From: Armin T. Wegner : AM KREUZWEG DER WELTEN. ‘’Eine Reise vom kaspischen Meer zum Nil.’‘ Pub. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser Verlag GmbH Berlin. (1930)
AT THE CROSSROADS OF THE WORLD: A JOURNEY FROM THE CASPIAN SEA TO THE NILE. By Armin T. Wegner.
This is a fascinating account of an individual journey undertaken in 1929 through the wilds of Central Asia and Persia. Since Iran is currently (one can barely overlook it) often in the News, I have decided to return to this book and to present several excerpts which I transcibed and translated some years ago, they deserve a new and modern reading almost a hundred years after they were first published.
Anyone interested is recommended to look at: https://de.wikipedia.org/wiki/Armin_T._Wegner
In his time he was an active and well-known pacifist and a prolific writer; as a German soldier in the Ottoman Empire he had witnessed and protested against the massacres of the Armenians and in the 1930s he protested to Hitler personally against the actions against the Jews! He later suffered greatly under the Gestapo and SS and had to flee from Germany. He wrote several accounts of journeys and there is even an Armin T. Wegner Gesellschaft.
Here is Part 1. The German text first, my translation into English can be found below.
********************************************
Seite 81. Stadt ohne Fenster.
‘Dschul - Fa! --- Dschul – faa!’ schreit eine Stimme durch das Dunkel.
Wie? Das ist eine Stadt? Ich beuge mich zu Fenster des Eisenbahnzuges hinaus. Finsternis, schwarze Lehmhaufen. Der Regen rauscht. Der Wind stöhnt. Wir sind an der russisch-persischen Grenze.
Noch eine Nacht auf der schiefen Ebene einer Matratze und ich sehe die Stadt liegen. Dreitausend zerschossene Häuser, die Fenster noch mit Stacheldrähten versperrt, eine Wohnstatt von Hunden und Tagedieben, so wie sie liegengeblieben ist, unverändert und unaufgebaut seit die vor acht Jahren der russische Bürgerkrieg verließ. Von draußen aber schauen die gewaltigen silberhäuptigen Berge hinab, die sie im Kreise umgeben wie eine Versammlung armenische Bräute mit weißen Schleiern über ihren hochmütig-reglosen Köpfen, und blicken auf die Trümmer der Stadt wie auf den zerstörten Schmuckkasten ihrer Hochzeitsgabe hinab.
Ich ließ meinen Paß in Dschulfa beglaubigen. Er durchlief sechs Schreibstuben und ich erfuhr, wie gut man achtundvierzig Stunden gebrauchen kann, nur um über eine Brücke zu gehen. Hinter dieser Brücke beginnt Persien, ein Land seltsamer Widersprüche, der Abgeschlossenheit und leichenhaften Stille und zugleich mit einem frischen gesunden Hunger nach den neuesten Erfindungen Europas.
Der Kreuzweg zweier Welten.
Es gibt zwei Straßen, um von Norden her nach Persien zu gelangen. Pachlevi, den Hafen am Kaspischen Meer, und von dort mit dem Automobil nach der Hauptstadt. Oder den Weg über das armenischen Hochland, der mitten in die wilden Bergschluchten und Pässe des persischen Hochgebirges hinaufführt, im Winter eine Wüste von undurchdringlichen Schnee.
Die Fahrt nach Täbris nimmt vierzehn Stunden in Anspruch. Man legt die Strecke auf den ersten breitspurigen Eisenbahn Persiens zurück, die von den Russen während des Krieges erbaut wurde. Mehr ein Spielzeug als eine Eisenbahn, durchläuft sie während der langen Fahrt nur hundertzwanzig Kilometer.
Des Abends traf ich in Täbris ein.
‘Mein Herr, Ihren Paß!’ rief aus dem Dunkel der Nacht der Gendarm, noch ehe ich den einzigen Wagen der Bahn verlassen hatte.
Aber vegeblich wartete ich auf seine Rückkehr.
