einhalten wird.

Stellen Sie sich ein Venn-Diagramm vor mit drei sich überlappenden Kreisen: Lifestyle-Medizin, Risikofaktoren und BioAge. In deren Schnittfläche liegt die biologische Verjüngung.

Robustheit stärken, biologisch jünger bleiben, und entdecken was wirkt.

Das ist das Thema meines Newsletters „Right To Rejuvenation“ (R2R).

Um es umgangssprachlich auszudrücken, R2R zeigt Ihnen...

"Wie Sie Ihr Leben jenseits der 50 nicht versauen".

Dazu gehören folgende Themen

  • Medienschlagzeile vs. Studienergebnisse: Was die Medien verschweigen

  • Werden Sie davon profitieren? Ob die neuesten Studienergebnisse auf Sie zutreffen oder nicht

  • Ratschläge für Zeitmuffel: Wie Sie mit minimalem Aufwand das meiste herausholen

R2R richtet sich an alle 40- bis 50-Jährigen. Denn in dieser Lebensdekade entscheidet sich, wer die Kurve zum gesunden Altern kriegt [14].

Aber auch Menschen anderen Alters mögen R2R.

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[1] Kraushaar LE, Bauer P. Dismantling Anti-Ageing Medicine: Why Age-Relatedness of Cardiovascular Disease is Proof of Robustness Rather Than of Ageing-Associated Vulnerability. Hear Lung Circ 2021;30:1702–9. doi:10.1016/j.hlc.2021.05.105.

[2] Kitano H. Towards a theory of biological robustness. Mol Syst Biol 2007;3:137. doi:10.1038/msb4100179.

[3] Hemmingsson E, Väisänen D, Andersson G, Wallin P, Ekblom-Bak E. Combinations of BMI and cardiorespiratory fitness categories: Trends between 1995 and 2020 and associations with CVD incidence and mortality and all-cause mortality in 471 216 adults. Eur J Prev Cardiol 2022;29:959–67. doi:10.1093/eurjpc/zwab169.

[4] Ho JY. Life Course Patterns of Prescription Drug Use in the United States. Demography 2023;60:1549–79. doi:10.1215/00703370-10965990.

[5] Folsom AR, Yatsuya H, Nettleton JA, Lutsey PL, Cushman M, Rosamond WD, et al. Community Prevalence of Ideal Cardiovascular Health, by the American Heart Association Definition, and Relationship With Cardiovascular Disease Incidence. J Am Coll Cardiol 2011;57:1690–6. doi:10.1016/j.jacc.2010.11.041.

[6] Lloyd-jones DM, Leip EP, Larson MG, Agostino RBD, Beiser A, Wilson PWF, et al. Prediction of Lifetime Risk for Cardiovascular Disease by Risk Factor Burden at 50 Years of Age 2006:791–8. doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.105.548206.

[7] Wilkins Jt NHBJZLDARL-JDM. LIfetime risk and years lived free of total cardiovascular disease. JAMA J Am Med Assoc 2012;308:1795–801. doi:10.1001/jama.2012.14312.

[8] Mao Y, Ge S, Qi S, Tian QB. Benefits and risks of antihypertensive medication in adults with different systolic blood pressure: A meta-analysis from the perspective of the number needed to treat. Front Cardiovasc Med 2022;9:1–12. doi:10.3389/fcvm.2022.986502.

[9] Belsky DWW, Caspi A, Arseneault L, Baccarelli A, Corcoran DL, Gao X, et al. Quantification of the pace of biological aging in humans through a blood test, The DunedinPoAm DNA methylation algorithm. Elife 2020;9. doi:10.7554/eLife.54870.

[10] Khan SS, Singer BD, Vaughan DE. Molecular and physiological manifestations and measurement of aging in humans. Aging Cell 2017;16:624–33. doi:10.1111/acel.12601.

[11] Arbeev KG, Ukraintseva S V, Bagley O, Zhbannikov IY, Cohen AA, Kulminski AM, et al. “Physiological Dysregulation” as a Promising Measure of Robustness and Resilience in Studies of Aging and a New Indicator of Preclinical Disease. Journals Gerontol Ser A 2018. doi:10.1093/gerona/gly136.

[12] Bruno RM, Nilsson PM, Engström G, Wadström BN, Empana JP, Boutouyrie P, et al. Early and supernormal vascular aging: Clinical characteristics and association with incident cardiovascular events. Hypertension 2020:1616–24. doi:10.1161/HYPERTENSIONAHA.120.14971.

[13] Kraushaar LE, Dressel A, Maßmann A. Vascular robustness: The missing parameter in cardiovascular risk prediction. Prev Med Reports 2018;9:107–13. doi:10.1016/j.pmedr.2018.01.008.

[14] Lloyd-Jones DM, Leip EP, Larson MG, D’Agostino RB, Beiser A, Wilson PW, et al. Prediction of lifetime risk for cardiovascular disease by risk factor burden at 50 years of age. Circulation 2006;113:791–8. doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.105.548206.

Read the original on rejuvenators.substack.com

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