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Ranting Ovation · May 20, 2025

Ich habs nicht kleiner

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Kai Grebasch · Ranting Ovation

Premiere im Foyer heißt immer auch, Kampf um die besten Plätze. Und so liegen auf den wenigen noch freien Stühlen nach bester deutscher Urlauberinnenmanier meist zwar keine Badetücher, aber doch Jacken und diverse andere „geh weiter, hier sitze ich!“-Hinweise. An der Garderobe gibt es - ganz wichtig, nicht vergessen - ein Festivalbändchen an den Arm. Okay. Dann aber los, erste Reihe. Denn da sitzt - wie so oft - fast niemand. Wohl aus Angst, irgendwie mitmachen zu müssen beim Bühnenspektakel.

Auf der Bühne ist ein Toilettencontainer mit zwei Bauzäunen umfasst. Davor ein zentraler Bereich der an eine Konzertbühne erinnert, umrahmt von einem Schlagzeug links und einem Keyboard rechts. Auf den schwarz bespannten Bauzäunen prangt das recht auffällig KI-generierte Logo des fiktiven „Beaver Fever“ Festivals. Dann geht’s los. Die Geschichte ist schnell erzählt, es geht um verschiedene kurze Episoden, wie sie halt beim Anstehen am Toilettenhäuschen auf einem Festival so passieren können. Die Geschichten sind dabei zu weiten Teilen in Liedform erzählt. Die Texte der Songs erzählen die Geschichte. Im Vorteil sind heute Abend ganz klar die Menschen im Publikum, die eher keinen breiten Musikgeschmack haben oder auf Texte in Popmusik eh nicht so sehr achten. Wenn Danja Rishany Emmanuel und Katharina Stehr vom „Girl from Jena Lobeda“ oder von grünen Speiseresten zwischen den Zähnen singen, dann ist das deutlich lustiger für den Teil des Publikums, der die Songs von Annamateur und Blond eher nicht so kennt. Wirklich witzig wird es für alle, wenn eines der von der selbst am Keyboard auf der Bühne stehenden Regisseurin Cindy Weinhold temporeich zusammengeschnipselten Songpotpourries zu hören ist. Wie gut das Timing des Stückes stimmt, merkt man in diesen Momenten besonders. Ireneusz Rosinski, der männliche Mitsänger, kommt oft in neuen merkwürdigen Verkleidungen auf die Bühne, dann sind wieder alle drei in Kostümen aus IKEA-Tüten zu sehen und man hat den Eindruck, dass es gar keinen Zusammenhang zu irgendeiner Geschichte gibt, sondern nur der nächste Song irgendwie erklärt, oder besser, eingeführt werden sollte. „Ich hab’s nicht kleiner“ ist ein launiger Liederabend, der sein Publikum finden wird. Dennoch bleibt das Gefühl es mit einer recht zusammenhanglosen Aneinanderreihung von Songs zu tun zu haben. Wirklich überraschende Momente - ich sage nur „Is this the Way to Amarillo“- bleiben selten. Nach der Pause wird endgültig klar, dass es völlig unklar ist, für wen das Stück eigentlich sein soll. Zu den schon erwähnten Comedy-Songs von Annamateur oder Funny van Dannen oder Nieschenpop von Blond oder Laing kommen jetzt auch Schlager und Mitklatschliedchen und als dann für die „Straße der Besten“-Fans noch „Am Fenster“ von City zelebriert wurde, waren endgültig alle etwas ratlos.

Für wen ist das Stück nun? Alle, die einfach einen launigen Abend haben wollen, aber eigentlich nicht wirklich gerne ins Theater gehen, darunter auch alle, die „Straße der Besten“ gefeiert haben, werden ihren Spaß haben. Alle, die wissen, dass in Zittau ein wirklich gutes Schauspielensemble arbeitet, werden sich sicher lieber ein anderes Stück aussuchen. Oder, sollte das familienfriedensbedingt nicht möglich sein, sich im Festivalstück an feinen Momenten der drei Hauptakteure Danja Rishany Emmanuel, Katharina Stehr und Ireneusz Rosinski erfreuen. Mich lässt der Abend etwas ratlos zurück. Worum ging es eigentlich? Warum Ikea? Und wozu haben wir eigentlich am Anfang ein Festivalbändchen bekommen? Vielleicht hat ja hier jemand Antworten für mich?

P.S.: In einem der wenigen nicht gesungenen Textschnipsel des Abends erfahren wir, dass die vorderen Toiletten in einer WC-Anlage meist sauberer sind als die hinteren, da die meisten Leute denken, die vorderen wären stärker benutzt und so häufiger auf die hinteren Schüsseln gehen. Vielleicht ist ja auch das der Grund für die zunächst leere erste Reihe vor der Bühne…. Egal, we all sing along like before.

Read the original on rantingovation.substack.com

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