Trotz Auswärtssieg im Klassiker gegen den FC Zürich: Um den FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner brodeln weiter Entlassungsgerüchte
Erst nach der Einwechslung von Xherdan Shaqiri kommt der FC Basel in Fahrt und siegt nach frühem Rückstand verdient 2:1. Der FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner will nach schwierigen Tagen und Wochen an seinem Kurs festhalten.
4 Leseminuten

Viele Emotionen im Match gegen den FC Zürich: Der FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner.
Gian Ehrenzeller / Keystone
Als Stephan Lichtsteiner eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff im Letzigrund zur Pressekonferenz erscheint, ist er noch immer FCB-Trainer. Allein das ist eine Nachricht wert. Denn wer sich in der vergangenen Woche die Schlagzeilen in Zeitungen, auf Online-Portalen und die Kolportagen in den sozialen Netzwerken zu Gemüte führte, musste davon ausgehen, dass Lichtsteiner eigentlich bereits entlassen war.
Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.
Zu wenig Punkte, keine Entwicklung, ungeschickte Kommunikation und so manche sogenannte «Stimme aus dem Inneren des Klubs» sollen dazu geführt haben, dass der Coach untragbar geworden sei. War das Spiel in Zürich bereits Lichtsteiners letzter Match als FCB-Trainer? Nach dem Auswärtssieg im Klassiker und mit dem Kontostand von neun Punkten nach vier Spielen sieht es im Moment nicht danach aus.
Nach dem Schlusspfiff rannte Lichtsteiner in die Kabine, als ob er einen Moment Ruhe brauchen würde. In der hektischen Schlussphase musste der FCB-Goalie Mirko Salvi zweimal retten, der VAR einen Penalty gegen die Basler zurücknehmen. Das kostete Nerven. «Ich freue mich für meine junge Mannschaft, dass sie gewonnen hat», konnte Lichtsteiner eine halbe Stunde später vor den Medienleuten sagen. Von der Frage, ob er sich mit dem Sieg den Job gerettet habe, wollte er sich nicht aufhalten lassen.
Es sei «von aussen viel Unruhe ins Team getragen» worden, sagte er und wiederholte, was er schon vor dem Spiel festgestellt haben wollte: Er habe im Austausch mit den Verantwortlichen keine Anzeichen von Vertrauensverlust wahrgenommen. «Wir halten an unserem Plan mit den jungen Spielern fest, und ich kümmere mich um das, was ich beeinflussen kann: die Arbeit mit der Mannschaft.» Gegen den schlichten FC Zürich wurde deutlich, dass diese Arbeit noch weit entfernt ist vom FCB-Anspruch, zu den besten Teams der Liga zu gehören.
Der FCB war zwar gut in den Match gestartet, doch als nach acht Minuten Victory Akpe einen Penalty verschuldet hatte und Philippe Kény den FCZ 1:0 in Führung schoss, fehlten den Baslern vor dem gegnerischen Tor Kreativität und Konsequenz, um den Zürcher Goalie Heinz Lindner in Bedrängnis zu bringen. Da kam zwar viel Talent zur Aufführung. Aber es fehlte an Robustheit und Coolness. Spielt eine Mannschaft wie der FC Zürich nach der frühen Führung defensiv, bekundet Lichtsteiners Team grosse Mühe, aus dem Ballbesitz Kapital zu schlagen.
Shaqiri muss lange warten – und macht den Unterschied
Erst nach der Einwechslung von Xherdan Shaqiri nach langen 52 Minuten änderte sich das Bild allmählich. Der Spielmacher brachte Ruhe ins FCB-Spiel, setzte seine Mitspieler in Szene und zeigte, dass er auch als Einwechselspieler den Unterschied machen kann. Nur: Warum spielte Shaqiri nicht von Anfang an?
