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Offene Horizonte · Oct 31, 2025

Die Wurzeln von Halloween

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Niels Koschoreck · Offene Horizonte

Einmal im Jahr schien die Welt kurz stillzustehen. Die Kelten nannten diese Schwelle zwischen Herbst und Winter Samhain - eine Zeit, in der das Vergangene verabschiedet und das Unbekannte begrüßt wird.
Heute nennen wir sie Halloween, meist ohne zu wissen, dass sich darin ein uraltes Wissen über Wandel und Vergänglichkeit verbirgt.

Samhain erinnert uns daran, dass jedes Ende auch ein Beginn ist. Wie Bruno Bettelheim in seiner Deutung der Märchen schrieb, hilft uns das Dunkle, zu wachsen. Nur wer den eigenen Ängsten begegnet, kann reifen. Die Masken, die wir an diesem Abend tragen, sind vielleicht eine unbewusste Übung darin - eine symbolische Annäherung an das, was wir sonst verdrängen.

Marie-Louise von Franz sah in der Konfrontation mit dem Tod oder dem Schatten eine Begegnung mit dem eigenen Selbst, mit dem Teil in uns, der über das Ich hinausweist. In diesem Sinn ist Samhain kein Fest des Grauens, sondern der Bewusstwerdung. Es lädt uns ein, loszulassen, was vergangen ist, und zuzulassen, was neu entstehen will.

Wenn am Ende des Abends die Lichter verlöschen, bleibt etwas Einfaches zurück:
Die Ahnung, dass Leben und Sterben kein Widerspruch sind, sondern zwei Seiten eines Kreislaufs. Die Dunkelheit ist nicht gegen uns. Sie gehört dazu. Sie macht uns lebendiger.

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Niels Koschoreck
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