13 Christopher Street Days gibt es dieses Jahr in Thüringen, aber obwohl der Juni als traditioneller Pride Month schon vorbei ist, stehen noch acht CSDs an. Man könnte fast meinen, der Spätsommer ist die echte Pride-Saison im Freistaat. Weshalb eigentlich? Tatsächlich sind die Gründe vielfältig.
Ehrenamtliches Engagement
„Wir sind ein kleines Team und es benötigt natürlich Zeit, um den CSD in dem Rahmen auf die Beine zu stellen. Daher geben wir uns gerne etwas Puffer“, heißt es beispielsweise vom CSD Gera. Von zu wenigen Ehrenamtlichen, die sich bei der Organisation engagieren, berichten alle CSD-Teams: „Es fehlen aktive Mitwirkende die Aufgaben übernehmen“, berichtet das Team des CSD Gotha.
Auch interessant
„Es ist schwer, Menschen dazu zu bewegen, sich nachhaltig zu engagieren“, meint auch Esra vom CSD Gera. Und natürlich ist auch bei denjenigen, die sich aktiv beteiligen, die verfügbare Zeit begrenzt: „Anders als die Facebook-Kommentierenden es uns vorwerfen, sind wir nämlich berufstätig und organisieren alles in unserer Freizeit“, erklärt Judith vom CSD Mühlhausen.
Sicherheit war schon vor dem Anschlag auf den CSD Berlin ein Thema
Aber auch „das zunehmende Verharmlosen der neuen rechtsextremistischen und damit auch homo- und transfeindlichen Akteur*innen“ ist ein großes Problem, vor dem die Thüringer CSDs stehen, berichtet nicht nur Judith. Nach dem islamistischen Anschlag auf den CSD Berlin müssen die Teams ihre Sicherheitskonzepte nicht erst neu erstellen. „Wir haben bereits im letzten Jahr gemeinsam ein Sicherheitskonzept erstellt, hierbei lag der Fokus eher auf Gefahrensituationen im Bezug auf rechte Mobilisierungen“, heißt es unter anderem vom CSD Gera. „Die größte Bedrohung geht von lokalen Rechten Gruppen aus, die den CSD stören“, erklärt auch der CSD Gotha aus Erfahrung.
Es könnte so einfach sein ... © Funke Medien Thüringen | Jördis Bachmann
Auch der finanzielle Aspekt bereitet Sorgen
Das Thema Geld ist in der Organisation aller CSDs ein präsentes Thema. Alle bekommen Spenden und Fördermittel, einige wenige auch Sponsorings. Vor allem verschiedene Fördermöglichkeiten der Bundesprogramme „Demokratie Leben“ und „Denk bunt“ sind wichtig, gleichzeitig kürzt die Bundesregierung diese. „Die Streichung von Fördermitteln für ehrenamtliche Projekte durch die Bundesregierung ist für viele zunehmend spürbar“, berichtet unter anderen der CSD Ilmenau.
CSD ohne Hitzewelle
Für den von außen betrachtet für viele späten CSD-Termin sind die Gründe aber vielfältiger: In Gera und Erfurt beispielsweise haben sich die September-Termine schlicht in den vergangenen Jahren etabliert und „mit dieser Tradition finden wir uns ganz gut zurecht“, meint der CSD Gera. „Das erste Wochenende im September hat in den letzten Jahren auch immer gut vom Wetter her gepasst“, sagt Richard vom CSD Erfurt.
Auch interessant
Überhaupt nicht gepasst hat das Wetter für den CSD Ilmenau im Juni, dieser musste vom Hitzerekord-Wochenende in den September verschoben werden. „Uns war es nicht möglich gewesen an diesem Tag den CSD durchzuführen und dabei die gesundheitliche Sicherheit aller Teilnehmenden und Helfenden sicherzustellen“, berichtet das Orga-Team.
Die Sommerferien sind tabu
Bei der Terminsuche mit einbezogen werden aber auch die Sommer- und Semesterferien: „Unser Datum haben wir gewählt, da bei uns viele Jugendliche involviert sind“, erklärt beispielsweise der CSD Gotha und ergänzt: „Zudem glauben wir das queere Themen auch nach dem Pride Month noch relevant sind.“
Bunt ist einfach schöner.© Funke Medien Thüringen | Jördis Bachmann
Die bunten Demos sind zu jeder Jahreszeit wichtig
„Es braucht queere Sichtbarkeit auch auf dem Land, denn auch auf dem Land gibt es queere Menschen. Jedes Kind, jeder Mensch, der sich nicht allein und falsch fühlt, weil er weiß, dass schwul, lesbisch, bi, trans, queer sein, normal und wunderschön ist, ist ein Gewinn“, meint Judith vom CSD Mühlhausen. „Wir wollen queere Menschen in Nordhausen einen guten Raum zum Austausch bieten und Sichtbarkeit zeigen. Wir erleben leider immer mehr Anfeindungen. Außerdem zeigt sich im Stadtrat und im Kreistag eine feindliche Stimmung gegen alles, was bunt ist. Da müssen wir ganz klar dagegen halten“, ergänzt Pascal vom CSD Nordhausen.
Auch interessant
Die Chance dazu haben die Menschen in Thüringen vom 22. August bis Ende September nun noch in Mühlhausen, Gotha, Altenburg, Erfurt, Eisenach, Nordhausen, Ilmenau und Gera.
Hard Facts
Das sind die anstehenden CSD-Termine in Thüringen:
22. August, 13 Uhr Untermarkt: CSD Mühlhausen, Insta: @CSDMühlhausen
29. August, 10 Uhr, unterer Hauptmarkt: CSD Gotha, Insta: @csd_gotha
30. August, 13 Uhr, Bahnhofsvorplatz: CSD Altenburg, Insta: @csd_altenburg
5. September, 13 Uhr, Domplatz: CSD Erfurt, Insta: @csderfurt
12. September, 14 Uhr, Bahnhof: CSD Eisenach, Insta: @CSDeisenach
12. September, 13:30 Uhr, Bahnhofsvorplatz: CSD Nordhausen, Insta: @csdnordhausen_official
19. September CSD Ilmenau (Nachholtermin), Insta: @csd_ilmenau
26. September CSD Gera, Insta: @csdgera

Comments
Nothing yet. Say the first thing.
Sign in to join the conversation.