‘Bitte, geben Sie mir meinen Paß zurück!’
‘In Ihrer Wohnung!’
‘Aber ich weiß ja noch gar nicht, wo ich wohne!’‘
‘Das tut nichts, wir werden Sie finden!’
Mein Paß verbeugt sich höflich und entschwindet im Dunkeln. Werde ich ihn jemals wiedersehen?’‘
‘’In Persien, das noch immer als ein Land der Überfälle und Raubzüge gilt, ist jede Stadt wie im Deutschland des Mittelalters von Mauern umgeben wie eine Festung. Selbst das kleinste Bauerngehöft in den Feldern gleicht mit seinen Schießscharten einen Burg; und wie in Mittelalter kann man die Stadt nur durch ihre wenigen hohen Tore betreten, die häufig des Nachts geschlossen werden. Ohne neben seinem ausländischen Reisepaß für jede Stadt einen besonderen einheimischen Stadtpaß zu besitzen, gelangt der Fremde weder heraus noch hinein.
Ich stolperte über Schneelachen, durch Wasserpfützen und geriet schließlich in ein kleines Hotel. In einem seit Tagen ungeheizten Zimmer krümmte ich mich trotz der herrlichen schweren Teppiche frostzitternd zwischen den Bettleinen, die so feucht waren, als hätte man sie den Toten aus dem Grabe gerissen....’‘
(S.83) ‘’Im Nebel durchlief ich am anderen Morgen die Stadt. Finstere, unendlich schmale Gassen, von hohen Lehmmauern überragt, zogen sich vor mir hin. Von Zeit zu Zeit schmale rotbraune Türen mit schweren Metallringen zum Klopfen, hin und wieder ein Schild mit armenischen oder russischen Namen oder dem persischen Wappen.
Nichts weiter.
Dies ist der Gesichtsausdruck fast aller orientalischen Städte des fernen Südens; und zwischen arabischen Orten wie Mossul und Bagdad oder dem persischen Täbris besteht in der Bauart kaum ein Unterschied: alle sind Städte ohne Fenster.
Die Häuser liegen abseits hinter den Mauern im Garten oder kehren der Straße ihre Rückseite zu. Fast nirgends eine andere Öffnung als eine Tür; denn das ganze Leben dieser Städte ist nach innen gerichtet; der Lebensauffassung des Mohammedaners getreu, der nicht nur seine Frau, sonden auch seinen Reichtum, sein Vieh, seine eigene Behaglichkeit gegen die Eifersucht, den Neid und die störende Neugier der Außenwelt abschließt. So kann der Fremde, der keinen Eingang in eine Familie findet, die ganze Stadt durchstreifen, ohne eigentlich mehr von ihr gesehen zu haben als kahle, fensterlose Wände und ohne zu ahnen, daß hinter diesen Mauern fliesenbedeckte Höfe, blühende Gärten, teppichbelegte Hallen und blau-schimmernde Moscheen versteckt liegen.
Aber der Grund dieser Angeschlossenheit ist nicht nur die mohammedanische Religion, sondern nicht weniger die heiße Sonne dieser Länder. Nur die Enge und Höhe dieser Straßenmauern ermöglicht es dem Perser, in den glühenden Monaten des Sommers seinen Weg im Schatten zurückzulegen....