Es ist eine Frage, die sich schon seit längerem stellt. Er habe Rückenprobleme, hiess es in letzter Zeit. Er könne nicht voll mit der Mannschaft trainieren, hiess es ein andermal. Klar ist, dass Shaqiri in Basel nicht mehr die Rolle spielt, die er vor zwei Jahren bei seiner Rückkehr eingenommen hat. Im ersten Jahr führte er den FCB zum Double. In der letzten Saison begann die Leistungskurve nach unten zu weisen. Im Januar schoss Shaqiri beim 4:3 im Letzigrund gegen den FCZ noch drei Tore und gab eine Torvorlage, doch es war das letzte grosse Ausrufezeichen des Ausnahmespielers.
Es war damals auch das letzte Spiel von Ludovic Magnin als FCB-Trainer. Nach dem 4:3 hatte Shaqiri Magnin in den höchsten Tönen gelobt. Das Lob wirkte, als riete er der Klubführung dringend von Magnins bevorstehender Entlassung ab. Danach verlor der FCB unter dem Magnin-Nachfolger Lichtsteiner drei Spiele in Folge und verpasste sämtliche Saisonziele. Shaqiri hat seither nur noch dreimal getroffen und lediglich vier der neunzehn Partien über die ganze Spielzeit absolviert.
Es wäre falsch, Shaqiris Leistungsabfall darauf zu reduzieren, dass dem FCB-Captain Magnins Nachfolger Lichtsteiner nicht passen könnte. Lichtsteiner und Shaqiri kennen sich aus gemeinsamen Zeiten im Nationalteam und wissen, was sie aneinander haben. Lichtsteiner betonte auch am Samstag nach dem 2:1, dass er Shaqiri nach wie vor voll vertraue und in ihm einen «Unterschiedsspieler» sehe – «wenn er fit ist».
In der kleinen Einschränkung ist gleichwohl die Botschaft versteckt, dass Shaqiri für Lichtsteiner nicht ausschliesslich der Spieler sein kann, um den sich alles dreht. Gerade das ist jedoch, was Shaqiri immer gebraucht hat: die Wärme der Trainer und das Zutrauen, dass er der Chef und der Spektakelmacher ist. Die positive Sicht auf die Dinge sieht nun so aus, dass Lichtsteiner und Shaqiri gerade daran arbeiten, gemeinsam einen Modus zu finden für eine Rolle Shaqiris als Einwechsel- oder Teilzeitspieler, der da ist, wenn es ihn braucht. Der Match gegen den FCZ hat gezeigt, wie das funktionieren könnte.
Das Bekenntnis zu Lichtsteiner fehlt
35-jährig wird Shaqiri im Oktober, die Karriere ist in die Schlussphase eingebogen, und sein Vertrag endet im Juni. Die Frage zu klären, ob Basel mit dem Captain und Publikumsliebling verlängert oder nicht, wird für die Klubführung ein diffiziles Unterfangen werden.
Die FCB-Führung hält in dieser Frage bis heute ebenso still, wie sie sich bisher nicht zu den wilden Mutmassungen über eine bevorstehende Entlassung Lichtsteiners äussern wollte. Das befeuert die Spekulationen, und die «negativen Beeinflussungen von aussen», wie Lichtsteiner die Gerüchte nannte, sind Erschwernisse für die Arbeit des Trainers. «Für die jungen Spieler ist es nicht einfach, damit umzugehen», sagte Lichtsteiner. Seit Daniel Stucki als Sportchef im Mai zurückgetreten ist, fehlt eine FCB-Stimme, die nach aussen – wenigstens kurzfristig – Klarheit schafft. Ohne Bekenntnis zum Trainer werden die Gerüchte weiter ins Kraut schiessen.
Lichtsteiner dürfte nun eine Woche Zeit bekommen, um das Auswärtsspiel gegen die Young Boys vorzubereiten. Danach folgt für Basel mit Sitten, Lugano, Luzern und St. Gallen ein schwieriges Programm bis zur Nationalmannschaftspause. Spätestens dann wird die Frage beantwortet sein, ob der FCB daran glaubt, mit Lichtsteiner «ein langfristiges Projekt für die kommenden Jahre» umzusetzen, wie es noch im Januar geheissen hatte.




Comments
Nothing yet. Say the first thing.
Sign in to join the conversation.