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Sport – News, Hintergründe und Resultate | NZZ Nachrichten · Aug 22, 2026

Neue Klubs, neue Chancen: Welche Nationalspieler in Murat Yakins Gunst steigen könnten – und wer vor einer Bewährungsprobe steht

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Stephan Ramming, Niels Bossert · Neue Zürcher Zeitung

Neue Klubs, neue Chancen: Welche Nationalspieler in Murat Yakins Gunst steigen könnten – und wer vor einer Bewährungsprobe steht

Manzambi wechselt für eine Rekordsumme nach Birmingham, Freuler nach Piräus, Aebischer ist neu ein Eiserner – viele Nationalspieler beginnen ihre Saison in neuen Klubs. Schon bald steht die Nations League an. Wer spielt sich in den Fokus?

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Nach der WM ist vor der Nations League – und dazwischen dreht das Transferkarussell. Das gilt auch für viele Schweizer Nationalspieler. Wenn sich der Coach Murat Yakin Ende September über das Aufgebot für die Spiele in Nordmazedonien und Schottland beugt, wird wohl gegen die Hälfte des Kaders aus neuen Klubs anreisen mit ersten Erfahrungen in der veränderten Umgebung.

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Die Viertelfinalqualifikation an der WM war und ist für Nationalspieler eine Empfehlung auf dem Transfermarkt. Aber die Frage für Yakin wird lauten: Wer spielt, wer findet sich noch nicht zurecht? Und wen hat Yakin im Auge, um Neues auszuprobieren? Eine Übersicht:

Johan Manzambi, der neue Posterboy von Aston Villa

Ein Lächeln für die Kamera: Johan Manzambi zeigt das Trikot seines neuen Klubs Aston Villa.

Ein Lächeln für die Kamera: Johan Manzambi zeigt das Trikot seines neuen Klubs Aston Villa.

Neville Williams / Aston Villa FC via Getty

So viel wie für Johan Manzambi wurde noch nie für einen Schweizer bezahlt: Rund 60 Millionen Franken liess sich Aston Villa die Verpflichtung des 20-jährigen Genfers kosten. Damit überholte Manzambi Granit Xhaka, der vor zehn Jahren für 45 Millionen von Borussia Mönchengladbach zu Arsenal wechselte; drittteuerster Schweizer ist Dan Ndoye, rund 40 Millionen überwies vor einem Jahr Nottingham Forest nach Bologna.

Für Manzambi ist der Wechsel in die Premier League ein grosser Schritt. Ob er zu gross ist, wird sich weisen müssen. Geduld wird beim Spieler wie auch beim Klub ein wichtiger Faktor sein. Intensität und Tempo sind höher als in der Bundesliga, die Konkurrenz ist grösser als in Freiburg, die Erwartungen von Fans und Medien an den teuersten Transfer in der Klubgeschichte von Aston Villa sind riesig. Der Traditionsklub belegte in der vergangenen Saison den 4. Platz in der Premier League. Wann Manzambi zum ersten Einsatz kommt, ist noch offen. Die Knieprellung, die er an der WM im Training erlitt, ist noch nicht auskuriert.

Nur eine Saison brauchte der polyvalente Mittelfeldspieler, um im SC Freiburg zum Stammspieler zu reifen. Mit den Breisgauern erreichte er den Final in der Europa League gegen Aston Villa, seinen neuen Klub. Manzambi sei «schon seit vielen Monaten ein Transferziel» gewesen, sagte Aston Villas Coach Unai Emery. Auch Newcastle United und andere Klubs sollen um Manzambi mitgeboten haben. Manzambis drei WM-Tore beschleunigten den Transfer, noch während des Turniers wurde der Rekordwechsel nach Birmingham bekannt.

Nico Elvedis Traum von England erfüllt sich

Auf der Tribüne der Elland Road: Nico Elvedi spielt nach elf Jahren mit Borussia Mönchengladbach neu für Leeds United in der Premier League.

Auf der Tribüne der Elland Road: Nico Elvedi spielt nach elf Jahren mit Borussia Mönchengladbach neu für Leeds United in der Premier League.

Malcolm Bryce / Leeds United via Getty

Für Nico Elvedi war die Premier League schon seit langem ein Traum. Der bald 30-Jährige krönte seine herausragende Bundesliga-Saison im elften Jahr bei Borussia Mönchengladbach im Nationalteam mit Glanzleistungen an der WM, jetzt ist Elvedi am Ziel: Für rund 10 Millionen Franken holte Leeds United den Innenverteidiger an die Elland Road. Knüpft Elvedi an sein Niveau der vergangenen Jahre an, dürfte er fraglos zur Stammformation gehören. Kein Nachteil für Elvedi dürfte zudem sein, dass er den deutschen Leeds-Trainer Daniel Farke aus dessen kurzer Zeit in Mönchengladbach bereits kennt.

Reicht die griechische Liga für Remo Freuler?

Neue Liga, neues Land: Remo Freuler im Dress von Olympiakos Piräus.

