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Sport – News, Hintergründe und Resultate | NZZ Nachrichten · Aug 23, 2026

Kaum Transfers, zusätzliche Spiele in Europa: Auf Granit Xhaka und Sunderland wartet eine komplizierte Saison, und der Auftakt ist missraten

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Sven Haist, London · Neue Zürcher Zeitung

Kaum Transfers, zusätzliche Spiele in Europa: Auf Granit Xhaka und Sunderland wartet eine komplizierte Saison, und der Auftakt ist missraten

Sunderland unterliegt im ersten Premier-League-Spiel beim Aufsteiger Ipswich Town mit 1:2. Von Xhaka, dem Schweizer Captain, hängt auch in der neuen Spielzeit viel ab.

Sven Haist, London

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Xhaka am Boden: Im ersten Saisonspiel unterliegt er mit Sunderland Ipswich mit 1:2.

Xhaka am Boden: Im ersten Saisonspiel unterliegt er mit Sunderland Ipswich mit 1:2.

Dylan Martinez / Reuters

Am Wochenende machte ein prägnantes Zitat von Granit Xhaka im Internet die Runde: «Unglaublich, einfach unbegreiflich!», schrieb der Schweizer Nati-Captain unter einen Tiktok-Clip. Gemeint war der aus seiner Sicht ungerechtfertigte Umgang mit seinem ehemaligen Mittelfeldkollegen Robert Andrich, der bei Bayer Leverkusen offenbar keine Rolle mehr spielt. Gemeinsam hatten die beiden vor zwei Jahren mit der Werkself das historische Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal gewonnen.

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Xhakas Worte hätten allerdings ebenso gut als Kommentar zum Auftakt sein­es Sunderland AFC in der Premier League dienen können. Der Klub verlor am Samstagnachmittag beim Aufsteiger Ipswich Town mit 1:2. Stattdessen bemühte sich Xhaka nach der Partie ausdrücklich um Souveränität und Zuversicht. «Nicht unser Tag, nicht unser Resultat, aber die Saison hat gerade erst begonnen», liess er auf Instagram verlauten.

Im Match leistete sich Sunderland zwei kapitale Abspielfehler, die unmittelbar zu den beiden Gegentoren führten. Besonders bitter war der Ballverlust in der 90. Minute vor dem eigenen Strafraum, dessen Konsequenz das entscheidende Tor war; der eingewechselte Jack Clarke traf für Ipswich zum Sieg. Zwar dominierte Sunderland das Geschehen, doch gegen den tiefstehenden Geg­ner fand das Team von Trainer Régis Le Bris kaum spielerische Lösungen.

Erstmals seit 53 Jahren in Europa

Eigentlich hätte Sunderland auf die Tücken dieses Duells besser vorbereitet sein müssen. Vor einem Jahr hatten die Black Cats als Liga-Neuling selbst mit einem furiosen Heimsieg zum Start eine Euphoriewelle ausgelöst, die sie am Ende überraschend auf Platz sieben trug. Mit dem Erreichen der Europa League qualifizierte sich der traditionsreiche Verein erstmals seit 53 Jahren für einen europäischen Wettbewerb.

Die Anlaufschwierigkeiten seiner Mannschaft stufte Le Bris als «nicht ungewöhnlich» ein. Trotzdem räumte er ein, dass die Konsequenzen «gravierend» gewesen seien. Durch die Pleite steht Sunderland bereits vor dem kommenden Heimspiel gegen Fulham unter Zugzwang, anschliessend warten mit Brentford, Arsenal und Manchester City drei anspruchsvolle Aufgaben.

Für den Klub des Schweizer Milliardenerben Kyril Louis-Dreyfus geht es darum, sich möglichst schnell ein Polster auf die Abstiegsränge zu verschaffen. Die Teilnahme an der Europa League beschert den international weitgehend unerfahrenen Spielern mindestens bis Ende Januar einen eng getakteten Spielrhythmus ohne echte Erholungspausen.

