Ich war noch nie in Island. Aber wenn ich mit Menschen spreche, die dort waren, verändern sich ihre Augen. Sie bekommen diesen bestimmten Glanz, fangen an mit den Händen zu reden und schwören, dass es auf dieser Welt nichts Vergleichbares gibt als die Südinsel von Island und besonders Skógafoss.
Ein 62 Meter hoher Wasserfall, der mit donnernder Kraft in die Tiefe stürzt. Klar, das klingt spektakulär. Aber ganz ehrlich? Die Leute, die wirklich wissen, was sie reden, sagen mir immer dasselbe: Wenn du nach dem perfekten Foto am Skógafoss direkt wieder ins Auto steigst, hast du die Magie Islands komplett verpasst.
Nur etwa 30 Minuten von diesem berühmten Wasserfall entfernt soll es einen anderen geben, den Seljalandsfoss. Was mir ein Freund davon erzählt hat, lässt mich immer noch staunen: Die 65 Meter hohe Felskante, über die das Wasser heute stürzt, war vor Jahrtausenden mal die Küstenlinie! Als die Eiszeitgletscher sich zurückzogen, hat sich das Land einfach angehoben und das Meer ist Kilometer für Kilometer weggewichen.
Ich liebe Rundwege und es ist kaum zu glauben, dass man diesen Wasserfall komplett umrunden kann. Man geht also hinter das Wasser! So etwas habe ich noch nie erlebt, aber allein die Vorstellung lässt mich hoffen, das bald selbst tun zu dürfen. Der Donnerschlag des Wassers, der Duft von nassen Lavafelsen und dann dieser Blick auf die weite Ebene Südislands. Irgendwer hat mir gesagt, das sei der Moment, in dem man sich wirklich klein fühlt.
Das lila Wunder: Warum es in Island plötzlich violett leuchtet 💜
Wenn ich auf Instagram Island-Reiseberichte scrolle, falle ich immer wieder auf ein bestimmtes Motiv. Diese unglaublichen, endlos wirkenden Felder leuchten violett und blau.
Auf den Fotos sieht das aus wie ein Traum. Zuerst dachte ich tatsächlich an die berühmten Lavendelfelder in der französischen Provence. Aber dann sieht man diesen krassen Kontrast. Diese dichten blauen Blütenkerzen liegen wie ein riesiger Teppich über der Landschaft, direkt neben schwarzen Lavafelsen und unter einem grauen Himmel. Es sieht fast aus, als hätte jemand Farbe über die karge Erde gekippt.
Dabei sind diese Lupinen gar nicht ursprünglich dort. Sie wurden in den 1940er Jahren vom Menschen eingeführt und das aus einem super wichtigen Grund. Island hat mit enormer Erosion zu kämpfen. Weil die Wälder abgeholzt wurden und Schafe das Land überweideten, blies der Wind einfach den fruchtbaren Boden weg. Genau hier kommen die Lupinen ins Spiel, denn ihre tiefen Wurzeln halten den lockeren Sand und die Vulkanasche fest.
Zudem sind sie natürliche Dünger. Lupinen können Stickstoff aus der Luft binden und in den Boden bringen. Sie düngen also quasi von selbst den kargen Boden, sodass andere Pflanzen danach wieder wachsen können.
Die meisten kennen Lupinen wegen der Lupinenmilch, die ist ja super gesund. Die wird aber aus der Weißen Süßlupine gemacht. Die blauen Lupinen in Island, die sogenannte Nootkalupine, eignen sich dafür nicht, da sie leicht giftige Bitterstoffe haben.
Ich finde es faszinierend, dass eine einzige Pflanze eine ganze Landschaft so verändern kann. Gleichzeitig habe ich gehört, dass es inzwischen ein riesiges Diskussionsthema ist. Die Lupine breitet sich so aggressiv aus, dass sie die originale und empfindliche Vegetation aus Moosen und Flechten manchmal einfach überwuchert. Ein echtes Verhältnis aus Liebe und Hass also.
Versteckte Schätze und das Leben der Isländer
Je mehr ich lese, desto mehr will ich auch die Geschichten hinter der Landschaft kennen. Zum Beispiel vom Skógar-Museum. Ein Mann namens Þórður Tómasson soll dort über Jahrzehnte mehr als 18.000 historische Objekte gesammelt haben. Es gibt dort rekonstruierte Torfhäuser. Ich frage mich ständig, wie es sich angefühlt haben muss, dort zu leben, wenn draußen die Vulkane rauchen und die Stürme toben.
Und dann gibt es da noch den Kvernufoss, einen echten Geheimtipp, den mir eine Kollegin verraten hat. Während sich am Skógafoss die Touristenmassen drängeln, soll man hier oft komplett allein sein, umgeben von einer moosbewachsenen Schlucht. Das klingt exakt nach meinem Ding.
Respekt vor den Elementen und den Gletscherflüssen
Ein anderer Punkt, der mir immer wieder zugetragen wird, ist dieser Respekt vor der Natur. Wenn ich mir die Bilder vom Sólheimajökull anschaue, einer Gletscherzunge, die das Ausmaß des Klimawandels zeigt, wird mir klar, wie mächtig diese Natur ist.
Und dann ist da noch das Hochland. Endlose Lavafelder, abgelegene Pisten und echtes Expeditionsgefühl. Aber jeder Isländerveteran, den ich fragte, warnte mich vor einer Sache, den Flussdurchfahrten oder Furten. Ein Bekannter sagte mir, dass der Motor des Mietwagens in einem Gletscherfluss Wasser ansaugen kann und man sich dann direkt ein neues Auto kaufen kann. Wasserschäden sind bei Versicherungen meistens ausgeschlossen. Also habe ich mir schon mal eine kleine Checkliste für mein noch fiktives Hochland-Abenteuer gemacht.
Wasserstände vorher checken, da Gletscherflüsse sich den ganzen Tag ändern.
Breite und flache Stellen suchen.
Im Zweifel erst mal zu Fuß durch den Fluss waten, um zu sehen, wie tief es ist.
Im Allradmodus langsam und stetig durchfahren und auf keinen Fall im Wasser schalten.
Warten mal... die Nordküste soll noch besser sein?
Genau als ich dachte, ich hätte meine ideale Route für die Südküste zusammengebastelt, kam jemand mit der Nordküste um die Ecke.
Habt ihr schon mal von Húsavík gehört? Das soll Europas Hauptstadt der Walbeobachtung sein. Im Sommer soll man dort eine Chance von über 90 Prozent haben, Buckelwale zu sehen! Aber davon erfahrt ihr im nächsten Blogartikel.
Ich weiß jetzt eins: Der Skógafoss wird für mich nicht das Ende der Reise sein, sondern erst der Anfang.
Wer von euch war schon auf Island? Was war euer absolutes Highlight? Und was sagt ihr zu den Lupinen... Lasst es mich in den Kommentaren wissen.👇
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