Der Autor des Beitrags bezieht sich auf eine Studie von Jennifer Di Noia. Er verrät uns aber nicht mehr als den Namen der Autorin.
Das hat auch seinen Grund. Sonst würde der Leser ja erfahren, dass diese Studie schon knapp 10 Jahre alt ist [1].
Die „Studie“ genauer zu lesen, sollte kein Problem sein, denn sie besteht gerade mal aus zwei Seiten Text.
Das Lesen lohnt sich. Vor Allem dann, wenn man es mit Fakten ein bisschen genauer nimmt als der Fokus.
Der schreibt:
„Jennifer Di Noia schaute sich die Menge von 17 lebenswichtigen Nährstoffen, die in Lebensmitteln enthalten sind, an“.
„Anschauen“ klingt gut. Ist aber tatsächlich eine Nebelkerze.
Di Noia legte ihrer Kalkulation eine Berechnungsmethode zugrunde, die von Darmon et al. 2005 veröffentlicht wurde [2].
Darmon et al. hatten Ihren Algorithmus aus der Bioverfügbarkeit von 16 Nährstoffen gebastelt.
Hier kommt die Nebelkerze:
Erstens hat Di Noia Protein weggelassen. Ganz so als bräuchten wir das nicht.
Und zweitens hat sie bei der Gewichtung der Lebensmittel zwar die Bioverfügbarkeit der Nährstoffe zugrunde gelegt (korrekt), aber für diese Gewichtung 9 der Nährstoffe ausgeklammert.
Letzteres ist mir schleierhaft. Denn gerade bei den ausgeklammerten Nährstoffe sind welche drin, die nur eine sehr geringe Bioverfügbarkeit haben (z.B. Zink).
So kommt man eben auf eine Liste, in der das gesündeste Obst die Zitrone ist, während Apfel, Heidelbeere, und Banane fehlen.
Letztere gehören zu den Früchten, die mit ihren Flavonoiden und anderen Mikronährstoffen nachweislich in der Krankheitsprävention punkten.
Auch Hülsenfrüchte haben es nicht auf die Liste geschafft. Kein Wunder, wenn die Studienautorin sich Protein erst gar nicht „angeschaut hat“.
Dankenswerterweise kommentiert hier der Fokus Autor:
„Bohnen, Linsen, Erbsen und Sojaprodukte sind besonders gut geeignet, um Ihren Proteinbedarf zu decken.“
Stimmt das?
Nee, besonders gut geeignet sind Eier, Milch und Fleisch.
Aber die passen halt so gar nicht in die pro-vegane Propaganda, der sich unsere Medien immer mehr verpflichtet fühlen.
Deshalb verschweigt man dem Leser auch gerne den „Protein Digestibility Corrected Amino Acid Score“. Der zeigt auf einer Skala von 0-1 wie viel essenzielle Aminosäuren tatsächlich aus der Nahrung im Organismus ankommen.
Milch, Eier und Fleisch haben einen Score von 1. Gemüse in der Regel um 0.75.
Bei 1 Gramm Protein pro 100 Gramm Chinakohl und Kürbis, muss man also schon ordentlich zulangen beim Essen um den täglichen Proteinbedarf zu decken.
Und das Wörtchen „lecker“ muss natürlich auch wieder vergewaltigt werden:
O-Ton Focus
„Ein wenig bunter wird es in den Top 20: rote Paprika, Schnittlauch, Grünkohl, Broccoli und Kürbis. Wenn Sie einfach alles zusammen in eine Pfanne geben, haben Sie im Handumdrehen eine leckere und vor allem überaus gesunde Mahlzeit.“
In diesem Sinne: Guten Appetit.
Und freuen wir uns auf die nächsten phantasievollen Ausflüge des Focus in die Märchenwelt der Ernährung.
[1] Di Noia J. Defining powerhouse fruits and vegetables: A nutrient density approach. Prev Chronic Dis 2014;11:3–7. doi:10.5888/pcd11.130390.
[2] Darmon N, Darmon M, Maillot M, Drewnowski A. A nutrient density standard for vegetables and fruits: nutrients per calorie and nutrients per unit cost. J Am Diet Assoc 2005;105:1881–7.

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