Nach dem Aufstieg in der vergangenen Saison hatte der Sunderland AFC die Mannschaft für eine fulminante Gesamtablöse von rund 200 Millionen Franken erneuert – unter anderem kam Xhaka für knapp 15 Millionen Franken aus Leverkusen. In diesem Sommer verzichtet der Verein von der rauen Nordostküste auf vergleichbare Transferaktivitäten.

Bislang verpflichtete das Management um den immer eingebundenen Louis-Dreyfus lediglich zwei Profis aus der französischen Liga: den jungen Linksaussen Dayann Méthalie für 25 Millionen Franken vom FC Toulouse sowie den ablösefreien Veteranen Thomas Meunier von Lille für die rechte Abwehrseite. Im Gegenzug wechselte Stürmer Eliezer Mayenda für 20 Millionen zu Stade Rennes. Sunderland weist folglich – eine Woche vor Schliessung des Transferfensters – die mit Abstand tiefsten Transferausgaben der Premier League auf.

Auf Sunderland wartet ein schwieriger Balanceakt

Der Fokus der Verantwortlichen lag darauf, die erfolgreiche Mannschaft zusammenzuhalten. Die Gründe dafür sind einerseits plausibel: Bis auf wenige Routiniers besteht das Kader aus entwicklungsfähigen Spielern, von denen sich der Klub in dieser Saison den nächsten Leistungssprung erhofft. Zudem sollen der Zusammenhalt und die gewachsenen Hierarchien bewahrt werden. Grössere personelle Veränderungen könnten diese Strukturen destabilisieren.

Andererseits reagiert Sunderland nur bedingt auf die zusätzlichen Anforderungen durch die Europa League. Die Teilnahme konnte der Klub lange nicht vorhersehen, weil sie erst unverhofft am letzten Spieltag perfekt gemacht wurde. Bei der ursprünglichen Kaderplanung vor einem Jahr war die Mannschaft in jedem Fall nicht auf das Mitwirken an einem solchen Wettbewerb ausgerichtet.

Die Herausforderung für Louis-Dreyfus liegt im veränderten Marktumfeld, in dem sich Sunderland mittlerweile bewegt. Potenzielle Verstärkungen sind nicht nur schwieriger zu identifizieren, sondern auch wesentlich kostspieliger. Den Nimbus des unterschätzten Liga-Neulings haben die Black Cats eingebüsst.

Gleichzeitig muss der Klub die spezifischen Finanzvorgaben der europäischen Wettbewerbe berücksichtigen, die noch strenger sind als in der Premier League. Es dürfen lediglich siebzig Prozent der fussballspezifischen Erlöse für sportliche Belange ausgegeben werden. Zumal ebenfalls stets das Risiko einkalkuliert werden muss, dass sich der Klub nicht erneut international qualifiziert und womöglich sogar wieder absteigen könnte.

Die beste Nachricht für die Anhängerschaft des Sunderland AFC ist, dass Xhaka trotz einem lukrativen Angebot des Liga-Konkurrenten Chelsea seinen Verbleib bestätigt hat. «Wir können wieder Grosses erreichen. Man hat dieses Gefühl, wenn man den Menschen in die Augen schaut», begründete er seine Entscheidung kürzlich in der «Daily Mail».

Der Stratege ist für seine Mannschaft unersetzbar. Doch die gravierende Abhängigkeit bringt eine enorme Verantwortung für Xhaka mit sich, der Ende September 34 wird, eine kraftraubende Fussball-WM hinter sich hat und auch in dieser Saison erneut im Schweizer Nationalteam gefordert sein wird. Xhaka stellt sich der Herausforderung. Nach der Niederlage gegen Ipswich kündigte er den Fans mit einigem Pathos an: «Wir werden stärker zurückkommen und euch wieder etwas geben, woran ihr glauben könnt.»

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Die Stadt im rauen Nordosten Englands lebt für den Fussball, in guten wie in schlechten Zeiten. Es ist noch nicht lange her, dass der Sunderland AFC am Boden lag, doch jetzt erlebt der Klub Wochen voller Glück – auch dank zwei Schweizern.

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