In diesem Gewirr toter und öder Traurigkeit eines eingemauerten Lebens bildet der Basar mit seinen bunten Handelsständen und lärmenden Handwerksräumen die einizige heitere Unterbrechung,. Er ist das öffentliche Gesicht der Stadt: Markthalle, Industrieviertel und Börse zugleich. Aber seine verdeckten Bogengänge bilden im Grunde auch eine Stadt ohne Fenster, die ihr Licht fast nur durch den Eingangsöffnungen und die kleinen, an die Spitze der Kuppeln angebrachten runden Augenlöcher erhält. Als ich schon spät am Abend von einem Besuch.... durch die nun still gewordenen Gassen zurückkehrte, lagen alle Verkaufsstände geschlossen. Nur hin und wieder eine flackernde Petroleumlampe. Grabeskühle schien aus den leeren Gewölben zu strömen, und während ich in der Dunkelheit durch die verschlungenen Gänge des Basars irrte, glaubte ich, durch ein unterirdisches Totengewölbe zu schleichen.’‘
S.85. ‘’Aus dem Gebirge häuften sich die Nachrichten über den Ungunst des Wetters. Der strenge Winter, der von Rußland bis in die persischen Berge drang, hatte alle Pässe unüberwindbar mit Schnee verschüttet. Einmal schlug das Wetter für wenige Stunden um. Die Sonne schien warm. Schmelzwasser erfüllten sofort alle Straßen, unter den Rädern der Wagen spritzte der Kot, der Vorübergenden in Lehmgestalten verwandelnd, fußhohe Bäche brausten – eine Sintflut des Schmutzes!
Hoffnungslos blickte ich aus dem Innern der Stadt zu den hohen reglosen Gebirgen hinauf, hinter denen irgendwo unsichtbar in der Sonne Teheran, die Hauptstadt Persiens und das Ziel meiner Reise lag. Die Automobilfahrer, die von dort über die Pässe in Täbris eintrafen, kamen mit erforenen Händen an, einige mußten die Finger abgenommen werden. Andere blieben im Schnee stecken, eine Achse brach, Scharen von Wölfen überfielen im Gebirge die Reisenden. Die Kameltreiber einer Karawane, vom Schneesturm überfallen, ohne Nahrung und Holz, wurden am Morgen nach einer furchtbaren Nacht erforen in einer Karawanserei im Gebirge aufgefunden.
Endlich die Nachricht, daß ein Junkersflugzeug vor der Stadt zu einer Notlandung niedergegangen war bereit, zwei Passagiere nach Tehran mitzunehmen. War das Wetter gut, würde es am nächsten Mittag seinen Flug fortsetzen.
Ich enstchloß mich sofort.
Aber wie kam ich bis dahin in den Besitz meines Passes? …..’‘
***********************************
‘’ ‘Djulfa! Djulfa!’ A voice cries through the darkness.
What? This is a city? I lean out of the window of the train. Darkness, black heaps of clay. The rain pours. The wind moans. We have arrived at the Russian-Turkish border.
One more night on the steep slope of a mattress and I see the city lying there. Three thousand shot-up houses, the windows still barricaded with barbed wire, a place for hounds and thieves, lying just as it is, unchanged and not rebuilt since the Russian civil war left this area some eight years back. From outside however the mighty silver-haired mountains look down, surrounding it like a gathering of Armenian brides with white veils over their motionless proud heads, and look down on the ruins of the city as though upon the shattered packaging of their wedding presents.
I had my passport confirmed in Djulfa. It had to be passed through six separate offices and I now learned here how it is possible to require 48 hours just to cross a bridge. Beyond this bridge Persia begins, a land of strange contradictions, of being at the same time closed-off and deep in a stillness as of the grave, and with a fresh healthy hunger for all the newest European inventions. The crossroads of two worlds.
There are two routes by which one can reach Persia from the North. Pachlevi, the harbour on the Caspian Sea, and from there with a motor vehicle to the capital; Or the way over the Armenian mountains, which winds through the wild mountain canyons and passes of the Persian Highlands, in winter a desert of unpassable snow.
The journey to Tabriz takes fourteen hours. One travels on the first broad-gauge railway in Persia, which was built by the Russians during the war. More of a toy than a real railway, it runs for a total of only 120 kilometres during the lengthy journey.
I arrive in Tabriz in the evening.
‘’Your passport, Sir!’‘ calls out the Gendarme in the darkness, before I have even left the solitary carriage of the train.
But I wait in vain for its return.
