«Mit den Plätzen 1, 2 und 3 haben wir etwas underperformt», sagt Kristian Blummenfelt. Jeder der drei Norweger will die Ironman-WM gewinnen
In St. Moritz stolpern sich die besten Sportler der Welt über die Füsse. Auch die norwegischen Ironmen bereiten sich im Engadin auf die Saisonhöhepunkte in Nizza und Hawaii vor.
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Das Engadin gefällt ihnen: Gustav Iden (links) und Kristian Blummenfelt bereiten sich in St. Moritz auf die Höhepunkte der Ironman-Saison vor.
James Mitchell / Santara Studios
Er sei nicht der Beste im Schwimmen, schreibt Gustav Iden auf Instagram, «aber im Kajakfahren bin ich noch schlechter.» Dazu ein Bild wie aus einem Prospekt für Touristen. Beste Werbung für das Engadin.
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Drei der derzeit erfolgreichsten Ironmen der Welt – und der populärsten in den sozialen Netzwerken – absolvieren ihr Höhentraining erstmals in St. Moritz: die Norweger Kristian Blummenfelt, Gustav Iden und Casper Stornes.
An der Ironman-WM 2025 haben «die Boys» als Team das Podest gefüllt. Nun bereiten sie sich in der Schweiz auf die Saisonhöhepunkte 2026 vor: die Ironman-70.3-WM in Nizza im September und die Ironman-WM im Oktober, die endlich wieder am legendären Austragungsort auf Hawaii stattfindet.
«Mit den Plätzen 1, 2 und 3 haben wir im letzten Jahr etwas underperformt», sagt Blummenfelt bei einem Cappuccino in St. Moritz, und Iden fährt fort: «Wir alle fahren nach Hawaii, um zu gewinnen.» Sie sind so eng, dass sie gelegentlich die Sätze der anderen fertig machen – und Sprüche über sie. «Ich bin überzeugt, dass Gustav und Casper auch einen zweiten Platz als Sieg anschauen», sagt Blummenfelt.
Nun sind sogar Freundinnen erlaubt
Sie sind auf gutem Weg. Stornes gewann im Juni die EM in Frankfurt, Iden wurde Zweiter. Und «Big Blu» Blummenfelt, der Bekannteste der drei, wurde im Juli beim grössten Ironman-Rennen der Welt, der Challenge Roth, nur vom Franzosen Sam Laidlow geschlagen. Dafür musste Laidlow den Weltrekord laufen.
Seit vergangenem Jahr sind die Norweger zu dritt unterwegs. Bis 2024 haben Blummenfelt und Iden mit ihrem damaligen Trainer Olav Aleksander Bu die erfolgreichste Männer-WG der Welt gebildet – und dabei das Trainingskonzept der Norweger-Methode neu definiert: Schwellentraining, viele Daten und keine Freundin.
«Olav hat nie gesagt, wir dürften keine Freundin haben», sagt Iden, «er hat wissenschaftlich argumentiert, warum es für die Leistung besser ist, Single zu bleiben.» Seit 2025 trainieren sie sich selbst, und Iden ist nun liiert.

Kristian Blummenfelt wurde 2021 in Tokio Triathlon-Olympiasieger und wenige Monate danach Ironman-Weltmeister.
James Mitchell / Santara Studios

