Die Zürcher FDP verliert ihr letztes Kreisschulpräsidium. Përparim Avdili sagt: «Mein Unverständnis für die GLP könnte kaum grösser sein»
Die FDP ist der SP in der Wahl um das Präsidium der Kreisschulbehörde Glattal knapp unterlegen. Nun leitet die SP sechs von sieben Kreisschulbehörden.
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Die Kreisschulbehörde Glattal wird nun von einem SP-Mann geleitet.
Karin Hofer / NZZ
Am Sonntag hat für die FDP eine Ära geendet: Sie erlitt bei den Wahlen für das Präsidium der Kreisschulbehörde des Zürcher Stadtkreises 11 eine Niederlage. Die Schulen in Oerlikon, Seebach und Affoltern werden in Zukunft von einem SP-Kreisschulpräsidenten gelenkt. Der SP-Kandidat Marco Hochuli gewann mit 3645 Stimmen knapp gegen seine Konkurrentin, die FDP-Kandidatin Carlina Capaul. Sie holte 3588 Stimmen. Die FDP verliert damit ihr letztes Kreisschulbehörden-Präsidium.
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Marco Hochuli ist 49-jährig, ausgebildeter Pflegefachmann und bis anhin von Beruf Leiter der Abteilung für Wohnen und Obdach beim Sozialdepartement. Vor seiner Kandidatur als Präsident der Kreisschulbehörde Glattal war Hochuli bereits Mitglied der Kreisschulbehörde Waidberg.
Seine Konkurrentin, Carlina Capaul, ist 45-jährig und von Beruf Leiterin der zentralen Dienste bei einer Zürcher Kantonsschule. Capaul sollte die FDP-Frau Vera Lang Temperli beerben, die das Amt der Präsidentin der Kreisschulbehörde Glattal zuletzt innehatte.
Sechs von sieben Kreisschulpräsidien sind nun von der SP besetzt, einzig jenes am Zürichberg gehört nicht dazu. Dort leitet der parteilose Roger Curchod die Kreisschulbehörde.
FDP kritisiert GLP
Nach der Wahl kritisiert die FDP die GLP. Die Grünliberalen hatten im ersten Wahlgang mit Kantonsrätin Monica Sanesi eine eigene Kandidatin aufgestellt, die sich aber vor dem zweiten Wahlgang zurückzog. Daraufhin entschied sich die GLP, keine Wahlempfehlung für den zweiten Wahlgang abzugeben.
Përparim Avdili, Präsident der Stadtzürcher FDP, sagt: «Die Empfehlung der GLP hätte den Ausschlag geben können. Mein Unverständnis könnte kaum grösser sein.» Die Entscheidung, nicht die Kandidatin der FDP zu unterstützen, zeige auch die Positionierung der Grünliberalen, sagt Avdili: «Die GLP beweist einmal mehr, dass sie sich zwar als liberal bezeichnet, aber eigentlich den Machtausbau der SP unterstützt.»
Die GLP wehrt sich gegen diese Vorwürfe – und greift die FDP ihrerseits an. Selina Frey, Co-Präsidentin der Stadtzürcher GLP, sagt: «Die FDP hätte ja auch bereits im ersten Wahlgang unsere Kandidatin unterstützen können. Wir sind schliesslich besser darin, beide Pole miteinander zu verbinden.» Eine Wahlempfehlung für die FDP-Kandidatin Capaul, sagt Frey, sei für die GLP nicht infrage gekommen: «Mit der Stimmfreigabe stand unseren Wählenden alles offen. Eine Empfehlung hätte nichts geändert. Dass nun sechs von sieben Kreisschulpräsidien in der Hand der SP sind, ist auch für uns bedauerlich.»
Linker Mann gewinnt gegen bürgerliche Frau
Avdili kritisiert die Rolle von GLP und SP aber auch wegen des Geschlechts der Kandidatin: Die FDP hat eine Frau aufgestellt, die SP einen Mann. Avdili sagt: «Und nun unterstützen ausgerechnet jene Parteien, die sich normalerweise so für Gleichberechtigung aussprechen, die Wahl eines Mannes. Das ergibt keinen Sinn.»
Die SP kontert diese Kritik. Der Parteipräsident Oliver Heimgartner sagt: «Die Kreisschulbehörden werden momentan von sechs Frauen und einem Mann geleitet. Da ist es wirklich kein Problem, dass noch ein Mann gewählt wurde.»
Und die GLP-Frau Frey sagt: «Nach dem Rückzug von Monica Sanesi haben wir die Stimmfreigabe beschlossen. Damit stellten wir die Person in den Mittelpunkt und nicht das Geschlecht.»
Kontroverse um Behörde
Die Verwaltung von Zürcher Schulen führt immer wieder zu Diskussionen – unter anderem, weil in die Aufgabe unzählige Menschen involviert sind. Geleitet werden die Schulen vom Vorsteher des Schul- und Sportdepartements der Stadt Zürich, das ist momentan der Grüne Balthasar Glättli. Die Kreisschulbehörden stehen eine Stufe tiefer als der Stadtrat und werden jeweils von einer Person geleitet, die vom Volk gewählt wird. Diese ist Vollzeit angestellt und verdient mit ihrem Mandat gegen 190 000 Franken pro Jahr. Die Kreisschulbehörden wählen schliesslich die Schulleiter, die für die einzelnen Schulen verantwortlich sind.
2021 kam es zu einem grösseren Skandal, als bekanntwurde, dass der SP-Schulpräsident Roberto Rodriguez freiwillig von seinem Amt zurückgetreten war und dafür eine Abgangsentschädigung von 650 000 Franken erhalten hatte – obwohl er bereits wieder einen neuen Job hatte. Daraufhin folgten Reformen, die unter anderem zur Folge hatten, dass Präsidenten von Kreisschulbehörden nicht mehr entschädigt werden, wenn sie ihr Amt abgeben.
Die Verantwortung für die Führung der Schulen ist deshalb breit verteilt. Das führte auch immer wieder zu Kritik, mehrmals sollte das System reformiert werden, um die Effizienz zu steigern. Diese Diskussionen kamen aber wieder zum Erliegen. Der SP-Präsident Heimgartner sagt: «Die Bevölkerung möchte, dass die Schulen gut in den Quartieren verankert sind. Mehr Zentralismus würde die Schulen nicht besser machen.»
Der FDP-Präsident Avdili hingegen macht einen Vorschlag. Er findet, man könnte sich überlegen, die Präsidien der Kreisschulbehörden alle zusammen nach dem Proporzverfahren zu wählen. Avdili sagt: «So hätte nicht automatisch die stärkste Partei in der Stadt einen derart grossen Vorteil.» Ob und wann diese Diskussion geführt werden wird, ist allerdings noch offen.




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