‘’Please, give me my passport back.’‘
‘’In your residence.’‘
‘’But I don’t even know yet where I will be residing.’‘
‘’That doesn’t matter, we will find you.’‘
My passport bows politely and vanishes into the darkness. Will I ever see it again?‘’
In Persia, which still counts as a country of ambushes and violent robberies, every town is surrounded by a fortified wall like in Germany in the Middle Ages. Even the isolated farms look like small forts with slits for shooting from, and just as in the Middle Ages one can only enter a town through the few specific high gateways, which are often closed at night. Without having, as well as his foreign passport, also for each town its own individual local passport document, a stranger can get neither in nor out.
I stumbled over pools of snow, through puddles of water and finally came to a small hotel. In a room which had not been heated for days I crawled, in spite of the beautiful heavy carpet, shivering with cold between the bedsheets, which were so damp as though they had been taken from the corpses in their graves...
In the mist I walked through the city the next morning, Dark, endless narrow alleyways, bounded and dominated by high clay walls, led from me in all directions. From time to time there were small red-brown doors with heavy metal rings for knocking with, here and there a sign with Armenian or Russian names or the Persian coat of arms.
Nothing else.
This is the face presented by almost all oriental cities of the far South; and there is almost no difference in the construction style between Arab places like Mosul and Baghdad or the Persian Tabriz : all are cities without windows. The houses stand to the sides behind the walls in gardens, or they turn their rear to face the street. Almost nowhere is there any opening apart from a doorway; for the entire life of this city is directed inwards; following the philosophy of the Mohammedans, not only his wife but also all his wealth, his cattle, his own sense of wellbeing is all closed off against the envy, the jealousy and the greed and the disturbing curiosity of the outside world. So the stranger, who can find no means of entry into a family, can walk through the entire city without ever seeing anything of it other than bare, windowless walls and without knowing that behind these walls tiled courtyards, blooming gardens, carpeted halls and shimmering blue mosques lie concealed.
But the reason for this being so closed off lies not only in the Mohammedan religion but just as much in the hot summers of these countries. Only their narrowness and the height of the street walls allow the Persian to find his way in shade through the burning heat of the summers.
In this atmosphere of dead or tedious miserable life behind walls the Bazaar with its colourful shops and noise-filled craft workshops form s the only lively interruption. It is the public face of the city: market halls, indstrial quarter and stock exchange combined. But its covered arches streets also form in effect a city without windows, which gain their light almost wholly through the entrances and the small rounded eye-holes on the tips of the cupolas. When I came back in the late evening from a visit through the now-empty streets, all the shops were closed. only here and there a flickering petroleum lamp. The cold of the rave seemed to stream from the empty stone archways and while I wandered aimlessly through the twisting alleyways in the darkness of the Bazaar I felt like I was wandering through an underground Kingdom of the Dead.
From the mountains there came further bad news about the effects of the weather. The heavy winter which had forced its way from Russia into the Persian mountains had covered all the passes with snow. Once the weather seemed to change for a few hours. The sun shone warmly. Melting water suddenly filled all the streets, the excrement spurted from under the wagon wheels, the streams of dirty water were now foot high - a flood of filth!
I looked hopelessly from the interior of the city to the high motionless mountain peaks, behind which somewhere, invisible in the sun, Teheran, the capital of Persia and my ultimate destination lay. The car drivers who drove from there over the passes and arrived at Tabriz arrived with frozen hands, from some fingers even had to be amputated. Others remained stuck in the snow, an axle had broken, packs of wolves attacked the travellers in the mountains. The camel drivers of a caravan, caught by a snow storm, without any food or wood, were found the next morning after a dreadful night all frozen in a caravanserai in the mountains.
Finally came the news that a Junkers aeroplane that had been forced to make an emergency landing in the area before the city was now prepared to take two passengers to Teheran. If the weather was good, I would be able to continue my journey the next afternoon.
I decided upon this immediately
But how would I get hold of my passport again by then?
************************************************************************

Comments
Nothing yet. Say the first thing.
Sign in to join the conversation.