Gustav Iden gewann die Ironman-Weltmeisterschaft 2022 in Hawaii.
James Mitchell / Santara Studios
Alle drei kommen aus Bergen. In den wenigen Wochen pro Jahr, in denen sie zu Hause sind, trainieren sie auch einmal allein. Sonst sind sie fast immer zusammen, essen zusammen, trainieren zusammen, reisen zusammen. Dass drei der besten Ironmen der Welt an dieselbe Sportschule gegangen sind, an den Ort, der vor allem für Regen bekannt ist, hat nichts mit Zufall zu tun, sondern mit ihrer Mentalität.
«It hurts more to lose»
Bevor sie kamen, hatten Triathleten an ihrer Schule als faul gegolten, wie sie kürzlich der norwegischen Zeitung «Verdens Gang» («VG») erzählten. Als Blummenfelt, 32, sich in den frühen 2010er Jahren für den Leistungssportkurs einschreiben wollte, brauchte er einiges an Überzeugungskraft. Bei Iden, 30, und Stornes, 29, war das kein Thema mehr.
Blummenfelt hat schon als Teenager rund 25 Stunden pro Woche trainiert. Da fühlte er sich wohl. «Früher war Kristian ein Einzelgänger, er hatte selten viele Leute um sich», sagt Iden, «ich bin eine Art Bindeglied zwischen ihm und den anderen gewesen.» Blummenfelts Brustkasten ist seit seiner Kindheit verformt, er hätte ihn operieren lassen können, doch das wollte er nicht. Er war überzeugt, dass sein Herz und seine Lungen so mehr Platz hätten für Leistung.
Heute wird er in der Szene als fittester Mensch der Welt bezeichnet, mit Lungen wie ein Pferd. Seine maximale Sauerstoffaufnahme VO2max von 103 ml/min/kg wird von Experten kritisiert und von Fans diskutiert – und er schaut belustigt dabei zu.
«Ich gehe mit der Überzeugung in ein Rennen, dass ich gewinne», sagt er. Gewinnt er nicht, dann lief etwas falsch, was er im Training korrigieren muss. «It hurts more to lose», zu verlieren schmerze mehr, steht auf seinem Velo.
Iden sammelt Geld für die Krebsforschung
Blummenfelt, Iden und Stornes haben alle schon eine Ironman-WM gewonnen, Iden ist der Einzige, der Hawaii gewann. Das war 2022. Danach ging es bergab. Der Körper machte nicht mehr mit, sogar ins Wasser zu springen, tat weh, wie er «VG» erzählte. Er fragte sich, wie lange er das noch durchhalten würde. Und dann starb auch noch seine Mutter.

Von den 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen ist das Schwimmen die unbeliebteste Ironman-Disziplin von Blummenfelt und Iden.
James Mitchell / Santara Studios
«Vor über drei Jahren habe ich meine Mutter an den Krebs verloren», sagt er in einem Video der norwegischen Krebsvereinigung, «alle von uns kennen jemanden, der daran gestorben ist.» Mit diesem Video ruft er zum Spenden für die Forschung auf und verspricht, nach Hawaii sein Velo und seinen Anzug unter den Spendern zu verlosen.
Die drei sind verschiedene Typen. Iden ist der Gesprächigste. Abgesehen vom Video über seine Mutter macht er in den sozialen Netzwerken vor allem Sprüche. «Ich glaube nicht, dass man danach streben sollte, etwas zu sein, was man nicht ist», sagt er. «Ich bin nicht der Gewinnertyp wie Kristian. Wenn ich nicht in Form bin, denke ich nicht, dass ich trotzdem gewinnen kann.» Doch dieses Jahr, davon ist er überzeugt, wird er in Hawaii zuoberst stehen.
Der Beste darf als Erstes das Zimmer wählen
Als Stornes vergangenes Jahr Weltmeister wurde, waren alle überrascht, nur seine Trainingskollegen nicht. «Nach der Saison 2024 haben wir ihn auf die richtige Seite geholt», sagen Blummenfelt und Iden über Stornes, «seither ist er stark.» Auf die richtige Seite heisst für sie: in ihr Team, weg vom Nationalteam. Der Spitzensport sei gnadenlos, man müsse mit den besten Leuten zusammenarbeiten, auch um Geld für die Zeit nach der Karriere zu verdienen, «und die besten Leute arbeiten nicht im nationalen Verband.»
Es gibt kein anderes Sportteam, das so funktioniert wie die Ironmen aus Norwegen. «Die einzige Hierarchie, die wir haben, ist, dass der Beste der Pro-Serie-Rangliste als Erstes das Zimmer auswählen darf», sagt Iden. Das ist derzeit «Big Blu». Beim Training richten sie sich nach dem, der den stärksten Wunsch hat. Am Vortag wollte Iden in Chiavenna laufen, um von der Hitze zu profitieren. Hätte jemand etwas anderes gewollt, hätten sie es ausdiskutiert.
Das Team funktioniert so gut, sagt ihr ehemaliger Trainer Bu, dass sie sich im Rennen eigentlich nur vor den Trainingskollegen fürchten müssen. Und auch wenn alle drei nur das Ziel haben, Hawaii zu gewinnen: Von einem Norweger geschlagen zu werden, wäre für alle das kleinste Übel.




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