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Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung · Aug 25, 2026

Gericht lässt Anklage gegen Rudi Assauers Tochter nicht zu

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Sinan Sat · Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung

Im Streit um das Vermögen des früheren Schalker Managers Rudi Assauer hat das Landgericht Essen die Anklage der Staatsanwaltschaft nicht zugelassen. Weder Assauers Tochter Bettina Michel noch seine langjährige Privatsekretärin und ein Bekannter des Fußballmanagers müssen sich vor Gericht verantworten. Das Gericht lehnte es ab, das Hauptverfahren zu eröffnen. Das geht aus einem Beschluss hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und an den Rechtsanwalt der Privatsekretärin, Hans Reinhardt, ging.

Die Staatsanwaltschaft hatte den drei Beschuldigten im Mai banden- und gewerbsmäßigen Betrug vorgeworfen. Sie sollen sich am Vermögen des schwer an Alzheimer erkrankten Assauer bereichert haben, der im Februar 2019 im Alter von 74 Jahren starb. Die VI. große Strafkammer sieht dafür keinen hinreichenden Tatverdacht: Nach dem gegenwärtigen Ermittlungsstand könne nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Beschuldigten strafbar gemacht hätten und eine Verurteilung möglich sei.

Es ging um zwei Immobilien und 767.080 Euro

Konkret hatte die Anklage den drei Beschuldigten vorgeworfen, noch zu Lebzeiten Assauers zwei seiner Immobilien verkauft zu haben, ohne dazu berechtigt gewesen zu sein. Dafür sollen sie eine Generalvollmacht aus dem Jahr 2012 vorgelegt haben, die nicht gültig gewesen sei – Assauer sei zu diesem Zeitpunkt wegen seiner Erkrankung schon nicht mehr geschäftsfähig gewesen. Das, so der Vorwurf, hätten die drei gewusst. Insgesamt ging es um 767.080 Euro.

Der Tochter legte die Staatsanwaltschaft zusätzlich falsche Angaben an Eides statt zur Last. Darüber entschied das Landgericht Essen nicht – dafür sah es sich örtlich nicht zuständig.

Fünf Jahre Ermittlungen im Fall Rudi Assauer

Ausgelöst hatten die Ermittlungen Recherchen der Wochenzeitung „Die Zeit“. Rund fünf Jahre lang gingen Polizei und Staatsanwaltschaft Essen der Frage nach, warum Assauer am Ende seines Lebens nahezu mittellos war. „Laut seinen Steuerunterlagen hatte Assauer im Jahr 2010 noch ein Vermögen von rund 2,3 Millionen Euro, bei seinem Tod im Jahr 2019 war davon fast nichts mehr übrig“, hatte „Zeit“-Redakteur Stefan Willeke der WAZ gesagt. Er berichtete von „dubiosen Verträgen über den Verkauf von Assauers Immobilien“; in einigen davon sei kein Konto genannt, so dass sich die Frage stelle, wer den Kaufpreis erhielt.

Die Generalvollmacht hatte Assauer 2012 seiner Sekretärin und einem befreundeten Schönheitschirurgen erteilt. Beide regelten bis zu seinem Tod die finanziellen Angelegenheiten des schwer kranken Mannes. Der Mediziner war ursprünglich einer von vier Beschuldigten, er ist inzwischen verstorben. Im Sommer 2018, gut ein halbes Jahr vor Assauers Tod, sollen rund 264.000 Euro auf ein Konto der Bevollmächtigten geflossen sein. Als Assauer im Februar 2019 starb, verzeichnete eine Vermögensaufstellung seiner Tochter noch 15.000 Euro Bargeld, Firmenanteile im Wert von 25.000 Euro, einen Anzug, einen Mantel, eine Pfeife, ein defektes Brillengestell, eine Rolex, ein paar Möbel und einen zehn Jahre alten Opel Meriva.

Rudi Assauer

Rudi Assauer, beim „Eurofighter & Friends“-Spiel am 21. Mai 2017 in Gelsenkirchen.© Guido Kirchner/dpa | Guido Kirchner

Zunächst ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue, am Ende erhob sie Anklage wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs. Im April hatte Oberstaatsanwalt Leif Seeger, Sprecher der Behörde, den Abschluss des Verfahrens angekündigt: Die Auswertung der Ermittlungsergebnisse aus mehreren Jahren bringe „einen erheblichen Arbeitsaufwand mit sich“. Ob der Beschluss des Landgerichts das Ende des Verfahrens bedeutet, ist offen – die Staatsanwaltschaft kann gegen die Nichteröffnung sofortige Beschwerde beim Oberlandesgericht Hamm einlegen.

Assauer prägte Schalke über Jahrzehnte

Assauer war Manager des FC Schalke 04 von 1981 bis 1986 und von 1993 bis 2006. Der Macher mit der Zigarre als Markenzeichen prägte die Bundesliga über Jahre und wurde weit über den Sport hinaus bekannt. Er formte aus dem Skandalverein einen Champions-League-Teilnehmer und trieb den Bau der Arena voran. In Erinnerung geblieben sind auch seine Tränen nach der verpassten Meisterschaft 2001, als die Schalker zum „Meister der Herzen“ wurden, und der DFB-Pokal, der ihm 2002 aus der Hand fiel.

Assauer starb am 6. Februar 2019 in seiner Heimatstadt Herten und wurde anonym im Schlosswald zwischen Herten und Gelsenkirchen beigesetzt. Erst im April dieses Jahres bekam er einen öffentlichen Erinnerungsort: Auf dem Friedhof Schalke Fan-Feld erinnern seither Granitplatten mit seinem Foto an den Manager – auf dem Ehrenplatz mit der Nummer 04. Um sein Erbe hatten die Hinterbliebenen jahrelang vor Gericht gestritten. (mit dpa)

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