Neue Liga, neues Land: Remo Freuler im Dress von Olympiakos Piräus.

PD

Wie kompetitiv muss eine Liga sein, damit man nicht aus dem Blickfeld von Murat Yakin gerät? Nach vielen Jahren in der Serie A spielt Remo Freuler künftig bei Olympiakos Piräus in Griechenlands Super League. Olympiakos ist ein Traditionsklub, in der Saison 2023/24 gewann die Equipe die Conference League. Doch hinter den vier Top-Teams Olympiakos, AEK, Panathinaikos und Paok tut sich eine Qualitätslücke auf. Im Uefa-Ranking belegt die griechische Super League Platz 12 (die Schweiz Platz 16). Freuler wird mit Olympiakos in der Europa League teilnehmen.

Freuler wollte eigentlich in Bologna bleiben, doch der Klub offerierte nur ein Jahr Verlängerung. Freuler wollte zwei Jahre – bis zur nächsten Euro. 36-jährig ist Freuler dann – zu alt fürs Nationalteam? Nicht unbedingt. An der Seite von Granit Xhaka war Freuler in den letzten Jahren als kongenialer Mittelfeldpartner unantastbar. An der WM war augenscheinlich, wie essenziell das Duo ist.

Die Nations League wird Yakin Gelegenheit für Planspiele bieten. Kann sich Ardon Jashari unter Milans neuem Trainer Rúben Amorim für Aufgaben im Nationalteam empfehlen? Drängt sich gar Cheveyo Tsawa auf, der Jasharis Weg einschlug, vom FC Zürich zum FC Brügge wechselte und nun erste Schritte auf höherem Niveau wagt?

Aurèle Amenda soll in Coventry zum Klassenerhalt beitragen

Von Frankfurt nach Coventry: Aurèle Amenda soll die Defensive des Aufsteigers in die Premier League verstärken.

Von Frankfurt nach Coventry: Aurèle Amenda soll die Defensive des Aufsteigers in die Premier League verstärken.

Ryan Browne / Imago

Mit einer Ablöse von rund 17 Millionen Franken ist Aurèle Amenda nach Manzambi bis dato der zweitteuerste Schweizer des Sommers. Die WM diente ihm nicht als Schaufenster – neben den Goalies Marvin Keller und Yvonne Mvogo blieb der 23-Jährige als Einziger ohne Einsatz. Amenda sei «ein absoluter Wunschspieler», sagte der Coventry-Trainer Frank Lampard. In der Rückrunde hatte sich der Romand bei Eintracht Frankfurt als Stammkraft in der Innenverteidigung etabliert.

Der frühere YB-Spieler passt ins englische Anforderungsprofil: zweikampf- und kopfballstark, ruhig im Spielaufbau, fast 2 Meter gross und mit einer robusten Physis gesegnet. Unterdessen hat Amenda gelernt, seine phlegmatischen Aussetzer zu minimieren. Mit Coventry City, dem Aufsteiger in die Premier League, geht es für Amenda einzig darum, nicht abzusteigen. Ein Härtetest. Besteht ihn Amenda, wird er in der Schweizer Innenverteidigung der Zukunft seine Rolle bekommen.

Michel Aebischer ist ein Eiserner – Cedric Itten nur ein Einwechselspieler?

Vom schiefen Turm in die Alte Försterei: Michel Aebischer folgt aus Pisa dem Trainer Mauro Lustrinelli zu Union Berlin.

Vom schiefen Turm in die Alte Försterei: Michel Aebischer folgt aus Pisa dem Trainer Mauro Lustrinelli zu Union Berlin.

PD

Nach dem Abstieg mit Pisa aus der Serie A wechselt Michel Aebischer zu Union Berlin. Aebischer war vom FC Bologna ausgeliehen, wo der 29-Jährige nicht regelmässig zum Einsatz gekommen war. Nun folgt der vielseitige Mittelfeldspieler dem Landsmann und Thun-Meistertrainer Mauro Lustrinelli nach Köpenick. Lustrinelli sieht Aebischer in der Rolle des Gestalters im zentral-offensiven Mittelfeld. In der Nationalmannschaft dürfte er für Yakin weiterhin eine wichtige Option bleiben für taktische Massnahmen – Aebischer kann im Zentrum jede Position spielen, auch auf den Aussenbahnen hat er dank seiner Spielintelligenz schon wertvolle Dienste verrichtet.

In die Bundesliga wechselte auch Cedric Itten. Mit 15 Toren in 30 Spielen für Fortuna Düsseldorf in der vergangenen Saison, eine Liga tiefer, überzeugte er Werder Bremen. Dazu war er noch ablösefrei. Doch wie gross ist das Vertrauen in Itten wirklich, wenn Werder danach Niclas Füllkrug auf Leihbasis zurückholt? Itten wird den Konkurrenzkampf annehmen müssen. Sein Status als Nationalspieler wankt.

Djibril Sow und Eray Cömert: von Spanien nach Italien

Von Valladolid nach Turin: Eray Cömert.

Von Valladolid nach Turin: Eray Cömert.

Getty

Von Sevilla nach Genua; Djibril Sow.

Von Sevilla nach Genua; Djibril Sow.

Simone Arveda / Getty

Am Status von Djibril Sow und Eray Cömert im Nationalteam wird sich nach ihren Wechseln wohl nicht viel ändern. Sow gehört zum erweiterten Kreis der Startformation, bekam auch an der WM Einsätze von Beginn an. Nach drei Jahren als Stammspieler beim FC Sevilla geht er nun in die Serie A zum CFC Genua.

Eray Cömert zog es nach dem Vertragsende beim FC Valencia zum FC Torino. Dort wird er sich weiterhin für Yakin bereithalten. Wenn es Cömert braucht, ist er in der Rolle des Nebendarstellers im Nationalteam zur Stelle. So wie in der Verlängerung gegen Argentinien im WM-Viertelfinal.

Ricardo Rodríguez und Ruben Vargas: auf der Suche

Ricardo Rodríguez und Ruben Vargas überzeugten an der WM – einen neuen Klub fanden sie aber bisher nicht.

Ricardo Rodríguez und Ruben Vargas überzeugten an der WM – einen neuen Klub fanden sie aber bisher nicht.

Albert Gea / Reuters

Die Vorzeichen sind unterschiedlich bei Ricardo Rodríguez und Rubén Vargas. Vargas besitzt einen laufenden Vertrag, doch für das Gehaltsgefüge des finanziell schlingernden FC Sevilla ist er eine Last – die Andalusier würden ihn gerne verkaufen. Vargas wechselte erst im Januar 2025 nach Sevilla, erzielte 5 Tore und gab 7 Vorlagen in 36 Ligaspielen. Er sucht nach einem Klub mit besseren Perspektiven. Immerhin gelangen dem 28-Jährigen an der WM zwei Tore und eine Torvorlage; gegen Kolumbien verwertete er zudem den entscheidenden Penalty. Eigentlich ein ansehnliches Bewerbungsdossier. Bisher wurde es jedoch mit keinem Interessenten konkret.

Auch beim ewigen Rodríguez nicht. Er wartet seit längerem auf ein passendes Angebot. Wie Remo Freuler ist auch Rodríguez 34-jährig. Betis Sevilla wollte den auslaufenden Vertrag trotz einer starken WM nicht verlängern. Der Klub präferiert auf Rodríguez’ linker Abwehrseite jüngere Kräfte. Interesse am Zürcher gab es aus den USA, Italien, Griechenland. Der Verteidiger hofft auf einen Klub in einer der fünf Top-Ligen. Noch bleibt ihm dafür etwas Zeit.

Gerüchte und Dementis um Granit Xhaka und Breel Embolo

Granit Xhaka und Breel Embolo: Freunde in der Nationalmannschaft, bald Rivalen in der Premier League?

Granit Xhaka und Breel Embolo: Freunde in der Nationalmannschaft, bald Rivalen in der Premier League?

Peter Klaunzer / EPA

Eine Woche lang zählte der «Blick» während der WM eins plus eins zusammen und schrieb Granit Xhaka zu Chelsea, weil dort mit Xabi Alonso Xhakas hochgeschätzter Trainer aus dem Leverkusener Meisterjahr übernommen hatte. Eine Ente: Das Angebot von Chelsea war zu klein, Xhaka will mit dem AFC Sunderland den 7. Rang der Vorsaison bestätigen.

Auch bei Breel Embolo scheinen einige «Transfergurus» und Medien seinen Wechsel schneller verkünden zu wollen, als der Stürmer selbst eine Entscheidung trifft. Embolo wechsle in die amerikanische MLS zu Atlanta United, hiess es. Hatte Embolo plötzlich die Eingebung, dass ein solcher Schritt mit 29 Jahren zu früh käme? Jüngst hiess es, Embolo stehe kurz vor einem Wechsel zum Premier-League-Aufsteiger Ipswich Town. Ipswich würde sich immerhin gut in einen Besuch von Murat Yakin und seiner Entourage bei den Nationalspielern in England einreihen: Birmingham, Coventry, Sunderland, Leeds, Nottingham, Burnley mit Zeki Amdouni.

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Nach dem schmerzhaften WM-Aus mag sich im Nationalteam noch niemand damit befassen, wie viel Verjüngung die Equipe braucht. Doch bald wird man sich dieser Frage stellen müssen.

Tausende feiern die Schweizer Nationalmannschaft und ihren historischen Erfolg. Das Team und Murat Yakin hadern derweil noch mit dem Viertelfinal-Aus.

Das Nationalteam scheitert nur am Weltmeister Argentinien, weil ihm das Spielglück fehlt. Es ist an dieser WM in neue Sphären vorgedrungen. Nun wird die Mannschaft ihr Gesicht verändern. Die Nachfolger der goldenen Generation treten ein schweres Erbe an.

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